1,2 Mrd. Euro ausgezahlt

Wissenschaftler loben das gestärkte Wohngeld

01.12.2017

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln lobt das Instrument des staatlichen Wohngeldes zur Unterstützung einkommensschwacher Haushalte und empfiehlt den Ausbau.

Geldscheine, ein Schreibstift, eine Brilee und der Schriftzug Wohngeld.
FOTO: AdobeStock/Butch

Nach der Erhöhung des Wohngeldes sei die Zahl der Wohngeldempfänger zuletzt deutlich angestiegen, wie das Statistische Bundesamt im Oktober berichtete. Die Reform im vergangenen Jahr sei überfällig gewesen, reiche aber längst nicht aus.

Das Wohngeld sollte weiter gestärkt werden

Es wird als steuerfreier Zuschuss zur Miete oder als Lastenzuschuss für selbst genutzten Wohnraum geleistet. Bislang werde es kaum öffentlich wahrgenommen und diskutiert. Dabei erhielten Ende vergangenen Jahres rund 631.000 Haushalte Wohngeld in Höhe von gut 150 Euro pro Monat. Für Bund und Länder ergaben sich daraus im Jahr 2016 Ausgaben von knapp 1,2 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor hatten nur 460.000 Haushalte durchschnittlich rund 120 Euro an Wohngeld pro Monat erhalten. Die Ausgaben lagen entsprechend mit 681 Millionen Euro deutlich niedriger.

Mehr Aufstocker und Rentner in die staatliche Förderung integrieren

Entscheidend sei aber vielmehr, schreibt das IW Köln, dass das Wohngeld gegenüber den Leistungen der Grundsicherung sowie der Objektförderung und sozialen Wohnraumförderung deutliche Vorteile aufweist. Da beim Wohngeld nur ein Zuschuss zur Miete gewährt wird und zusätzliches Einkommen die Leistungen nur anteilig reduziert, habe es nur geringe Auswirkungen auf Arbeitsanreize und die Konsumentscheidungen der Empfänger. Damit habe das Wohngeld insbesondere einen Vorteil gegenüber den Leistungen für Kosten der Unterkunft und Heizung (KdU) im Rahmen von Hartz IV und Sozialhilfe.

Anpassung der Leistungen tut not

Die Reform des Wohngeldes zum 1. Januar 2016 sei insgesamt richtig, da sie die über die Jahre verlorene Leistungsfähigkeit des Wohngeldes wiederhergestellt und den Miet- und Preisentwicklungen der letzten Jahre Rechnung getragen hat. Da die Mieten steigen, Verbraucherpreise anziehen und zudem die Regelbedarfe seit 2011 jedes Jahr angehoben werden, verliere das Wohngeld jedoch an Reichweite und Zielgenauigkeit. Nach dem IW-Mikrosimulationsmodell wird die Zahl der Wohngeldhaushalte jedes Jahr um 6 Prozent und die Ausgaben bis zum Jahr 2022 jährlich um acht Prozent zurückgehen. Eine dynamische Anpassung der Leistungen – zum Beispiel alle zwei Jahre – sollte daher in Zukunft fest im Gesetz verankert werden.

Durch eine Stärkung des Wohngeldes ließen sich zudem mehr Aufstocker und Rentner als bislang in das System integrieren. Ziel müsse es sein, diejenigen Haushalte mit Wohngeld zu unterstützen, die über ein Einkommen verfügen, welches den Grundsicherungsbedarf ohne Wohnkosten abdeckt. Bei Haushalten mit Kindern besteht darüber hinaus die Möglichkeit, den Bedarf der Kinder durch den Kinderzuschlag (KIZ) stärker zu berücksichtigen.
Bei allen Reformbemühungen sollte die kommende Regierung darauf achten, die Abgrenzung zwischen dem Wohngeld und anderen Transferleistungen einfacher zu gestalten – beispielsweise, indem für die Antragsteller die Zuständigkeiten klarer geregelt und Wiederholungen von Prüfungsverfahren vermieden werden.

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