Glosse

Ein Hausverwalter sagt seine Meinung

1105
 Bild: Pixabay_geralt
Bild: Pixabay_geralt

Der billige Verwalter – ein Selbstbetrug.

Im Laufe meines Verwalterdaseins habe ich diese falsche Selbsteinschätzung schon oft gehört: „Als Verwalter kannst du nur was werden, wenn du billig bist. Die Kunden suchen immer den günstigsten Verwalter aus.“

Mit dieser geringen Selbstachtung gehen viele meiner Kollegen ans Werk. Natürlich auch unter dem Einfluss von Vermietern, Beiräten und Eigentümern, die den billigen Jakob wollen.

Statt sich bereitwillig in diese Rolle zu fügen, sollten wir einen anderen Weg beschreiten.

Denn in der Realität wollen unsere Kunden nicht die günstigste, sondern die passende und beste Hausverwaltung. Der Preis spielt gerade in der aktuellen und zukünftigen Situation nur eine Nebenrolle.

Und seien wir mal ehrlich: Wem haben wir dieses Preisdilemma zu verdanken? Uns selbst. Als Branche insgesamt und jedem einzelnen Verwalter, der mit Dumpingpreisen seine Leistung unter Wert anbietet. Natürlich kommt jetzt das Argument, dass es immer eine Verwaltung geben wird, die ihre Leistungen viel günstiger anbietet. Stimmt, aber das sollte uns nicht davon abhalten, unsere hochqualifizierte und anspruchsvolle Tätigkeit zu höheren Preisen anzubieten. Befriedigen wir doch bitte nicht die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ unserer Kunden.

Gehen wir doch lieber den Weg, der auch mich und einige wenige meiner Kollegen schon seit Jahren zufrieden meinen Job machen lässt.

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schreibt vor, dass zu Prozessen, bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, der Verantwortliche Verfahrensverzeichnis führen muss. Insbesondere bei einer Prüfung durch die Datenschutzbehörden muss der Verantwortliche...

Geben wir unseren Kunden andere Gründe als den Preis, genau uns zu beauftragen und nicht den Billiganbieter. Klären wir unsere Kunden auf, was wir so alles tun und welche Erfolge wir für die Immobilie und damit auch für das Portemonnaie der Eigentümer erzielen. Rechnen wir doch mal detailliert vor, was es bringt, einen Profi zu beauftragen und bieten wir den Kunden etwas, das sie woanders nicht finden. Ja, das geht wirklich. Auch in unserer Branche.

Unser Außenauftritt als Hausverwaltung ist oftmals so unprofessionell, dass wir uns nicht wundern dürfen, wenn der Kunde das einzige Auswahlkriterium heranzieht, das er wirklich vergleichen kann. Die Höhe der Verwaltergebühr.

Wie viel besser wirkt da zum Beispiel „Verwaltung auf Probe“ oder eine wirklich gut gemachte Verwalter-Bewerbung für den Kunden. Ich jedenfalls verkaufe mich schon lange nicht mehr unter Wert. Erfolgreich.

Michael Friedrich

Michael Friedrich
Hausverwalter, Autor, Der Verwalter-Berater
AnhangGröße
Beitrag als PDF herunterladen209.24 KB

◂ Heft-Navigation ▸

Artikel Ein Hausverwalter sagt seine Meinung
Seite 6
25.2.2025
Kolumne
Einige Wohneigentümer denken bei einer Versammlung an einen Zahnarzttermin: das macht keinen Spaß, aber man sollte hingehen.
5.11.2024
Die neue VDIV-Präsidentin Sylvia Pruß im IVV-Interview
Sylvia Pruß ist seit 30 Jahren als Hausverwalterin tätig. Im Gespräch mit der IVV verrät sie, wie sie Ehrenamt und Firmenchefin unter einen Hut bringt, spricht über Gebührenerhöhungen und die...
4.10.2023
Kolumne
Menschen, die alles besser wissen, sind nervig. Eigentümer nicht ausgenommen. Da wollte ein befreundeter Wohneigentümer einfach mal so eine Aufgabe des WEG-Verwalters - das Enholen von Angeboten -...
2.6.2023
WEMoG erlaubt Unterstützung und Überwachung
Das WEMoG legt fest, dass Beiräte den Verwalter nicht nur unterstützen, sondern überwachen. Daraus erwächst für die Vertreter der Eigentümer ein Mehr an Arbeit und Verantwortung.
28.4.2023
Sanierung in der WEG: Vielen Eigentümern fehlt das Geld
Steigende Energiepreise und verschärfte Gesetzesanforderungen an die Energieeffizienz und CO2-Sparksamkeit von Gebäuden zwingen Wohnungseigentümergemeinschaften zum Handeln. Doch für Eigentümer ohne...