Vermögensverteilung

Vermieter kommen aus allen Schichten

Oktober 2017
Vermögende Vermieter - da ist eher ein Klischee. FOTO: PIXELIO/J.BORK

Wer Wohnungen und Häuser vermietet, muss vermögend sein – ein Klischee, mit dem das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) mit einer Studie über die Eigentümerstruktur
der Immobilienwirtschaft aufräumen möchte. Tatsächlich würden die meisten Mietwohnungen in Deutschland von privaten Kleinvermietern angeboten.

Rund 3,9 Mio. Kleinvermieter vermieten in Deutschland rund 15 Mio. Wohnungen. Besonders viele Vermieter gebe es in Baden-Württemberg mit einer Quote von 15 Prozent, in Sachsen-Anhalt sind es weniger als 3 Prozent. In Köln und Düsseldorf stellten Privatpersonen und Wohnungseigentümergemeinschaften mehr als zwei Drittel aller vermieteten Wohnungen zur Verfügung.

Vermieter stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten: Ältere Haushalte sind – gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil von 30 Prozent – mit 39 Prozent zwar leicht überrepräsentiert, ähnliches gilt für Freiberufler mit 14 Prozent. Unter den privaten Vermietern finden sich aber auch Angestellte, Beamte, junge Leute und Geringverdiener.

Reicher Vermieter eher die Ausnahme

Allein unter den 20 Prozent einkommensschwächsten Haushalten in Deutschland gebe es 6 Prozent Vermieter, zeigen die IW-Forscher auf Basis von Daten des Sozio-ökonomischen Panels. Rund 22 Prozent der Vermieter haben ein monatliches Nettohaushaltseinkommen unterhalb des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung. Und auch die Vermietung selbst trage oft nur einen kleinen Beitrag zum eigenen Einkommen bei: 53 Prozent der Vermieter erzielen vor Steuern Nettomieteinnahmen von weniger als 5.000 Euro pro Jahr.

„Das Bild des reichen Vermieters, der armen Mietern gegenübersteht, ist also eher eine Ausnahme als die Regel“, erklärt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer, der die Studie im Auftrag der Eigentümerverbände Kölner Haus- und Grundbesitzerverein von 1888 und Haus und Grund Düsseldorf und Umgebung erstellt hat.

Analyse „Wirtschaftsfaktor Immobilie 2017“

Die Kleinteiligkeit des deutschen Immobilienvermögens ist auch Thema in der jährlich fortgeschriebenen Analyse „Wirtschaftsfaktor Immobilie 2017“, die bereits im Sommer vorgestellt wurde. Verfasser dieser Studie ist ebenfalls Michael Voigtländer vom IW Köln gemeinsam mit Tobias Just (IRE/BS, Universität Regensburg). Beauftragt wird diese Studie unter anderem von Haus & Grund. Bei der Vorstellung der Studie in Berlin äußerte sich Verbandspräsident Kai Warnecke in ganz ähnlicher Weise. Abwegig sei die Vorstellung, dass private Vermieter automatisch vermögend werden. 7,4 Prozent oder fast 290.000 private Vermieter erzielten „negative Einkünfte“ mit der Vermietung; 9,9 Prozent (390.000 Vermieter) realisierten Jahreseinkünfte bis 1.000 Euro. Auf der anderen Seite der Skala erwirtschaften 28 Prozent oder 1,1 Mio. private Vermieter Jahresmieterlöse zwischen 5.000 und 10.000 Euro.

Deutsche Immobilienwirtschaft ist ein Stabilitätsanker

Dennoch ist laut Gutachten die Zahl der privaten Vermieter zwischen 2011 und 2015 um 330.000 (+ 9 Prozent) gestiegen. Die Heterogenität der Eigentümerstruktur und die konservative Kreditvergabe, so das Fazit der Forscher, machten die deutsche Immobilienwirtschaft zu einem Stabilitätsanker in der internationalen Finanzkrise.

Dennoch sei die Eigentümerquote in Deutschland im internationalen Vergleich eher klein, was sich nachteilig auf die Altersvorsorge auswirke. Finanzielle Belastungen wie energetische Sanierungen und zunehmende Regulierungen durch die Mietpreisbremse oder Erhaltungssatzungen (Milieuschutz) verhinderten eine  Ausweitung der Eigentumsquote, sagt Michael Voigtländer. „Bund und Länder müssen aufpassen, den Vermietern nicht zu viel aufzubürden.“

Dieser Artikel entstammt der aktuellen Ausgabe IVV immobilien vermieten & verwalten 10/2017

Suchbegriffe: ImmobilienvermögenImmobilienwirtschaftVerwaltervergütung

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