Wohnungsbau-Statistik

Wohnungsnot trotz anhaltendem Bauboom

29.05.2017

Knapp 278.000 neue Wohnungen sind vergangenes Jahr in Deutschland fertiggestellt worden – so viele wie seit 2004 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Dennoch ist der Bedarf noch lange nicht gedeckt.

Krähne vorne im Bild, Neubauten im Hintergrund
Gefühlt wird viel gebaut, aber der Bedarf ist laut Auskunft des Statistischen Bundesamtes noch lange nicht gedeckt. FOTO: PIXABAY/PIRO4D

Immer mehr Menschen zieht es in die Großstädte, da sie dort Bildung und Arbeit finden. Zudem nimmt die Zahl der Single-Haushalte zu. Großstädte in Deutschland wachsen über ihre Grenzen hinaus. Pro Kopf der Bevölkerung wird mehr Wohnraum benötigt. Da der Neubau überwiegend die Nachfrage einkommensstarker Familien befriedigt, führt er zu steigenden Mieten und der daraus resultierenden Wohnungsnot.

Angesichts der ungebrochenen Nachfrage hält der Boom im deutschen Wohnungsbau an. Im Vergleich zum Vorjahr wurden im vergangenen Jahr 30.000 Wohnungen mehr errichtet, teilte das Statistische Bundesamt am 23. Mai 2017 mit. Die Bundesregierung und die Baubranche gehen davon aus, dass, gerade im Hinblick auf den Flüchtlingszuzug, mehr neue Wohnungen nötig wären. Die Bundesbauministerin Barbara Hendricks sagte, man sei auf dem richtigen Weg, müsse aber noch weitergehen. "Wir brauchen insgesamt mindestens 350.000 neue Wohnungen pro Jahr.", so Hendricks.

Herausforderung Wohnraum zu schaffen

Die Zahl der genehmigten Wohnungen stieg im vergangenen Jahr noch stärker als die Zahl der fertiggestellten Wohnungen, und zwar um 19,8 Prozent auf 375.400. Es gibt demnach einen großen Überhang - mittlerweile gibt es laut Statistik fast 606.000 Wohnungen, die genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt sind. "Wichtig ist, dass die genehmigten Wohnungen jetzt auch wirklich gebaut werden", forderte die Bundesministerin.

Nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln IW steigen die Grundstückspreise in der Bundesrepublik um bis zu 15 Prozent jährlich. Der Wohnungsbau wird durch Investoren ausgebremst, die, ohne konkrete Bauabsichten, Baugenehmigungen für ihre Grundstücke einholen, um diese dann mit Gewinn weiterzuverkaufen.

„Lösen ließe sich dieses Problem, indem Baugenehmigungen zeitlich befristet werden und zum Beispiel nach ein oder zwei Jahren verfallen, wenn mit dem Bau nicht begonnen wird. Dann würde sich die Spekulation nicht mehr lohnen.“, so Michael Voigtländer vom IW.

Mehr Fertigstellungen von Wohnungen gab es 2016 vor allem in Mehrfamilienhäusern mit fast zehn Prozent. In Wohnheimen gab es einen Anstieg um knapp 60 Prozent oder 5300 Wohnungen. Grund ist der wachsende Bedarf an Flüchtlingsunterkünften.

Von den im Jahr 2016 fertiggestellten Wohnungen waren 240.000 Neubauwohnungen in Wohngebäuden, ein Plus von 8,7 Prozent gegenüber 2015. Laut Statistik gab es 2016 mehr Fertigstellungen von Wohnungen vor allem in Mehrfamilienhäusern mit fast zehn Prozent. In Wohnheimen gab es einen Anstieg um 5300 Wohnungen bzw. 59 Prozent.

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen BFW nannte die Bilanz beim Wohnungsbau „höchst ernüchternd“.

Das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr bleibe angesichts geringer Dynamik auch künftig meilenweit entfernt, erklärte der BFW Präsident Andreas Ibel.

Einen Großteil der fertiggestellten Wohnheime bilden Flüchtlingsunterkünfte. Mittelfristig stehen diese dem allgemeinen Wohnungsmarkt nicht zur Verfügung. Berechnungen des BFW zu Folge relativiert sich der Anstieg von neu errichteten Wohngebäuden auf 6,6 Prozent, wenn man die Wohnheime aus der Berechnung herauslässt.

Ibel kritisierte verschärfte Bauvorschriften und den Mangel an Bauland. Die Parteien müssten jetzt zur Bundestagswahl deutlich machen, mit welchen Maßnahmen sie den Wohnungsneubau ankurbeln wollten. "Sonst wird auch in den kommenden Jahren keine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt eintreten.", so der BFW Präsident.

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