Den altersgerechten Umbau an der Bedarfslage orientieren

24.07.2015

Nicht nur bei Älteren können gravierende Einschnitte das Leben von heute auf morgen verändern. Wer auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist, der muss unter Umständen in kurzer Zeit eine alters- oder rollstuhlgerechte Umgestaltung seiner Räume in Angriff nehmenn. Doch die Praxis zeigt: Oft wird ungenügend geplant und am Bedarfsfall vorbei umgebaut. Dieser sollte jedoch genau analysiert werden.

Über Bewegungsfreiheit in Haus oder Wohnung freuen sich Jung und Alt. FOTO: ALUMAT

Oft wird vorschnell nur an den Umbau der Sanitärräume gedacht, andere wichtige Bereiche der Wohnung bleiben unberücksichtigt. Ungünstige Planungen fangen mit mangelhafter Analyse an: Wer nur auf den aktuellen Status Quo reagiert und künftig zu erwartende Verschlechterungen nicht in die Planung einbezieht, muss unter Umständen nachbessern.

Ein altersgerechter Umbau setzt Weitsicht voraus
Bei Erkrankungen oder körperlicher Einschränkungen ist es unerlässlich, zusammen mit dem Pflegepersonal eine Prognose aufzustellen, was in naher Zukunft an Platzbedarf und Hilfsmitteln notwendig wird. Oft wird beispielsweise vergessen, dass sich die bereits eingeschränkte Mobilität weiter verschlechtert und vielleicht sogar eine dauernde Bettlägerigkeit im Pflegebett zur Folge haben kann. Dann sind entsprechend große Türbreiten vorzusehen, durch die auch ein Pflegebett ins Schlafzimmer transportiert werden kann. Auch kann es sinnvoll sein, an Platz für eine ständige Pflegekraft zu denken.

Zugänge, Treppen und Schwellen hindernisfrei gestalten
Durch Rampen für Rollatoren und Rollstühle lassen sich Treppen überwinden. In besonderen Fällen können Treppenlifte zum Einsatz kommen. "Treppensteiger" für den mobilen Einsatz bewähren sich in der Praxis selten, da eine geübte Begleitperson erforderlich ist und dennoch Unfallgefahr bestehen bleibt. Bei Treppen mit Mindestlaufbreiten von 110 cm lassen sich Treppenlifte gut einbauen, bei schmaleren Treppen wird die Begehung für Normalnutzer schwieriger. Im Treppenhaus, vor einem Aufzug oder im Eingangsbereich müssen die Aktionsradien für eine Rollstuhlnutzung geprüft und gegebenenfalls angepasst werden. An den Eingangstüren lassen sich in der Regel Türautomatiken mit Motorantrieb nachrüsten. Weitere Stolperstellen wie Balkonaustritte oder Türschwellen werden mit Edelstahlblechen oder Holzrampen leichter für Rollstühle überfahrbar.

Schwerpunkt: Der Sanitärbereich
WC, Waschbecken und Dusche sollten möglichst in einem Raum untergebracht sein. Dafür kann man zum Beispiel ein bisher getrenntes WC mit dem Badezimmer durch die Herausnahme der Zwischenwand zusammenlegen. Wenn möglich, sollte der Sanitärbereich nicht nur vom Wohnungsflur, sondern auch vom Schlafzimmer aus erreichbar sein. Der Zugang muss für Rollator und Rollstuhl möglich sein, dann können auch Toilettenstühle durch die Öffnung gefahren werden. Standardtürmaße mit einem Durchgangsmaß von 82 cm sind dafür ausreichend. Ein Umbau zu einer bodenebenen Dusche ist ratsam. Stützgriffe auf beiden Seiten des WC sowie im Duschbereich sind hilfreich. Befestigungsmöglichkeiten für Halteschlaufen geben im Deckenbereich über WC und Dusche mehr Sicherheit.

Knackpunkt: Aufbauhöhe des Bad-Bodens
Typische Bodenaufbauten liegen im Altbau oft bei wenigen Zentimetern, was den Einbau einer bodenebenen Dusche erschwert. Aus Kostengründen niedrige Duschwannen einzubauen, ist wegen der Stolpergefahr nicht zu empfehlen. Besser ist die Schaffung eines neuen 13 bis 16 Zentimeter hohen Aufbaus mit ausreichendem Gefälle für die Bodenentwässerung - empfehlenswert sind zwei Prozent Gefälle.

Der Boden im Sanitärbereich muss rutschhemmend ausgebildet werden. Leicht zu reinigende Fliesen sind oft sehr glatt, besser sind Fliesen mit leicht rauer rutschhemmender Oberfläche oder kleine Mosaikfliesen mit hohem Fugenanteil. Prüfzeugnisse für die Rutschfestigkeit sind vom Hersteller anzufordern. Badvorleger sind wegen erheblicher Stolper- und Rutschgefahr nicht empfehlenswert.

Fazit: Für einen altersgerechten Umbau sollte ein qualifizierter Planer eingeschaltet werden. Die Branchenbuch-Suche nach einem auf behindertengerechten Badumbau spezialisierten Handwerksbetrieb ist erst der zweite Schritt. Preiswertere Alternativen bieten Planungen, die ein Gesamtkonzept für die Räume im Blick haben. Ansprechpartner für eine unabhängige Beratung zum altersgerechten Umbau finden Interessenten zum Beispiel in den Bauherrenberatern des Bauherren-Schutzbund e.V.

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