Innovationsbarometer

Unternehmenskultur, Umdenken, innovative Arbeitsstrukturen – Große Wohnungsunternehmen unter der Modernisierungs-Lupe

26.01.2018

Die Digitalisierung gilt als wesentlicher Treiber der Industrie. Auch in der Immobilienbranche kommt man an digitalen Innovationen nicht mehr vorbei. Smarte Lösungen in und um Immobilien werden immer alltäglicher und begeistern mehr und mehr die Kunden.

Digitalisierung Immobilienbranche
(Bild: kebox/stockadobe.com)

Wie sieht es in den Wohnungsunternehmen selbst aus? Setzt man auch dort auf Neuausrichtung der Arbeitsprozesse und Unternehmenskultur oder verharrt man in alten Strukturen?

Innovationsursachen in der Wirtschaft

Seit 2016 erhebt Das EBS Real Estate Management Institute (EBS REMI) in Wiesbaden das Innovationsbarometer für die Immobilienwirtschaft. Die Studie beleuchtet die Dynamik der Branche und stellt die Ergebnisse jährlich vor.

Transformationen werden durch bestimmte Faktoren ausgelöst. Gesetzliche Regulierungen, neue Technologien, veränderte Wettbewerbsbedingungen und neu definierte Bedürfnisse der Kunden zählen zu den wichtigsten Gründen, die Innovationen im Unternehmen auslösen und voranreiben. Wer sich nicht verändert, wird am Markt abgehängt. 

Mit „dynamischer“ Trägheit in die digitale Zukunft

Um die einzelnen Bereiche der Immobilienwirtschaft intensiver betrachten zu können, wurde der Lebenszyklus einer Immobilie mit Hinblick auf die Branche in Immobilienmanagement, Beratung, Investment, Konstruktion, Finanzierung, Planung und Verwertung eingeteilt.

Während Kunden zunehmend die schnellere Erledigung von Aufträgen und eine intensivere Kommunikation fordern, sind viele Wohnungsunternehmen noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen.

Um Wohnungen zu bewerben, gestalten Firmen Webseiten mit modernen Landingpages. Sind die Wohnungen vermietet oder verkauft, beginnt meist das Dilemma für den Mieter oder Eigentümer. Wendet man sich mit einem Problem an die Hausverwaltung, stehen  oftmals nur Telefonnummer und E-Mail-Adressen zur Verfügung. Unternehmen reagieren träge auf die veränderten Ansprüche der Kunden. Weiterbildungen der Mitarbeiter, Investitionen in IT und Digitalisierung führen zu steigenden Kosten, die gemieden werden. Das dadurch neu entstehende Potenzial haben viele Unternehmen noch nicht erkannt.

Neue Markteilnehmer agieren mobiler

Wer neu auf den Markt drängt und sich Marktanteile sichern will, der muss die Nischen besetzen. Extreme Spezialisierungen resultieren aus veränderten Marktbedingungen. Der Erfolg solcher Unternehmen ist bereits jetzt sichtbar. Etablierte Unternehmen sehen jedoch  keine Konkurrenz. Laut Experten wird sich das jedoch in Zukunft ändern, denn die  Marktanteile junger Firmen gelten schon jetzt als sicher.

Neue Marktteilnehmer nutzen modernste Technik. Sie bieten Webseiten als interaktive Kommunikationsplattform für Kunden. Einige Unternehmen haben bereits eigene Apps entwickelt. Aktuell beeinflussen neue Technologien jedoch noch nicht die Geschäftsmodelle.

Steigender Druck auf Etablierte

In der Immobilienbranche steigt zunehmend der Rentabilitätsruck. Nicht nur Konkurrenzen durch junge Unternehmen, die sich ihre Marktanteile erfolgreich sichern, machen den etablierten Unternehmen das Leben zunehmend schwerer. Die Preise für Beratungen sinken, die Kosten für Gehälter, Marketing, Vertrieb, Akquise und Infrastruktur bleiben bzw. steigen. Als Folge werden die Margen niedriger.

Der hohe Preisdruck wird durch die Vergabe von Aufträgen der Investoren über Ausschreibungen verstärkt. Sie fordern  regelmäßig BaFin-Konformität (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht), was die Angleichung der Leistungen und Qualität zur Folge hat. Die zunehmende Professionalität der Branche führt zu vermehrter Standardisierung. Der Preiswettbewerb verschärft sich.

Big Player mischen den Markt auf

PropTechs und Big Player drängen in den Markt. Bislang misst man den PropTechs allerdings keine große Bedeutung zu, denn die jungen Unternehmen bieten Lösungen an, deren Mehrwert im Immobilienmanagement kritisch hinterfragt wird. Gute Ideen sind jedoch dabei. Wer sich durchsetzen wird, zeigt die Zukunft.

Global agierende Big Player hingegen gelten zunehmend als ernstzunehmende Konkurrenz. Sie wachsen durch Konsolidierungen sowie M&A-Aktivitäten (Mergers & Acquisitions) und richten ihr Geschäft strategisch neu aus. Marketing-, Vertriebs- und Akquisetätigkeiten verstärken sich durch mehr Ausschreibungen. Unternehmen müssen im Gespräch bleiben, durch Referenzen oder mit guten Ideen und Strategien, die Investoren überzeugen.

Technologischer Fortschritt

Die technische Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Alles wird mobiler, alles wird smarter, alles wird digitalisiert. In der Immobilienbranche spielen neue Technologien dennoch keine wesentliche Rolle – bis jetzt. Bei internen Prozessen kommen sie vermehrt zum Einsatz. In der Kommunikation mit dem Kunden stecken sie noch in den Kinderschuhen.

Beratungsleistungen nehmen an Komplexität und Umfang zu, die Ansprüche der Kunden sind gestiegen, der Druck hat in diesem Bereich auf die Immobilienbranche im Jahr 2017 am stärksten zugenommen. Die Leistungsfähigkeit der Technologien muss gesteigert werden, um die wachsenden Bedürfnisse der Kunden bei gleicher Vergütung zu erfüllen. Bisher wird die Technologisierung mehr vom „Reden“ als vom „Machen“ bestimmt. Die Zukunft wird die Branche in technischer Hinsicht jedoch stark verändern, denn neue Technik bedeutet neue Möglichkeiten.

Begriffe wie „Usability“ und „User-Experience“ halten auch in der Immobilienbranche Einzug. Die Interaktionen zwischen Mensch und Maschine werden zunehmen. PropTechs vernetzen ganzheitliche B2B-Lösungen und revolutionieren zunehmend den digitalen Wandel in der Branche. Die Veränderung wird kommen, wenn auch mit wesentlich langsamerer Dynamik als in anderen Branchen.
 

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