Studie des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss

Viele Firmen der Immobilienwirtschaft arbeiten nach wie vor traditionell

10.10.2016

Hightech-Informations-und-Kommunikationstechnik ist aus vielen Branchen schon lange nicht mehr wegzudenken. Unternehemn der Immobilienbranche setzten zwar schon früh auf Vermittlungsplattformen für Wohnungen im Netz. Das Gros blieb jedoch eher traditionellen Geschäftsmodellen treu. Das Thema Digitalisierung steht jedoch bei 90 Prozent der Immobilienunternehmen auf der Agenda. 

Zeichnung, die das Leben im digitalen Zeitalter ausdrücken soll, mit Köpfen in Bildschirmen und binärem Code
152 Unternehmen gaben Auskunft über ihre digitalen Strategien. FOTO: PIXABAY/GERALT

Nicht nur Start-ups der Branche (PropTech-Start-ups) haben das Thema Digitalisierung auf dem Zettel. Das zeigt eine Umfrage des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, die gemeinsam mit der Unternehmensberatung Ernst & Young Real Estate (EY Real Estate) durchgeführt wurde.

Welche sind die wichtigsten Zukunftsthemen?

Die etablierten Vertreter und die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft sehen ähnliche Trends, zum Beispiel "Big Data" und Datenstrukturierung.  Die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft setzen bereits jetzt mehrheitlich auf Big Data (55 Prozent). „Oder aus Sicht eines klassischen Immobilienfonds: Ziehen auffällig viele ähnliche Büromieter in einen bestimmten Stadtteil oder einen bestimmten Immobilientypus wie beispielsweise sanierte Fabriketagen?“ Zwar sind Immobilienfonds und andere etablierte Unternehmen der Branche beim Thema Big Data noch zurückhaltender (42 Prozent), wollen aber aktiver werden.

Augmented Reality und Künstliche Intelligenz

So ähnlich die Ziele der beiden Gruppen in vielen Feldern sind – nicht alle Zukunftsvisionen werden geteilt. Ein Beispiel ist die künstliche Intelligenz. „Das Thema wird von den etablierten Unternehmen als weniger wichtig gewertet“, sagt Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei EY. Gleiches gilt für die sogenannte Augmented Reality – ein Beispiel wären hier Datenbrillen für virtuelle Wohnungsbesichtigungen – oder für das Internet der Dinge, wonach mehr oder weniger alle technischen Geräte in einer Wohnung oder in einem Büro automatisch über das Netz miteinander kommunizieren: Die etablierten Marktteilnehmer haben die Themen auf der Agenda, halten sie aber nur bedingt für wichtig.

Immobilienunternehmen in Gefahr?

Ein Großteil der Befragten geht davon aus, dass sein Kerngeschäft durch den digitalen Wandel und durch die jungen Technologie-Unternehmen nicht in Gefahr ist. Auch die Immobilienwirtschaft wird mit einer neuen Realität konfrontiert werden, clevere Outsider drohen mit neuen Businessmodellen, so die Einschätzung der Studienherausgeber.

Nur 14 Prozent der Befragten sehen eine ernst zu nehmende Gefahr. „Im Gegenteil erwarten viele der etablierten Marktteilnehmer, dass ihr Geschäft durch die innovativen Player zusätzlich beflügelt wird“, so Schulz-Wulkow. Umgekehrt denkt die Mehrheit der digitalen Jungunternehmer (63 Prozent) allerdings durchaus, dass sie die alten Platzhirsche herausfordern können.

Der ZIA plädiert hier für ein Miteinander-statt-Gegeneinander. „Kooperationen bieten Chancen für beide Seiten, nur werden sie bislang noch nicht ausreichend genutzt“, sagt Martin Rodeck. „Dabei muss es nicht immer gleich Geld sein, das ein etabliertes Unternehmen in ein Start-up investiert. Oft genügen schon der Informationsaustausch und das Eröffnen von Netzwerken im Sinne einer Annäherung.“ Eine solche Annäherung scheint sinnvoll: Die Umfrage habe gezeigt, dass die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft einen deutlichen Vorsprung beim Thema Digitalisierung haben. „Wir haben in der Branche derzeit noch zwei Geschwindigkeiten“, beobachtet Rodeck.

Digitale Hauptstadt Berlin

Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 114 Technologie-Start-ups jeweils mit Gründungsjahr, Unternehmensschwerpunkt und Gründungsort erfasst. Zum größten Teil wurden die Teilnehmer in den vergangenen drei Jahren ins Leben gerufen. Rund 42 Prozent der jungen Unternehmen (48 Start-ups) gründeten sich im Raum Berlin. Dahinter folgt Bayern mit einem Anteil von 18 Prozent (21 Start-ups); die Unternehmen haben sich hier überwiegend im Raum München angesiedelt. Hamburg belegt mit zehn Unternehmen den dritten Platz im Ranking der Digital-Standorte. „Wer beispielsweise erwartet hätte, dass die immobilienwirtschaftlich orientieren Start-ups aus dem Bereich Finanztechnologien überwiegend im Raum Frankfurt angesiedelt sind, muss feststellen, dass sich diese Unternehmen über sechs Regionen verteilen“, sagt Schulz-Wulkow.

Über die Studie:

Insgesamt haben 152 sowohl privatwirtschaftliche als auch öffentliche Unternehmen Auskunft über ihre digitalen Strategien gegeben. Die teilnehmenden etablierten Immobilienunternehmen sind dabei in erster Linie in der Nutzungsphase (zum Beispiel in Mieterbetreuung) oder in der Phase der Investition/Finanzierung aktiv. Dabei beschäftigen sie sich schwerpunktmäßig mit Büro-, Wohn- und Einzelhandelsimmobilien. Die befragten technologienahen Unternehmen bewegen sich mehrheitlich in der Phase der Vermarktung (zum Beispiel als Online-Makler) und der Nutzung. Sie fokussieren sich dabei auf die Wohnimmobilie.

Die vollständige Studie können Sie hier kostenfrei herunterladen.

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