Der Corona-Ticker für die Immobilienwirtschaft

Negativspirale: Weniger Mieteinnahmen, weniger Investitionen

Das Corona-Virus infiziert die Immobilienbranche. Foto: Adobestock/Peterschreiber.Media
Das Corona-Virus infiziert die Immobilienbranche. Foto: Adobestock/Peterschreiber.Media

27.05.2020 Sachverständigenrates für Verbraucherfragen (SVRV) zeigt: Mieterhaushalte mit finanziellen Engpässen zukünftig auf größere staatliche Unterstützung angewiesen

Die Corona-Pandemie sei auch ein Stresstest für den Wohnungsmarkt, so der SVRV. Besonders gefährdet seien diejenigen Haushalte, die über keine flüssigen finanziellen Rücklagen verfügen – das sind mit 10 Millionen Haushalten knapp ein Viertel aller Haushalte in Deutschland. "Bereits ab einem Einkommensverlust von 100 Euro pro Monat erreichen Mieter, die über keine flüssigen finanziellen Rücklagen verfügen, die 40-Prozent-Belastungsgrenze und überschreiten diese ab einem Verlust von 200 Euro pro Monat. Ab einem Einkommensverlust von 400 Euro pro Monat beträgt die Wohnkostenbelastungsquote sogar über 50 Prozent", belegt das Gutachten. (20-seitige Studie zum Nachlesen)

Hinter den nackten Zahlen steckt der Fakt, dass wenn weniger Miete eingenommen werde, natürlicherweise die Wohnungsunternehmen in eine finanzielle Schieflage geraten. Die Folge: Bau- und Modernisierungsprojekte würden verschoben oder abgesagt. Auch Aufträge bei Handwerksbetrieben könnten nicht mehr beglichen werden, wodurch diese im Zweifel Pleite gehen. So würde eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die keine wollen kann.

Der GdW reagiert mit der Forderung nach Erhöhung der stattlichen Mittel. Im Interview mit der IVV formulierte Axel Gedaschko: „Das Wohngeld muss erhöht werden“.

Laut GdW müssten jetzt vor allem folgende Punkte mit Hochdruck umgesetzt werden und dahingehenden Hinweise des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat hierfür rechtlich bindend ausgestaltet werden:

  • Digitalisierung von Antrags- und Bewilligungsverfahren bei den Wohngeldbehörden
  • Anhebung der Mietenstufe beim Wohngeld
  • Gewährung des pauschalen Zuschlags von 50 Cent pro Quadratmeter
  • Beschränkung der notwendigen Nachweise für die Wohngeldberechnung aufs Notwendige
  • Zügige Auszahlung des Wohngeldes durch die Ämter und spätere Prüfung.

26.06.2020 Menschen weniger sorgenvoll als in der Vorwoche

Das Statista COVID-19 Barometer befragt seit Ausbruch der Corona-Pandemie regelmäßig Menschen nach ihrem Befinden. 31 Prozent der Befragten machen sich große Sorgen des Virus und der Ansteckungsgefahr. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Zeitweise bezifferten mehr als die Hälfte der Befragten den Grad ihrer Sorgen auf einer Skala von eins (gar nicht besorgt) bis zehn (extrem besorgt) mit acht bis zehn. Dass die aktuelle Situation noch lange nicht als normal empfunden wird, zeigt eine weitere Grafik. Demnach sind alltägliche und bereits wieder erlaubte Dinge, wie Shopping oder Friseurbesuche, derzeit für viele Menschen in Deutschland noch kein Thema. Infografik: Corona-Sorgen nehmen ab | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

 

25.06.2020 Wie wirken sich Kontaktbeschränkungen auf die Vermietung aus?

Einen Nachfragerückgang im Mietwohnungsmarkt kann das auf die Wohnungswirtschaft spezialisierte Beratungsunternehmen Analyse & Konzepte nicht bestätigen. Im April habe die Pandemie kaum Auswirkungen gehabt, wie das Marktinformationssystem QUIS zeige. Ein sicherer Indikator für die Nachfrage sei die Schaltdauer der Wohnungsanzeigen.

