Innovative Mietshäuser

Außergewöhnliches Wohnen

22.10.2018
Waldspirale in Darmstadt
Waldspirale in Darmstadt (Foto: Pixabay)

Ob ausgefallene Architektur oder ökologische Bauweise – Mietshäuser können zu einem ganz besonderen Wohnerlebnis werden. Beispiele finden sich in ganz Deutschland. Wir stellen einige unkonventionelle Mehrfamilienhäuser vor.

Hundertwasser-Häuser – Die Waldspirale in Darmstadt

Im hessischen Darmstadt steht im Bürgerparkviertel ein Wohnkomplex mit 105 Wohnungen, einer Tiefgarage, einem Café, einer Bar und einem Kiosk. Schon von weitem erkennt man den Künstler, der die „Waldspirale“ gestaltet hat: Friedensreich Huntertwasser. Er war bekannt für Lebensqualität und Individualität, der Zeit seines Lebens als Gegner „gerader Linien“ und Standardisierungen galt.

Das u-förmige Gebäude besitzt eine auffällig gestaltete Fassade, wie man es von dem Künstler kennt. Bunte Erdtöne, goldene Zwiebeltürme, Fenster, die aus der Reihe tanzen, ein begrüntes Schrägdach, fehlende gerade Linien und Ecken sowie die farbenfrohen Keramiksäulen sind charakteristisch für die Wohnanlage.

Am Ende des Komplexes wird mit zwölf Stockwerken der höchste Punkt erreicht. Jedes der mehr als 1.000 Fenster ist ein Unikat, die nach keinem Raster angeordnet wurden. Einige Wohnungen hat man ebenfalls im Hundertwasser-Stil gestaltet. Die Ecken an Decke und Wänden sind abgerundet, in Badezimmer und Küche findet man die typisch bunten Fliesen. Aus Kostengründen hat man jedoch nur eine kleine Anzahl der Mietwohnungen nach den Vorstellungen des Künstlers designen können.

In Magdeburg steht die grüne Zitadelle, ein ebenfalls von Friedensreich Hundertwasser entworfenes Mehrfamilienhaus. Das Hundertwasserhaus in der Wiener Kegelgasse/Ecke Löwengasse gilt als Anziehungspunkt für Touristen.

Mikro-Apartments – Preiswert wohnen in der Hauptstadt

Als Wohnungen im Hosentaschenformat präsentieren sich sogenannte Mikro-Apartments. Vor allem in Universitätsstädten bietet sich diese Art des Wohnens auf Zeit an. Angehende Akademiker bekommen zu einem recht günstigen Preis ihren eigenen Rückzugsraum, an dem sie ungestört lernen und sich auf Prüfungen vorbereiten können.

Das landeseigene Bauunternehmen Berlinovo hat im Jahr 2017 ein Apartmentgebäude für Studenten in der Storkower Straße in Berlin-Lichtenberg errichtet. Auf nur 16 Quadratmetern findet der Bewohner auf der einen Seite seines Zimmers das Bad, auf der anderen eine kleine Küchenzeile. Der Wohnbereich ist mit Bett, Schreibtisch, Stuhl, Regalen und einem Einbauschrank ausgestattet, die zum Apartment gehören. Für 340 Euro im Monat wohnen die Studenten hier zur Warmmiete, die außerdem Strom und einen WLAN-Anschluss beinhaltet. Das Haus in modularer Bauweise entstand in nur neun Monaten. Als Baustoffe verwendete man Holz und Beton. Vor allem das Holz an den Wänden zur Fensterseite sorgt für großen Wohnkomfort.

In Hamburg-Wilhelmsburg entstehen ebenfalls 371 Mikro-Apartments. Sie sind jeweils knapp 20 Quadratmeter groß und kosten 500 Euro pro Monat. Etwa 80 Prozent des Baus werden vorgefertigt und mit Lkws angeliefert. Vor Ort werden sie von den Handwerkern montiert. Die Holzfassade ist zusätzlich gedämmt. Die Ausstattung der Studentenzimmer des Projekts WOODIE entspricht der in den Berliner Mikro-Apartments. In der Miete sind hier die Verbrauchskosten für Wasser, Heizung, Strom, High-Speed-Internet und die Nutzung eines überdachten sowie überwachten Fahrradstellplatzes und der Gemeinschaftsflächen enthalten.

