Analoge TV-Programme werden 2018 abgeschaltet

Oktober 2015
FOTO: FOTOLIA

Noch gibt es rund 30 analoge Fernsehprogramme, die aber bis Ende 2018 abgeschaltet werden. Damit wird im Kabelnetz mehr Übertragungskapazität für digitales Fernsehen und Internetanwendungen geschaffen. Derzeit schauen immer noch rund vier Millionen Haushalte ausschließlich analoges TV. Hier ist Aufklärung erforderlich.

Moderne Kabelanschlüsse machen den Mietern ein „Alles aus einer Hand“-Angebot, das Fernsehen, Internet und Telefonie umfasst und als Triple Play bezeichnet wird. Während es sich beim Fernsehen früher ausschließlich um analoge Programme im PAL-Standard handelte, kamen in den neunziger Jahren digitale Programme im DVB-C-Standard hinzu. Von diesen können im Gegensatz zu analogen Programmen gleichzeitig mehrere in einem TV-Kanal übertragen werden.

Inzwischen dominieren im Kabelangebot die digitalen Programme, wobei alle analogen Programme auch in digitaler Form zur Verfügung stehen. Deshalb stellen analoge Programme eigentlich einen Anachronismus dar und könnten ohne Änderung der Programmvielfalt abgeschaltet werden. Da derzeit noch gut vier Millionen Kabelhaushalte ausschließlich die analogen Programme empfangen, ist dies gegenüber den betroffenen Mietern ohne weitere Maßnahmen sicherlich nicht vertretbar, zumal es in fast allen Gestattungsverträgen mit den Kabelnetzbetreibern eine Verpflichtung für die Bereitstellung bestimmter analoger Programme gibt.

Die analoge Kabelabschaltung wäre ohne Kostenaufwand für die Mieter und Vermieter durchführbar und würde keine Änderungen der vorhandenen Netzinfrastruktur erfordern. Da derzeit in den Kabelnetzen im Durchschnitt noch 30 analoge Programme eingespeist sind, wäre bei deren Abschaltung die Übertragungskapazität von dreißig TV-Kanälen verfügbar. Diese könnten dann für zusätzliche TV-Programme, mehr HD-Programme und schnellere Internetzugänge genutzt werden. Der Betrieb solcher dann rein digitaler Netze ist für die Kabelkunden wegen der umfangreicheren und besseren Angebote für Fernsehen und Internet von Vorteil.

Bessere Bild- und Tonqualität
Nun stellt sich die Frage, warum Kabelkunden auf den Empfang analoger Programme beharren. Es handelt sich meist um unzureichende Kenntnisse über die Vorteile des digitalen Fernsehens und den für DVB-C erforderlichen Aufwand. Es bedarf deshalb der Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit bei den analogen Kabelkunden, damit diese möglichst schnell auf das digitale Kabelfernsehen wechseln.

Das digitale Kabelfernsehen weist nicht nur bessere Bild- und Tonqualität, ein erheblich umfangreicheres Programmangebot, Programme in HD- und 3D-Qualität, Zugriffsmöglichkeiten auf Mediatheken, VoD (Video on Demand) und Pay-TV, sowie die Verfügbarkeit elektronischer Programmführer (EPG) auf, sondern auch die als Smart-TV bezeichnete Verkopplung von Fernsehen und Internet. Außerdem besteht die Möglichkeit der Vernetzung, so dass Programme wahlfrei auf unterschiedlichen Endgeräten (TV-Gerät, Tablet, …) zur Verfügung stehen. Es ist außerdem zu berücksichtigen, dass DVB-C für Flachbildschirme konzipiert ist, deren Größe sich der Kabelkunde nach individuellen Gesichtspunkten wählen kann. Die Wiedergabe analoger Programme über Flachbildschirme führt dagegen zu einer Reduzierung der Bildqualität.

Für den Umstieg benötigt der analoge Kunde eine DVB-C-fähige Empfangseinrichtung. Diese ist bei neueren TV-Geräten mit Flachbildschirm seit 2010 eingebaut. Ältere TV-Geräte mit Flachbildschirm und solche mit Bildröhre erfordern den Einsatz von Set-Top-Boxen (STB) für DVB-C. Diese sind im Markt kostengünstig verfügbar.
Die analoge Kabelabschaltung soll durch einen Runden Tisch der Beteiligten koordiniert koordiniert und bis spätestens Ende 2018 abgeschlossen werden. Im Sinne der möglichen Qualitätsverbesserung im Kabel ist die Wohnungswirtschaft gefordert, diese Zielsetzung durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen. Neben der Aufklärung über die Sinnhaftigkeit der analogen Kabelabschaltung, sollte in Verbindung mit dem Fachhandel den analogen Kabelkunden zum Beispiel folgende Maßnahmen als konkrete Hilfe angeboten werden:

  • Prüfung der bestehenden Empfangssituation
  • Beratung zum Wechsel auf DVB-C
  • Einstellung der digitalen Programme bei DVB-C-tauglichen TV-Geräten
  • Angebot von Set-Top-Boxen (inkl. vollständiger Installation)
  • Einstellung der digitalen Programme bei beschafften Set-Top-Boxen
  • Vorführung der Unterschiede zwischen analog und digital in der Wohnung
  • Zeitlich begrenzte Überlassung von DVB-C-Empfangseinrichtungen

Es bedarf allerdings auch der Bereitschaft der Wohnungswirtschaft, die bestehenden Gestattungsverträge hinsichtlich der Auflage über die Einspeisung analoger Programme zu ändern.

In jedem Hausnetz können auch nach der analogen Kabelabschaltung weiterhin analoge Programme verfügbar sein, wenn dies erforderlich erscheint.Es wird dann nach dem Hausübergabepunkt eine als DVB-C/PAL-Converter bezeichnete Baugruppe installiert, die aus dem digitalen Angebot gewünschte Programme in den PAL-Standard umsetzt. Es handelt sich dabei um die Re-Analogisierung, die allerdings den Gesamtumfang des Programmangebots im Hausnetz reduziert, weil jedes analoge Programm einen vollständigen TV-Kanal benötigt, während bekanntlich bei DVB-C gleichzeitig mehrere Programme in einem TV-Kanal übertragen werden. Da für die Realisierung der Re-Analogisierung entsprechende Investitionen erforderlich sind, wird stets das Aufwand/Nutzen-Verhältnis ausschlaggebend sein.

Abschließend sei festgestellt, dass die analoge Kabelabschaltung eine normale technische Evolution darstellt, die zu vollständig digitalen Kabelnetzen mit Vorteilen für die Kabelkunden führt.

Autor: Dipl.-Ing. Ulrich Freyer, Nachrichtentechniker und freier Autor

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Suchbegriffe: FernsehenMultimediaTV-SignalTriple Playdigitales Kabelfernsehen

Kommentare

Und wie rechtfertigt Ihr die rund 10 Euro Monatsgebühr zusätzlich ???? Dann zahlen wir auch noch dafür das Ihruns mit noch mehr Werbung voll ballern könnt :-( . Na Toll !!!!!!

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