Die Daten in QUIS zeigten: Deutschlandweit habe sich die Schaltdauer für Mietwohnungen im April, dem ersten vollen Corona-Monat, gegenüber dem ersten Quartal 2020 sogar verkürzt. Sie lag bei durchschnittlich 8,6 Tagen; im März waren es noch 9,5 Tage gewesen. „Dies ist ein sicherer Hinweis darauf, dass sich Mietwohnungen auch im April – trotz aller Schwierigkeiten im Vermietungsprozess – weiterhin gut vermieten ließen“, kommentiert Bettina Harms, Geschäftsführerin von QUIS/Analyse & Konzepte.

12.05.2020 Nassauische Heimstätte weitet Unterstützung für ihre Mieter aus

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) weitet das Engagement für ihre Mieter aus und verschiebt alle noch nicht ausgesprochenen Mieterhöhungen auf das erste Quartal 2021. Damit versucht Hessens größtes Wohnungsunternehmen vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Epidemie und der daraus folgenden Unsicherheit für Arbeitsplätze und die weitere wirtschaftliche Entwicklung, Folgen für die Mieter soweit wie möglich abzumildern. 

11.05.2020 ARD DeutschlandTrend
2/3 Drittel sind mit Corona-Management der GroKo zufrieden

Die Mehrheit der Deutschen laut aktuellem DeutschlandTrend zufrieden mit dem Pandemie-Krisenmanagement der Bundesregierung. Demzufolge sind 67 Prozent der Wahlberechtigten mit dem Krisen-Management der GroKo (sehr) zufrieden. Allerdings wächst der Anteil de Unzufriedenen, wie der Blick auf die Statista-Grafik verdeutlicht. Unterdessen warnen laut aktuellen Medienberichten Politiker fast aller Parteien vor demokratiefeindlichen Tendenzen und Verschwörungstheorien bei den Demos gegen Beschränkungen.

Infografik: 2/3 Drittel sind mit Corona-Management der GroKo zufrieden | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

 

Umfrage des GdW: Mietausfälle und -stundungen im Befragungszeitraum April noch gering

29. April 2020. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW) hat seine mehr als 2.000 Mitgliedsunternehmen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie befragt. Danach berichteten die Unternehmen von 15.000 Mietverhältnissen mit komplettem Zahlungsausfall im Zeitraum Mitte bis Ende April. Das entspreche 0,66 Prozent der Mietverhältnisse der befragten GdW-Unternehmen und einem finanziellen Minus von insgesamt 6,8 Millionen Euro. Von Stundungsanträgen hätten die Unternehmen in rund 6.500 Fällen berichtet – das waren 0,29 Prozent der Mietverhältnisse und ein Minus von 2,3 Millionen Euro.

Bei der Gewerbevermietung seien die Auswirkungen schon wesentlich negativer ausgefallen: Bei rund 1.240 betroffenen Mietverhältnissen summiere sich das Minus ausgefallener Monatsmieten laut Umfrageergebnissen auf 3,7 Millionen Euro. Die Summe gestundeter Mieten belaufe sich bei rund 2.800 betroffenen Mietverhältnissen auf insgesamt 9,4 Millionen Euro.

Für den Monat Mai rechne die Wohnungswirtschaft angesichts anhaltender Einschränkungen, zunehmender Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit mit deutlich höheren Zahlungsausfällen und Stundungen. Drei Viertel der Unternehmen (75 Prozent) gaben in der Umfrage an, dass sie im Zuge der Corona-Krise in Zukunft höhere Mietausfälle erwarten.

Infolge zunehmender Zahlungsausfälle sehe sich mehr als ein Fünftel der befragten Wohnungsunternehmen (21 Prozent) bereits gezwungen, die Investitionen in die Instandhaltung zurückzufahren. Fast ein Viertel der Unternehmen (24 Prozent) plane, Investitionen in weitere Modernisierungsmaßnahmen zu senken.

