Nachhaltiges Bauen ist gefragt
Zukunftsfähige Gebäude müssen hohe Ansprüche an Qualität, Flexibilität, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz erfüllen.
Technische Lösungen werden dabei künftig eine sehr viel größere Rolle spielen als bislang. Doch wie lassen sich diese Potenziale in Architektur und Technik erkennen und systematisch ausschöpfen?
Im Rahmen des Architekten- und Planersymposiums „Effiziente Gebäudeinfrastruktur der Zukunft“ informierten und diskutierten Experten über Möglichkeiten und Vorteile nachhaltiger Architektur.
Nach europäischen Vorgaben muss Deutschland bis zum Jahr 2020 seinen CO2-Ausstoß um 40 % senken und den Anteil erneuerbarer Energien um 20 % ausbauen. Vertraut man der Aussage von Professor Manfred Hegger von der Technischen Universität Darmstadt, zugleich Vorstandsvorsitzender der HHS Architekten, so ließe sich der Treibhausgas-Ausstoß in Deutschland durchaus ohne spürbare Einschränkungen für Verbraucher von bisher 11 t auf 3 t pro Jahr reduzieren – allein durch Schonung der vorhandenen Ressourcen.
Wie einfach es gelingt, in der Architektur mit Energieeffizienz und Nachhaltigkeit umzugehen, zeigte Prof. Hegger mit seinem Vortrag. Anhand des Energieparks Mont-Cenis in Herne-Sodingen - einem Stadtteilzentrum unter Glas, erbaut 1994 - erläuterte er vorbildliche Architektur. Sie schließt neben ökologischen und ökonomischen auch sozio-kulturelle Bedingungen ein. Als mustergültiges Beispiel für ein nachhaltiges Einfamilienhaus mit effizienter Haustechnik stellte er das Plus-Energie-Haus vor, mit dem er und seine Studenten den Solar-Decathlon-Wettbewerb 2007 in den USA gewinnen konnten. Hegger fasste zusammen: „Wir müssen leichter werden beim Bauen: Indem wir weniger Materialien einsetzen und auch die Lebenszyklen von Baustoffen in Frage stellen. Indem wir alte Bestandsgebäude in neue Nutzungen strukturieren und beim nachhaltigen Umbau die Behaglichkeit verbessern. Indem wir uns stärker auf regenerative Energien konzentrieren.“ Gemeinsam mit Studenten entwickelte er Bewertungssysteme für nachhaltiges Bauen und befürwortet die Einführung eines deutschen Gütesiegels für Nachhaltigkeit bei Wohngebäuden.
Dass rund 80 % des Gebäudebestands das EnEV-Niveau nicht erfüllen und die energetischen Werte teilweise um das Fünffache darüber liegen, weiß Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena). Er setzt auf umweltschonende Gewinnung und Anwendung von Energie sowie auf Entwicklung zukunftsfähiger Energiesysteme, die den Menschen eine möglichst autarke Lebensweise ermöglichen. Seine Kernaussage: „Die bisherige Aufklärung über den Mehrverbrauch bei Wärme und Strom ist für viele Hausbesitzer nicht transparent und stellt sie vor ein unlösbares Rätsel. Wir brauchen daher mehr und bessere Marktinstrumente, die Klarheit und Vertrauen schaffen, Hemmnisse beseitigen und Investitionen anregen.“ Auch er plädiert für ein Qualitäts-Zertifikat für den Wohnungsbau in Deutschland. Eines hat die dena bereits selbst ins Leben gerufen: das „dena-Gütesiegel Effizienzhaus“.
Tajo Friedemann, strategischer Berater beim internationalen Immobilienmakler Jones Lang LaSalle, legte in seinem Vortrag den Schwerpunkt auf gewerbliche Immobilien und deren lebenszyklusorientierte Planungs-, Bau- und Bewirtschaftungsphase. Er zeigte auf, was Technik und Immobilienwirtschaft verbindet – und was sie trennt. „Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist es von Vorteil, wenn Nutzungs- und Energiekosten sinken. Gleichzeitig müssen aber Arbeitsplatz- und Aufenthaltsqualität steigen, Vermietung und Vermarktbarkeit gesichert sein. Die Werterhaltung ist dabei genauso wichtig wie die Umbaufähigkeit von Immobilien.“ Deshalb sind Gebäude-Zertifikate wie DGNB, BREEAM und LEED wichtig.
International anerkannt, stehen sie für Nachhaltigkeit und sind ein Marktsignal für Green Buildings. Dabei haben langjährige Erfahrungen Friedemann überzeugt: Dokumentierte Nachhaltigkeit macht sich bezahlt – bislang vor allem in den USA und in Großbritannien. Ausgetragen wurde das Symposium im Rahmen der Light+Building 2010 in Frankfurt. Parallel zu dieser Veranstaltung hatten die acht Technologieführer der elektrotechnischen Industrie einen gemeinschaftlichen Messestand in Halle 8 konzipiert, auf dem sich Architekten, Planer und interessierte Besucher informieren konnten, welche Produkte und Systeme für energieeffiziente Gebäudeinfrastruktur-Lösungen heute bereits verfügbar sind.



































