Thüringen erhöht Grunderwerbsteuer: Bauen kann in Deutschland nicht billiger werden

03.01.2017

Zum Jahreswechsel hat Thüringen die Grunderwerbsteuer von fünf auf 6,5 Prozent erhöht. In zehn Jahren haben damit die Bundesländer insgesamt 27 Mal diese lukrative Einnahmequelle ausgebaut. Ein wichtiger Grund, warum Bauen und Wohnen in Deutschland nicht günstiger wird. Preissenkungen würden einen Verfassungskonflikt im förderalen Staat heraufbeschwören.

Ein Vermessungstechniker steht auf einem Baugrundstück.
Wer ein Baugrundstück kauft, muss immer mehr Steuer an die Länder zahlen. Foto: Fotolia/RioPatuca Images

Wie der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen berichtet, haben die Länder nach Schätzungen des Bundesfinanzministerium im Jahr 2016 mehr als zwölf Milliarden Euro durch die Grunderwerbsteuer eingenommen. Das ist doppelt so viel wie noch vor fünf Jahren. Und ein Ende des Steuererhöhungswettlaufs ist nicht in Sicht: Zum 1. Januar 2017 hat Thüringen die Grunderwerbsteuer von fünf auf 6,5 Prozent erhöht.

27 Steuerhöhungen in zehn Jahren

Seit der Förderalismusreform 2006 sind die Bundesländer berechtigt, die Höhe der Grunderwerbsteuer selbst zu bestimmen. Seither haben sich die Länder diese Steuer zur lukrativen Einahmequelle ausgebaut. Vor der Föderalismusreform betrug der Steuersatz bundeseinheitlich 3,5 Prozent. Heute gilt dieser Steuersatz nur noch in Bayern und Sachsen.

Nach Angaben des Steuerzahler-Bundes liegt der Steuersatz in vier Bundesländern (Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein) bei 4,5 Prozent und hat sich damit seit dem Jahr 2006 beinahe verdoppelt. Berlin und Hessen kassieren 6 Prozent vom Kaufpreis einer Immo­bilie. Sieben Länder haben den Steuersatz auf 5 Prozent erhöht. Der durchschnittliche Steuersatz lag vor der jüngsten Erhöhung in Thüringen nach Angaben des Steuerzahler-Bundes bei 5,3 Prozent, das entspreche einem Anstieg um mehr als 51 Prozent seit 2006. Die Länderkassen profitierten derzeit doppelt: Zum einen durch die Steuererhöhnungen, zum anderen durch die steigenden Preise für Wohnimmobilien (2015 durchschnittlich um 6 Prozent).

Normalverdiener können sich Wohneigentum nicht mehr leisten

Die steigende Grunderwerbsteuer wird nach Ansicht des Steuerzahlerbundes zunehmend zu einem Hindernis für die Bildung von Wohneigentum durch Normalverdiener. Sie werden im Verhältnis zu ihrem verfüg­baren Einkommen überproportional belastet. Wird beispielsweise eine Eigentumswohnung im Wert von 250.000 Euro gekauft, beträgt bei einem Steuersatz von 5  Prozent die Grunderwerbsteuer 12.500 Euro. Eine Steuerschuld in dieser Höhe entspreche bei einem zu versteuernden Einkommen von 30.000 Euro einer Belastung von 42  Prozent; bei einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro beträgt die Belastung ledig­lich 16 Prozent.

Infografik: Die Entwicklung der Grunderwerbsteuer in den letzten 10 Jahren

Quelle: ESTADOR GmbH

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