Neues Erdgas für Millionen Wohnungen

Umstellung auf neues Erdgas läuft an – Wohnungswirtschaft betroffen

02.02.2018

Ein Großprojekt rollt auf Millionen Gasverbraucher zu – und damit auch auf Unternehmen der Wohnungswirtschaft: Gasnetzbetreiber müssen große Teile Deutschlands auf eine alternative Gasart umstellen, auf sogenanntes H-Gas. Nur so können hier auch in Zukunft die Heizungen warm und viele Herde weiterhin heiß werden. Zum Schutz gegen Haustür-Trickbetrüger suchen Netzbetreiber den Schulterschluss auch mit der Wohnungswirtschaft.

Gasmonteure müssen Millionen Heizungen und Herde überprüfen. (Bild: EWE Netz GmbH)

Auslöser für das Großprojekt ist ein zunehmendes Schwinden der Förderkapazitäten des sogenannten L-Gases in den Niederlanden. Mehr noch: Spätestens ab 2029 wird unser Nachbar nahezu kein L-Gas mehr nach Deutschland exportieren. Millionen Wohnungen und Betriebe in Nord-, Mittel- und Westdeutschland stünden dann nahezu ohne Gasversorgung da. Betroffen sind nicht nur alle Gasheizungen aller Marken, sondern auch alle gasbetriebenen Herde, Wäschetrockner, Durchlauferhitzer oder die große Industrieanlage. Die Alternative zum L-Gas ist H-Gas. Dieses Gas ist langfristig verfügbar und stammt vorrangig aus Norwegen und Russland. Jedoch müssen dafür jetzt alle Gasgeräte auf eine Eignung für H-Gas geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Für die Netzbetreiber stellt die Umstellung eine große Herausforderung dar. Dazu müssen die einzelnen Gasgeräte zuerst überprüft werden. Bei zentral beheizten Gebäuden betreten Gasmonteure bis zu viermal innerhalb rund eines Jahres jeweils ausschließlich den Heizungsraum. Wenn in einzelnen Wohnungen Gasgeräte installiert sind, dann müssen sie jede Wohnung betreten, um die hier installierten Gasgeräte zu prüfen.

Der erste Termin: Das Erfassen aller Gasgeräte

Die Gasversorger beginnen nun damit, Heizkessel und gasbetriebene Küchenherde zu erfassen und zu überprüfen. Müssen sie technisch an das kommende Gas angepasst werden? Der Netzbetreiber bestellt bei Bedarf Original-Umrüstsätze. Tritt etwa unbemerkt Kohlenmonoxid oder Erdgas aus? Auch das wird geprüft. Sollte eines der Gase austreten, bemängelt der Monteur dieses. Steht Gefahr für Leib und Leben im Raum, muss der Gasversorger das Gasverbrauchsgerät bzw. die Gasversorgung direkt vor Ort sperren. Den Netzbetreibern bleibt kein Entscheidungsspielraum. Somit erfüllt die Umstellung der Gasart auch für die Anwohner einen wichtigen Sicherheitsaspekt.  

Der zweite Termin: Das Anpassen einzelner Gasgeräte

Nicht alle Gasgeräte können das H-Gas sauber verbrennen, daher müssen sie angepasst werden. Monteure tauschen dafür bei einem zweiten Termin – ca. 6 Monate später - in der Regel Brennerdüsen aus. Die Monteure bringen alle nötigen Materialien zum Termin mit. Stichprobenartig kontrollieren die Netzbetreiber nach den Terminen in jedem zehnten Haushalt, ob alles korrekt erledigt wurde.

Trickbetrügern die Tür verschließen

Was sich zunächst nach viel zu vielen Besuchen anhört, das dient vor allem einer Sache: Der Sicherheit. Denn kaum etwas ist so sensibel, wie die Gasversorgung in Gebäuden. Zu befürchten ist, dass diese Vielzahl an Besuchen Trickbetrüger auf den Plan rufen könnte. Betrüger, die sich als Gasmonteure ausgeben. Insbesondere ältere Anwohner sind gefährdet. Daher kündigen die Netzbetreiber Monteur-Termine in der Regel per Brief an. Zu empfehlen ist auch, dass Vermieter und Hausverwaltungen ihre Mieter über anstehende Besuche informieren.

Welche Kosten kommen auf Vermieter und Mieter zu?

Grundsätzlich entstehen durch das reine Erfassen und die Anpassung der Geräte an H-Gas für Vermieter und Mieter keinen Kosten. Die darüber hinaus entstehenden Kosten sollen bundesweit auf alle Verbraucher umgelegt werden. Mieter und Vermieter müssten daher für die Erdgasumstellung solange keine Kosten tragen, wie die Gasgeräte umrüstfähig seien. Und solange sie nicht sowieso repariert oder gewartet werden müssten.

Was sind L- und H-Gas und warum wird umgestellt?

Große Teile Deutschlands werden aktuell mit L-Gas versorgt, das aus deutscher und niederländischer Förderung stammt. Die Kapazitäten dieses speziellen Gases sind jedoch bereits rückläufig. Nach aktuellem Stand wird ab 2029 kein niederländisches L-Gas mehr nach Deutschland fließen. Daher stellen alle betroffenen L-Gasnetzbetreiber jetzt auf das langfristig verfügbare H-Gas um, das vorrangig aus der Nordsee sowie Russland stammt und dessen Vorkommen auf Jahrzehnte als gesichert gilt. Bei den zwei Gassorten liegt der Unterschied in der Qualität: H-Gas (High Calorific Gas) hat einen höheren Methangehalt und setzt daher bei der Verbrennung mehr Energie frei als L-Gas (Low Calorific Gas). An diese neue Gasqualität müssen die Gasnetzbetreiber alle gasverbrauchenden Geräte anpassen, um auf diese Weise die Zukunftsfähigkeit ihrer Region zu sichern.

Quelle: EWE Netz GmbH