Der VSWG Verband der sächsischen Wohnungsgenossenschaften hat die Ergebnisse der GdW-Umfrage auf die Region Sachsen heruntergebrochen. Die von den sächsischen Wohnungsgenossenschaften berichteten Mietausfälle fielen im Zeitraum der Befragung noch verhältnismäßig gering aus. In Summe beträfe dies 250 Mietverhältnisse mit knapp 100.000 Euro. Weitere 70.000 Euro seien gestundet worden. Zusammen seien 0,2 Prozent aller Mietverhältnisse betroffen gewesen. Bei der Gewerbevermietung sei der Anteil an Mietausfällen und Stundungen deutlich höher. Hier fielen bisher rund 150.000 Euro aus. Ab dem Monat Mai rechnen die sächsischen Wohnungsgenossenschaften angesichts anhaltender Einschränkungen, zunehmender Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit mit deutlich höheren Zahlungsausfällen

Corona-Immobilien-Index zeigt Entspannung bei Personal und Baumaterial

23. April 2020. Die zuletzt beobachteten leichten Engpässe bei Material und Personal auf deutschen Projektentwicklungs-Baustellen nehmen weiter ab. Das signalisiert der aktuelle Corona-Immobilien-Index von baumonitoring.com, dem Netzwerk aus Unternehmen der Immobilienwirtschaft. Bei der Personalversorgung seien die befürchteten Engpässe in Zusammenhang mit den Osterfeiertagen – und möglichen Reiseeinschränkungen – nicht eingetreten. Kein Teilnehmer des Corona-Immobilien-Index habe in dieser Woche mittlere oder gar starke Einschränkungen durch Personalmangel auf den Baustellen wahrgenommen.

Auch bei der Materialversorgung helle sich die Lage weiter auf. Berichteten in der vergangenen Woche noch 14 Prozent der Teilnehmer von mittleren bis starken Einschränkungen inklusive Stillstand auf einer Baustelle, konnten diese Probleme offensichtlich gelöst werden. Von keiner Projektentwicklung werden mehr nennenswerte Probleme mit der Materialversorgung berichtet.

Immobilien-Portale sehen Kaufinteresse wieder auf dem Vorkrisen-Niveau

23. April 2020. In der Corona-Krise kühlte das Interesse an Objekten zur Miete oder zum Kauf nur kurzfristig ab. Das zeigen Daten zur Nutzung von immowelt.de und immonet.de: Die Zugriffszahlen der Immobilienportale erreichten aktuell wieder das Niveau von Anfang März vor Beginn des Lockdowns oder überstiegen diese stellenweise sogar. Die Anfragen näherten sich inzwischen nach einem temporären Rückgang ebenfalls wieder dem Vorkrisen-Niveau an.  Die schnell wieder erstarkte Nachfrage sorgten auch dafür, dass Kauf- und Mietpreise bisher konstant bleiben: Der mittlere Quadratmeterpreis beim Erwerb einer Eigentumswohnung liege deutschlandweit wie vor der Krise bei rund 2.800 Euro. Die Angebotsmieten in den 14 größten Städten Deutschlands seien derzeit nahezu unverändert im Vergleich zum Januar. Aufgrund beständigen Bedarfs an Wohnraum komme es derzeit zu keinen massiven Anpassungen der Mietpreise.

Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) beruhigt Eigentümer: „Immobilienwerte werden wahrscheinlich nur wenig nachgeben“

Immobilienbesitzer müssen nicht befürchten, dass die Corona-Pandemie zu großen Wertverlusten führt: Die Preise sinken in Deutschland wahrscheinlich nicht oder nur leicht, im schlimmsten Szenario um bis zu zwölf Prozent, zeigt eine neue IW-Studie.

Die deutsche Wirtschaft leidet unter Corona, die Einkommen vieler Bundesbürger schrumpfen, die Unsicherheit ist groß. Wer eine neue Wohnung kaufen wollte, verschiebt seine Pläne jetzt erst einmal: Das lässt sich anhand von Google-Suchanfragen für neue Miet- und Eigentumswohnungen ablesen. Seit Anfang März seien die Anfragen deutlich zurückgegangen. Dabei gelte: Je mehr die Wirtschaft einbricht, desto stärker dürften die Preise sinken. Stark fallende Zinsen bremsten aber den Preisverfall.

