Neues Qualitätssiegel für barrierearme Wohnungen

07.12.2015

Es gibt ein neues Prüfsiegel für barrierearme Immobilien, das Transparenz für Nutzer und Planungsleitlinien für Immobilieneigentümer bringen soll. Mit dem Qualitätssiegel „Barrierearmes Wohnen“ will das Institut für Qualitätskennzeichnung von sozialen Dienstleistungen (IQD) ab sofort mehr Transparenz in den Immobilienmarkt für bewegungseingeschränkte Personen bringen.

Auditor Gregor Vogelmann prüft ein Bad auf Barrierearmut. FOTO: IQD

Rund 200 Prüfkriterien umfasst das neue Handbuch. Ab einem 75-prozentigen  Erfüllungsgrad werden drei bis maximal fünf Sterne vergeben. Das Handbuch richtet sich an Wohnungsunternehmen, Immobilienverwalter, Architekten und Bauträger.

Sie sollen damit eine verkaufsfördernde Anleitung bekommen, wie Wohneinheiten  beschaffen sein müssen, um der gehandicapten Zielgruppe bei größtmöglicher Sicherheit
maximale persönliche Freiheit zu bieten. Parallel sei das Kompendium für Altenhilfeverbände und Träger von Pflegeeinrichtungen interessant, um über das
Sterne-Ranking Orientierungshilfe über relevante Wohnstandards zu erhalten.

Entstanden ist das 50-seitige Curriculum auf der Basis der neuen DIN 18040 und der
Ausbildung zum Sachverständigen für Barrierefreies Planen und Bauen an der Universität
Konstanz, die IQD-Vize-Geschäftsführer Gregor Vogelmann 2014/15 absolviert hat. „Mit unserem Siegel versprechen wir keine absolute Barrierefreiheit, um Regressansprüchen
vorzubeugen“, sagt der frühere Leiter eines Pflegeheims und Zertifizierungsexperte.
Denn an Übergängen wie Duschen oder Aufzügen ließen sich gewisse Schwellen nie ganz ausschließen. Geprüft und zertifiziert werden die innere und äußere Erschließung eines Gebäudes, die Wohnräume selbst sowie allgemeine Maßnahmen wie Beleuchtung oder Farbsysteme zur besseren Wahrnehmung etwa für Sehbehinderte oder Demenzerkrankte.

Entsprechend wird das Qualitätssiegel ab 75 % Erfüllung in fünf Abstufungen vergeben, wobei es ab 93 % die vollen fünf Sterne gibt.

Das Institut IQD in Filderstadt zertifiziert seit 1996 Pflegeheime, ambulante Dienste und andere soziale Dienstleistungen und hat bundesweit mehr als 360 Kunden in diesem Bereich.

Auf der Basis des Handbuches kann ein Anbieter in einem Selbstbewertungsprozess
seine Zertifizierung vorbereiten und in dieser Phase Defizite selbst erkennen und beheben. Das Audit erfolgt im Rahmen einer Begehung eines IQD-Sachverständigen. Auf der Basis des Prüfberichts kann der Antragsteller Korrekturen vornehmen, ehe die Sterne vergeben werden. Im Fall baulicher Veränderungen wird geprüft, ob das IQD erneut vor Ort sichtet.

Das Handbuch für 39 Euro, das auch Architekten wertvolle Planungshilfe bietet, kann
beim IQD bezogen werden.

Autor: Leonhard Fromm

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