„Das Selbstwertgefühl unserer Branche lässt sich steigern“

18.06.2013

In der Ausgabe 06/2013 veröffentlicht IVV immobilien vermieten & verwalten, Das Magazin für die Wohnungswirtschaft, das folgende Interview mit Dr. Hans-Michael Brey, Vorstand der BBA - Akademie der Immobilienwirtschaft e.V. Berlin.

Dr. Hans-Michael Brey, Vorstand der BBA. Foto: Kerstin Sabotke

Die BBA ist auf Wachstumskurs. Mehr als 30 Unternehmen aus der Immobilien- und Wohnungswirtschaft erklärten 2012 ihren Beitritt. Damit tragen aktuell 300 Unternehmen die BBA.

Die wachsende bundesweite Ausstrahlung der Akademie zeigt sich darin, dass die neuen Mitglieder ihre Firmensitze in Essen, Eschborn, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover oder Wolfsburg haben.

Bei den Teilnehmerzahlen verzeichnete die BBA 2012 bei Tagungen, Seminaren usw. jeweils ein Plus von mehr als 11 %. Die rund 340 Veranstaltungen wurden von knapp 4.200 Teilnehmern besucht. Akademie-Vorstand Hans-Michael Brey sieht die Immobilienwirtschaft in einer Phase des Umbruchs, in der viele neuartige Aufgaben auf sie zukommen. Im Interview erklärt Brey, welche Rolle die Akademie in diesem Wandel spielt und welche Erwartungen er an die Kooperation mit der IVV knüpft.

Die Akademie ist ein Verein. Seine Mitglieder sind Unternehmen der Wohnungswirtschaft. Wie intensiv sind die inhaltlichen Anregungen von dieser Kundenbasis?
Die Anregungen sind ausgesprochen intensiv. Wir haben 300 Mitglieder, die ihre Mitarbeiter in unsere Seminare und Veranstaltungen schicken. Diese Kunden begleiten uns sehr eng. Wir beteiligen sie regelmäßig im Vorfeld eines neu zu entwickelnden Fachgebietes; nach den Veranstaltungen bitten wir die Teilnehmer, Fragebögen auszufüllen. Und wir arbeiten in den Gremien sehr eng mit den Unternehmen zusammen: im Rahmen der Mitgliederversammlung, des Verwaltungsrates und des Vorstandes sowie der Beiräte für unsere private Berufsschule und der Studiengänge. Die Orientierung an den Wünschen der Kunden, das ist unsere Benchmark.

Viele Seminarthemen entspringen den Tiefen der täglichen Praxis. Beispiel: Sozialmanagement – Umgang mit schwierigen Mietern. Kommen Ihre Dozenten selbst aus Wohnungsunternehmen und befassen sich mit solchen Aufgaben?
Wir haben eine gute Mischung aus Theoretikern und Praktikern. Von den etwa 300  Dozenten, die in der BBA unterrichten, sind die Hälfte Praktiker aus Wohnungsunternehmen. Der andere Teil kommt von Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen.

Gibt es einen Trend bei Format und Dauer der Veranstaltungen?
Wir haben das Jahresergebnis 2012 ausgewertet und konnten feststellen, dass die Bereiche Seminare, Lehrgänge und Tagungen wachsen. Das zeigt uns, der Kunde möchte stärker im Rahmen eines kurzen Momentums auf den neusten Stand gebracht werden, um dann wieder ins Unternehmen zurückzukehren.

Wie funktionieren Ihre Inhouse-Schulungen? Nennen die Kunden ein konkretes Thema, das sie bearbeiten möchten?
Es ist in der Tat so, dass Kunden zu einem speziellen Thema anfragen. Wir bieten drei
Varianten an. In der ersten Variante übertragen wir reguläre Seminare in eine Inhouse-
Schulung. Die zweite Variante bilden Lehrgänge, die wir für die Kunden einkürzen.
Die dritte Variante praktizieren wir momentan sehr häufi g, weil sich in den Unternehmen
sehr viel ändert. Dabei rufen die Kunden ihr spezielles Thema auf und wir kreieren darauf eine Antwort. Das trifft insbesondere für den Bereich E-Learning zu, wo wir entsprechende Lehrgänge oder Seminare aufsetzen.