Die Kaufpreise für Wohnimmobilien werden durch die Krise wahrscheinlich leicht sinken, aber nicht einbrechen, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer: „Der Wohnimmobilienmarkt wird relativ gut durch die aktuelle Krise kommen.“ Für den leichten Preisrückgang sorgten die getrübten Erwartungen über künftige Mieteinnahmen sowie generell eine höhere Unsicherheit, die sich in einer höheren Risikoprämie ausdrücke. Wie stark die Wohnungspreise fallen, hänge zudem davon ab, ob die langfristigen Zinsen weiter fallen. Schließlich würden Immobilien dann im Vergleich zu anderen Anlagen attraktiver.

Die Studienautoren rechnen drei Szenarien durch. Wären die Erwartungen über künftige Mieteinnahmen so schlecht wie zuletzt in der Finanzkrise zwischen 2008 und 2009, brächen die Wohnungspreise in diesem Jahr im schlimmsten Fall um rund 17 Prozent ein. Davon sei aber nicht auszugehen, da dieses Szenario auf dem unwahrscheinlichen Fall stagnierender Zinsen beruhe. Beziehe man in die Rechnung ein, dass die langfristigen Zinsen weiter sinken, dürften die Preise wahrscheinlich deutlich weniger fallen oder sogar stagnieren. Ein Rückgang zwischen null und zwölf Prozent sei realistisch.

Ein deutlicherer Preisverfall wäre nur zu erwarten, wenn die Corona-Krise jetzt eine Immobilienblase zum Platzen bringen würde. Eine solche Blase liege in Deutschland jedoch nicht vor, argumentieren die Autoren. Weder seien in den vergangenen Jahren über den Bedarf Wohnungen gebaut worden, noch stünden die Mieter- und Selbstnutzerkosten in einem argen Missverhältnis – beides wären typische Anzeichen für eine Immobilienblase.

Zur Stabilität der Kaufpreise trage auch bei, dass die Mieten kaum nachgeben. „Es gibt aktuell keinen Hinweis darauf, dass die Mieten einbrechen könnten“, sagt Voigtländer. Daten aus der Finanzkrise zeigten, dass die Mieten nur in Boom-Phasen mit dem BIP korrelieren. In Krisen stagnierten die Mieten hingegen und Vermieter nähmen eher in Kauf, die Wohnung leer stehen zu lassen als die Miete zu senken.

Hamburg meldet wenig Mietausfälle im Wohnbereich 

Die wohnungswirtschaftlichen Verbände im Hamburger Bündnis für das Wohnen – der BFW Landesverband Nord, der Grundeigentümer-Verband Hamburg, der IVD Nord sowie der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) haben eine Umfrage unter ihren Mitgliedern durchgeführt. Die Umfrage wurde online erhoben und lief bis zum 14. April. Damit seien die Aprilmieten bereits zum Großteil erfasst worden. Insgesamt flossen die Daten von 888 Hamburger Unternehmen sowie privaten Vermietern ein. Sie beziehen sich auf 357.572 Wohnraummietverhältnisse und 11.072 Gewerbeeinheiten. Eine zentrale Erkenntnis lautet: Bis zum genannten Zeitpunkt seien in 2.490 Fällen die Wohnungsmieten als Folge der Corona-Pandemie ausgefallen. Das sei weniger als ein Prozent. Im Durchschnitt betrage die Höhe der ausgefallenen Miete pro Wohnung 704 Euro. 

Im Gewerbebereich seien die Auswirkungen deutlicher. Vermieter von Einzelhandelsflächen, Gastronomie oder Hotels treffe es besonders hart. Hier gab es zum Teil Mietausfälle von bis zu 80 Prozent. Betrachte man alle Gewerbeimmobilien inklusive der Büros und Logistikflächen waren laut Umfrage schon knapp 17 Prozent der Mieten ausgefallen. Die Höhe der entgangenen Miete liege bei durchschnittlich 3.032 Euro pro Gewerbeeinheit.

