Bilanz 2017 der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt

Bevölkerungsrückgang hält an: Infrastruktur in Landgemeinden stärken

12.12.2017

Angesichts der Abwanderung besteht im gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt kein Wohnungsmangel. Das gilt auch für die Großstädte Magdeburg und Halle. Die Verbände der Wohnungswirtschaft ziehen eine durchwachsene Bilanz für das Jahr 2017.

Fassade eines verlassenen Hauses; Gardine weht im offenen Fenster
Leerstand in Sachsen-Anhalt wird zunehmen. Foto: Adobestock/Carola Vahldiek

Nach Angaben des Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) und des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften (VdWg) mit Sitz in Magdeburg haben kommunale und genossenschaftliche Unternehmen im auslaufenden Jahr 538 Millionen Euro investiert: Da die Wohnungsmärkte in Sachsen-Anhalt schrumpfen, floss dieses Geld hauptsächlich in die Erhaltung und Modernisierung von Bestandsgebäuden. Zu einem geringeren Teil wurde an Standorten mit Zukunft auch in den Neubau investiert. Die 195 Wohnungsunternehmen beider Verbände verwalten und bewirtschaften 335.000 Wohnungen (43,5 % des Gesamtmietwohnungsbestandes in Sachsen-Anhalt), in denen 650.000 Menschen wohnen. Fast 93 Prozent des Gesamtwohnungsbestandes der VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen sind voll oder teilmodernisiert.

Wohnungsmarkt in Sachsen-Anhalt entspannt

Der Wohnungsleerstand beträgt zum Jahresende rund 33.000 Wohnungen. Das sind etwa 38.000 Wohnungen weniger als noch 2005. Ohne Wohnungsabriss wäre der Leerstand gestiegen. Mit durchschnittlich 4,90 Euro/m² liegen die Wohnungskaltmieten der VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen in einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Trotz hoher Investitionstätigkeit sind die Durchschnittsmieten im Vergleich zum Vorjahr kaum gestiegen.

Die beiden Verbände sehen ihre Mitgliedsunternehmen als Hauptakteure des Stadtumbaus in Sachsen-Anhalt. Sie hätten das Netz der wohnungsnahen Dienstleistungen weiterentwickelt und vermehrt alternsgerechte Wohnungen geschaffen.

Planungen für das Jahr 2018

Die Wohnungsunternehmen planen für das Jahr 2018 ein Investitionsvolumen in Höhe von 600 Millionen Euro. Das Geld soll erneut vor allem in die Erhaltung und die Modernisierung des Wohnungsbestandes fließen. Formen des alternsgerechten Wohnens und Maßnahmen zur Energieeffizienz bleiben Investitionsschwerpunkte. Mit einem prognostizierten durchschnittlichen Mietpreis von 4,95 Euro/m² werden die Mietpreise auch 2018 ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis widerspiegeln.

Die Versorgung von Flüchtlingen mit Wohnraum sei gesichert. Hier hätten gerade kommunale Wohnungsgesellschaften und auch Wohnungsgenossenschaften einen wesentlichen Beitrag geleistet. Nun müsse die gesellschaftliche Integration noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden.

Noch mehr Klimaschutz für Mieter nicht bezahlbar

Beide Verbände betonen in ihrer Jahresbilanz, dass Klimaschutz und Energieeffizienz seit vielen Jahren Leitthemen der Unternehmensführung darstellten. Seit 1990 haben schätzungsweise über 8 Mrd. Euro Investitionen in die Wohnungsbestände zu mehr Energieeffizienz und damit zu deutlichen Kostenreduzierungen auf Mieterseite geführt. In vielen Wohnquartieren sei jedoch der Grenznutzen bereits erreicht. Mehr Investitionen auf Vermieterseite würden zu keinem vertretbaren Nutzen auf Mieterseite führen. Daher verteuere eine weitere Verschärfung der Klimaschutzziele, wie aktuell von der Bundesregierung (weitere Einsparung von 8 Millionen CO2 bis 2030) beschlossen, das Wohnen. Das passe nicht zum politischen Ziel, bezahlbares Wohnen zu sichern und neue bezahlbare Wohnungen zu bauen.

Ländliche Räume müssen gestärkt werden

VdW und VdWg gehen davon aus, dass die Leerstände in Sachsen-Anhalt wieder ansteigen werden, denn mit Ausnahme von Magdeburg und Halle werden alle Landkreise weiter an Einwohnern verlieren. Grundlegende Strategie aller Ebenen des Staates und der Politik müsse es daher sein, die Infrastruktur in strukturschwachen Regionen zu sichern und so auch in ländlichen Räumen lebendige Zentren zu erhalten. Wohnungspolitisches Denken der letzten Jahre habe sich auf Bundesebene zu einseitig auf die Wohnungsknappheit in den Metropolregionen verengt. Die Aufmerksamkeit müsse stärker auf die schrumpfenden Regionen gerichtet werden. Der unverändert anhaltende Bevölkerungsrückgang, flächendeckend in Sachsen-Anhalt, erfordere andere Maßnahmen (z. B. Abrissförderung) als in den Ballungsgebieten. Die sich jetzt abzeichnende Entwicklung mit steigendem Leerstand dürfe die Existenz von Wohnungsunternehmen nicht gefährden

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