Holzhäuser – Gemütliches Hochhaus in Heilbronn

Nachhaltigkeit und Umweltschutz stehen bei vielen Eigenheimbesitzern ganz weit oben auf der Agenda. Doch nicht nur die privaten Häuslebauer achten immer mehr auf Ökonomie und Ökologie. Auch bei Mietshäusern werden die immer strengeren Bauvorschriften zum Vorteil für die Mieter nutzbar gemacht. Inzwischen hat man die Vorzüge der Holzbauweise erkannt.

In Heilbronn entsteht das höchste Hochhaus aus Holz Deutschlands. Das neue Mietshaus wird 34 Meter in die Höhe ragen. Bis auf das Sockelgeschoss aus Stahlbeton hat man für den Bau fast komplett Holz verwendet. Die Außenfassade wird mit Aluminiumplatten verkleidet. Es ist zu 100 Prozent recyclebar, was für die Verwendung von Holz spricht. In der Baubranche denkt man inzwischen in Kreisläufen bzw. nach dem ökologischen Prinzip „Cradle to Cradle“, bei dem biologische Materialien in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können.

Der Brandschutz galt bei dem Projekt als große Herausforderung – vor allem aufgrund der Höhe des Gebäudes. Im Falle eines Brandes darf kein Rauch ins Treppenhaus dringen. Spezielle Ventilatoren erzeugen einen Überdruck, die eine Rauchentwicklung im Inneren verhindern sollen. Eine Hochdrucksprinkleranlage, die nur Wassernebel produziert, der Flammen sofort ersticken würde, ist ebenfalls Teil des Brandschutzkonzeptes.

Vor allem die Bewohner werden sich über die neue Wohnqualität freuen, denn Holz entwickelt ein ganz besonderes Raumklima.

Aus alt mach neu – Ehemaliges Getreidelager einer Brauerei als Wohnhaus

In Frankfurt am Main beschreitet man ganz andere Wege, um außergewöhnlichen Wohnraum zu schaffen. Im Jahr 1961 wurde der Henninger-Turm als Getreidesilo für die Henninger-Brauerei gebaut und galt lange als Frankfurts höchstes Gebäude. Nur wenige Jahre nutzte man den Bau als Getreidelager für die benachbarte Brauerei. Das runde Drehrestaurant an der Spitze begeisterte jedoch bis zur Schließung im Jahr 2002 unzählige Besucher.

Der alte Henninger-Turm wich inzwischen einem Wohnhaus – dem neuen Henninger Turm, der sich optisch an seinen Vorgänger anlehnt. Statt des alten Getreidesilos findet man heute an gleicher Stelle ein 15-stöckiges Hochhaus im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Die ersten Bewohner der 210 Wohnungen sind in den etwa 140 Meter hohen Turm bereits eingezogen und genießen einen atemberaubenden Blick über die Skyline der Bankenmetropole.

Neben Eigentumswohnungen befinden sich 45 Mietwohnungen im neuen Hochhaus, auf dessen Spitze das sogenannte Fass steht. Die vier dortigen Wohnungen bieten eine exklusive Wohnfläche von jeweils 310 Quadratmetern. Wie schon im alten Wahrzeichen Frankfurts wird im Fass wieder ein Restaurant eröffnet. Doch noch wird fleißig in dem Wohnturm gewerkelt. Ein genauer Termin für die Restauranteröffnung steht noch nicht fest.

IVV-SPECIAL: Das Hochhaus im Mietwohnungsbau

Können Hochhäuser einen Beitrag zur Schaffung von preiswertem Wohnraum leisten? >> weiterlesen

Suchbegriffe:  Mietwohnungökologische BauweiseHolzbauweise

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