BFW: Manche Gewerberaum-Vermieter verzeichnen 80 Prozent Zahlungsausfälle

Eine deutschlandweite Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen hat der BFW Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen durchgeführt. Erfasst wurden damit 230.000 Wohnmietverhältnisse und 16.000 Gewerbemietverhältnisse. Zwischenergebnis der Umfrage: Bundesweit haben 19 Prozent der befragten Immobilienunternehmen Mietausfälle im Gewerbebereich. In Bayern berichten 28 Prozent der befragten Unternehmen von ausbleibenden Zahlungen von Gewerbemieten, in Berlin 20 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 15 Prozent. 70 Prozent der Mietausfälle stammen aus Verträgen mit dem Einzelhandel, Gastronomie und dem Hotelbereich. Abhängig von der Zusammensetzung der Bestände und der jeweiligen Branche biete sich ein sehr heterogenes Bild. Während manche Unternehmen gar nicht oder nur in geringem Maße von Mietausfällen betroffen seien, verzeichneten andere Zahlungsausfälle von bis zu 80 Prozent der Gewerbemietverhältnisse.

Bayerische Wohnungswirtschaft zeigt sich optimistisch

Die Wohnungswirtschaft Bayerns blickt trotz erwarteter Mietausfälle und Verzögerungen bei Baumaßnahmen verhalten zuversichtlich in die Zukunft. Insbesondere Zahlungsausfälle bei Gewerbemietern bergen jedoch für viele Unternehmen ein hohes Risiko. Das ergab eine Befragung des VdW Bayern bei den 482 Verbandsmitgliedern. Rund 63 Prozent rechnen in den kommenden Monaten mit höheren Mietausfällen. Vor allem im Bereich der Gewerbemieter schätzen viele Unternehmen das Risiko von Mietausfällen als hoch oder sehr hoch ein (53 %). Aus der Mieterschaft verzeichnen 39 Prozent der Wohnungsunternehmen eine wachsende Zahl von Anfragen zu Mietstundungen im Vergleich zum Vorjahresmonat.

In der bayerischen Wohnungswirtschaft kommt es bisher kaum zu Kurzarbeit. In 97 Prozent der Unternehmen kam es bislang nicht zu einer Verringerung der Arbeitszeit. In vielen Geschäftsbereichen kommt es jedoch aufgrund der aktuellen Situation zu teils starken Einschränkungen. Am stärksten betroffen ist der Bereich Vermietung. Jedes zweite Wohnungsunternehmen meldet hier große Einschränkungen und in Teilen sogar eine Einstellung des Vermietungsgeschäfts. Die größte Herausforderung liegt im Bereich der Instandhaltung von Wohnungen. Für 40 Prozent ist hier ein normales Arbeiten kaum noch möglich, weil Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.

Die Mehrheit der Wohnungsunternehmen (64 %) rechnet mit einer Verzögerung bei laufenden Projekten. Das gilt vor allem für Instandhaltung (40 %), Modernisierungsmaßnahmen (36 %) und Neubau-Projekte (35 %). „Das Investitionsniveau wird, Stand heute, wohl nahezu gleichbleiben“, zeigt sich Verbandsdirektor Hans Maier optimistisch. Das hänge aber stark vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. „Viele Wohnungsunternehmen gehen davon aus, dass im Jahresverlauf Baumaßnahmen gestoppt oder abgebrochenen werden müssen“.

Und dennoch rechnen derzeit nur wenige Vertreter der Branche mit starken negativen Auswirkungen auf die weitere Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten. Nur 7,0 Prozent der Unternehmen erwarten eine starke Beeinträchtigung. Die Mehrheit (85 %) rechnet mit einer geringfügigen oder moderaten Beeinträchtigung und 8,0 Prozent sehen die Geschäftsentwicklung sogar überhaupt nicht beeinträchtigt.

Große Verunsicherung bei privaten Vermietern

66 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland werden von insgesamt 3,9 Millionen privaten Kleinvermietern angeboten. Die COVID-19-Pandemie sorge bei diesen privaten Kleinvermietern für große Verunsicherung. Das berichtet der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. „Unsere Vereine werden von ratsuchenden Eigentümern förmlich überrannt“, beschreibt Verbandspräsident Kai Warnecke die Situation. In der zweiten März-Hälfte hätten die knapp 900 Haus & Grund-Vereine über 20.000 Beratungen im Zusammenhang mit COVID 19 durchgeführt. Warnecke erneuerte seinen Vorschlag, jetzt zügig einen Mieten- und Wohnkostenfonds einzurichten, der im Notfall die Mietzahlungen übernehme. „So ein Fonds würde erheblich zur Marktberuhigung beitragen und zugleich Mieter schützen“, betonte Warnecke.