Wie lange dauern Ihre Inhouse-Schulungen?
Das ist sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Tagen bis zu einigen Monaten. Wie
bereits erwähnt, die individuellen Konzepte erfüllen die Anforderungen der Kunden. Bedarf
es eines Updates zum Mietrecht, reicht ein Tag. Geht es um die Begleitung eines Veränderungsprozesses, benötigt das mehr Zeit. Sind die Schulungen internet basiert, also arbeitsplatzbezogen, entscheidet der Kunde, bis wann alle Mitarbeiter den Lehrstoff durchgearbeitet haben. Angepasst an den täglichen Arbeitsrhythmus kann das auch einige Monate in Anspruch nehmen.

Was eine recht lange Zeit ist …
Sie dürfen sich das nicht so vorstellen, dass wir mehrere Wochen vor Ort sind. Vielmehr
stellen wir Aufgaben und Fragen auf eine Internetplattform und der Kunde hat, wann immer es seine Zeit erlaubt, die Möglichkeit, sich einzuloggen und die Fragen zu beantworten. Wenn die Ausbildung positiv durchlaufen wird, ist er mit einem Modul fertig. Hat er nicht reüssiert, muss er nochmal an das Thema ran.

Sind die Inhouse-Schulungen ausschließlich Internet-basiert?
Nein. In der Regel fi nden Präsenzschulungen statt. Zunehmend fragt der Kunde jedoch sogenannte Blended-Learning-Konzepte nach. Das heißt, die Weiterbildung findet zweigeteilt statt. Zum einen ist der Dozent vor Ort, was einen Mehrwert in der Begleitung und Betreuung hat und zum anderen werden die Schulungen um elektronische Module ergänzt, um den Lernerfolg zu erleichtern und die Schulungsanforderungen besser in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Welche Themen werden bei berufsbegleitenden Qualifikationen besonders stark nachgefragt?
Im Augenblick können wir das ziemlich klar identifizieren. Das Thema Betriebskostenmanagement wird sehr intensiv nachgefragt, aber auch die Themen Messdienstleistung und energetische Sanierung. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Facility Management. Die Unternehmen sind dazu übergegangen, die Hausmeister in die Unternehmen zurückzuholen und sie ordentlich weiterzubilden, weil das Credo gilt: Der Hausmeister ist der erste Ansprechpartner in der Liegenschaft und somit die Visitenkarte des Unternehmens. Diese Schwerpunkte haben sich im ersten Quartal 2013 herausgebildet.

Was sind aus Sicht Ihrer Kunden die großen Herausforderungen der Wohnungswirtschaft und kann die Akademie darauf Antworten entwickeln?
Die großen Herausforderungen sind meines Erachtens die Energiewende, die demografischen Veränderungen und das Thema der sozialen Integration, weil die Gesellschaft „auseinanderläuft“ und die Unternehmen das vor Ort aufzufangen haben. Die Akademie ist sehr wohl in der Lage, entsprechende Antworten zu geben. Wir hatten den Geschäftsführer eines kommunalen Unternehmens aus Hennigsdorf im Hause, der ein Business-Administrationin-Real-Estate-Management (MBA)-Programm erfolgreich durchlaufen hat. Innerhalb dieses Programms hat er einen Masterplan für Hennigsdorf geschrieben, in dem er die Rollen des Wohnungsunternehmens und der kommunalen Energieversorger definiert und in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht hat. Seine Ausarbeitung wurde verabschiedet und heute gestaltet unser Absolvent maßgeblich die Wohnungs- und Städtebaupolitik der Kommune.Das zeigt, wie sich Akademie und Praxis gegenseitig befruchten.

Wie attraktiv sind die Ausbildungsberufe und Studiengänge der Wohnungswirtschaft für junge Menschen im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbranchen?
Wir haben ein Selbstwertgefühl, das steigerungsfähig ist. Wir empfinden uns alle als nicht besonders sexy. Aber das ist nur die Reaktion auf den ersten Blick. Steigen sie tiefer in das Thema ein, so ist die Wohnungswirtschaft meines Erachtens eine der interessantesten Branchen. Sie beschäftigen sich mit juristischen und sozialpolitischen Fragestellungen und ebenso sind betriebswirtschaftliche und technische Aufgaben zu lösen. Alles kumuliert in einer Immobilie und wenn diese Aspekte im Zusammenhang gesehen werden, so ist diese Branche sicherlich eine der interessantesten Tätigkeitsfelder überhaupt.

