Stress in der City

Wie das Stadtleben uns krank macht

01.02.2018

Wie viel Dichte verträgt der Mensch und wie krank kann das Leben in der Großstadt machen? Diesen Fragen ging das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin jüngst in seiner Dialog-Reihe zur Zukunft der Städte nach.

Autoschlange in Bewegungsunschärfe
Lärm und Schmutz: Autoverkehr reißt nie ab. Foto: Adobestock/Rainer Fuhrmann

Mehr Menschen, mehr Wohnungen, mehr Verkehr. Die Städte wachsen – und damit auch die Probleme. Zahlreiche Nutzungsansprüche konkurrieren um den knapper werdenden Frei-Raum. Wo liegen die Grenzen der Verdichtung? Macht Dichte krank? Welche Qualitäten müssen erhalten und neu geschaffen werden, damit die verdichtete Stadt ihren Bewohnern ein gesundes Lebensumfeld bietet? Diese Fragen standen im Fokus der Diskussion des ersten Difu-Dialogs im Winterhalbjahr 2017/2018.

Pro und Contra städtische Dichte

Die Zuwanderung in die großen Städte und Ballungsräume wurde anfangs mit Freude wahrgenommen, erfülle mittlerweile teils mit Sorge, so Difu-Wissenschaftlerin Luise Adrian zur Einführung in das kontrovers diskutierte Thema. „Der Wohnungsbau kommt kaum noch hinterher. Die Infrastrukturen sind zum Teil völlig überlastet.“ Selbst auf dem Rad stehe man manchmal schon im Stau.

Insofern: Woher kommt eigentlich dieser reflexartige Ruf nach mehr Dichte, wo es doch sowieso schon so eng ist? Man könnte ja auch auf die grüne Wiese gehen. Die Vorzüge der Innenverdichtung lägen aber auf der Hand. Es gehe natürlich um Ressourcenschutz, um den Schutz von Landschaft und Natur, aber auch von landwirtschaftlicher Fläche.

Genauso gibt es Argumente dagegen – beispielsweise die Grün- und Freiräume, die „wir uns in den letzten Jahrzehnten erkämpft und neu geschaffen haben“. Wolle man die wirklich opfern?, so Adrians eher rhetorisch gemeinte Frage. „Natürlich nicht. Wir wollen Lebensqualität langfristig erhalten.“ Es sei falsch, Klimaschutz gegen Klimafolgenanpassung auszuspielen. „Es gibt einfach beide Seiten.“

Dosis und Wirkung

Heute lebt weltweit jeder zweite Mensch in einer Stadt. 1950 war es gerade mal ein Drittel der Menschheit. Im Jahr 2050 werden zwei Drittel der Menschen Stadtbewohner sein. Fakten zur rasanten Urbanisierung innerhalb weniger Jahrzehnte, auf die sich der Stressforscher Mazda Adli in seinem Vortrag bezog.

Bei allen Vorteilen, die Städte für die persönliche Entwicklung bieten, über eines muss man sich nach seinen Worten im Klaren sein: Stadtleben kann auch ein Gesundheitsrisiko mit sich bringen. Es sind nach seiner Erkenntnis vor allem die Stressfolgeerkrankungen, die bei Stadtbewohnern häufiger anzutreffen sind. Was mittlerweile durch Forschungen gut bekannt ist: Das Stadtleben erhöht das Risiko für eine der bedeutendsten psychiatrischen Erkrankungen – die Schizophrenie. Die Wahrscheinlichkeit für einen in der Stadt aufgewachsenen Menschen daran zu erkranken ist nahezu dreimal so groß wie bei jemandem, der auf dem Land aufgewachsen ist. Vor allen auf die ersten 15 Lebensjahre scheint es dabei anzukommen. Je größer die Stadt und je länger man dort als Heranwachsender gelebt hat, desto höher später im Erwachsenenalter das Schizophrenie-Risiko.

Städtischer Stress begünstigt Depressionen

Das Risiko an einer Depression zu erkranken ist für Stadtbewohner anderthalb Mal höher als für einen Bewohner auf dem Land. Auch für Angsterkrankungen und andere Stressfolgeerkrankungen gibt es Adli zufolge ein etwas höheres Erkrankungsrisiko in der Stadt. Das gelte nicht für jede psychische Erkrankung. Aber für manche. Krankheitsfördernd wirken offenbar diverse Formen von sozialem Stress, etwa die Gleichzeitigkeit von Enge und sozialer Isolation …

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