Berichten Ihre Kunden von Nachwuchsproblemen?
Das tun sie in der Tat. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) hat für seine etwa 3.000 Mitgliedsunternehmen herausgefunden, dass in den nächsten fünf bis sieben Jahren etwa 15.000 Fach- und Führungskräfte fehlen werden. In den Unternehmen werden Demografie-Reports erstellt, um zu erkennen, wer ist wann noch da und welche Personalstruktur muss das Unternehmen in Zukunft haben. Das Thema wird also angegangen.

Wenn so ein Demografie-Report Lücken zeigt, wie kann die Branche ihre Attraktivität im Wettbewerb um die besten Köpfe steigern?
Ein zentrales Thema wird das Employer-Branding sein. Als lokales Unternehmen in der Region als interessanter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, ist der erste Punkt. Nichts ist meines Erachtens so schwer, wie ein positives Image zu entwickeln. Die zweite Aufgabe wird sein, innerhalb des Unternehmens jungen Menschen und älteren Mitarbeitern eine Perspektive zu geben, die über fünf oder zehn Jahre hinausgeht. Das heißt, neue Personalentwicklungskonzepte werden ins Werk gesetzt werden müssen. Diese Aufgabe ist neu.

Wie schätzen Sie die Bereitschaft der Unternehmen ein, Mitarbeitern die Chance
zur Qualifi zierung einzuräumen?

Die Chancen schätze ich sehr gut ein, aber es ist wie immer im Leben ein Prozess. Es
gibt einige Unternehmen, die ganz vorne sind. Die kümmern sich intensiv, weil sie erkannt
haben, dass sie in den nächsten Jahren ein Nachwuchsproblem bekommen werden. Andere Unternehmen werden das konstruktiv beobachten und dann nachziehen.

Welche Ziele hat sich die BBA gesetzt?
Das wichtigste Ziel ist, Qualität zu liefern. Im vergangenen Jahr ist die BBA erstmals als Bildungsträger zertifi ziert worden. Die DIN ISO 29990 ist ein vorrangig für die Weiterbildung und betriebliche Ausbildung entwickeltes System zur Qualitätssicherung. Als erstes seiner Art gewährleistet es einen international gültigen Standard über die branchenübliche Standardnorm ISO 9001 hinaus. Mit der neuen Norm soll eine gesteigerte Transparenz auf dem Markt der Aus- und Weiterbildung geschaffen werden und den Interessenten so eine bessere Vergleichbarkeit der Anbieter von Lerndienstleistungen ermöglichen. Ferner werden wir in den kommenden Jahren größere und differenziertere Angebote machen, weil die Unternehmen differenzierter nachfragen als bisher. Und wir werden im Bereich des E-Learnings stärker investieren. Last not least werden wir darüber nachdenken, wie wir die Facharbeiterausbildung und die Akademikerausbildung so klug miteinander verschränken, dass die Unternehmen mit diesen Mitarbeitern auch in Zukunft erfolgreich arbeiten können.

Was verstehen Sie unter Facharbeitern?
Das sind die Fachwirte und Ökonomen. In der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ist es so, dass etwa 51 % der Mitarbeiter Facharbeiter im besten Sinne sind, also Meister ihres Faches. Durch den Bologna-Prozess gibt es eine „Bachelorisierung“ der Aus- und Weiterbildung. Wir stellen fest, dass der Bachelor zwar einen positiven Anstrich hat, aber den Unternehmen nicht immer hilft, ihre Aufgaben zu erfüllen. Nicht jedes Unternehmen braucht zehn Bachelor- Absolventen, sondern da ist eher der Facharbeiter, eben der Meister seines Faches, gefordert. Und diese Entwicklungen müssen miteinander versöhnt werden.

Welche Erwartungen setzen Sie in die Kooperation mit der HUSS-MEDIEN GmbH und dem Fachmagazin IVV?
Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, gesellschaftliche Trends herauszuarbeiten, die Notwendigkeit der Aus- und Weiterbildung zu thematisieren, eine entsprechende Diskussion anzustoßen und die Branche für diese Fragen zu sensibilisieren. Und wir sollten die Erfolge, die diese Branche erzielt, und ihren gesellschaftspolitischen Stellenwert klar artikulieren.

Ich danke für das Gespräch, Herr Dr. Brey
Das Interview führte Thomas Engelbrecht.

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