Das Mietenmoratorium der Bundesregierung sei keine Maßnahme des Mieterschutzes, sondern treibe Vermieter in die Pleite. Warnecke betonte, dass in der jetzigen Situation Solidarität gefordert sei. „Viele Vermieter, die dazu finanziell in der Lage sind, zeigen sich solidarisch gegenüber ihren Mietern. Aber nicht jeder Vermieter kann das leisten und nicht jeder Mieter ist per se bedürftig. Wo es Probleme gibt, muss das Gespräch gesucht werden. Und wenn Mieter krisenbedingt nicht zahlen können, muss der Staat einspringen – und zwar schnell“, forderte Warnecke. >> ausführliche Meldung

Wohnimmobilien weiterhin gefragt und Preise stabil  

Das Portal ImmoScout24 und die Sprengnetter Immobilienbewertung sehen eine stabile Entwicklung des deutschen Immobilienmarkts. Aufgrund der Kontaktsperren hätten sich in der zweiten Märzhälfte die Marktaktivität auf Deutschlands größtem Immobilien-Marktplatz verringert. Aber schon Ende März habe die Zahl der Neu-Inserate um gut 16 Prozent zugenommen. Die Ansichten der Immobilien-Exposés hätten in der ersten April-Hälfte um 16 Prozent zugenommen, die Kontaktanfragen seien im gleichen Zeitraum um 18,2 Prozent gestiegen. Damit bewegten sich Angebot und Nachfrage nach Immobilien wieder auf die Normalwerte vor der Corona-Pandemie zu.  Das Gesamtangebot an Eigentumswohnungen zeige sich durch die Corona-Pandemie weitgehend ungetrübt und habe nach einem leichten Rückgang von Mitte Januar bis Ende Februar seit Ende März wieder um 2,5 Prozent zugenomen. Dies treffe vor allem auf die Metropolregionen Berlin, Düsseldorf und Hamburg zu.

Das Angebot an Mietwohnungen erlebte von Mitte bis Ende März einen deutschlandweiten Rückgang um 9,7 Prozent und sei seitdem wieder um 5,7 Prozent angestiegen. Allein in Frankfurt am Main stieg die Anzahl der Mietinserate innerhalb einer Woche um rund zehn Prozent. Seit dem 23. März haben auch die Mietangebote in München und Hamburg wieder zugenommen (+ 6 Prozent bzw. + 8 Prozent).   Bewegung sei durch die Corona-Pandemie auch in das Segment „Wohnen auf Zeit“ gekommen. Viele private Vermieter scheinen ihre Ferienwohnungen umzuwidmen und in den Mietwohnungsmarkt zurückzuführen. Die deutschen Top7-Städte verzeichnen seit Mitte März in dieser Kategorie ein Plus von 27 Prozent. Vor allem Berlin, München und Düsseldorf sind Treiber dieser Entwicklung.  

Auch die Immobilienpreise zeigten sich bis Ostern weitgehend unbeeindruckt von den Auswirkungen durch die Corona-Pandemie. Das zeige eine deutschlandweite Auswertung der ImmoScout24-Angebotspreise, die das Portal gemeinsam mit dem Data-Science-Team von Sprengnetter durchgeführt habe. Demnach sei die Preisentwicklung sowohl bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern zum Kauf als auch bei den Mieten größtenteils stabil. Die gesamtdeutschen Durchschnittspreise für Eigentumswohnungen seien auch nach Verhängung der Kontakteinschränkungen bis zum 26. März angestiegen. Auch die Preise für Einfamilienhäuser stiegen insbesondere in Hamburg und Köln weiter an. „Die fundamentalen Kennzahlen des deutschen Immobilienmarkts sind trotz der Corona-Pandemie stabil geblieben. Bislang gab es vor allem in den deutschen Top-10-Metropolen einen immensen Nachfrage-Überhang. Dieser hat ein Stück weit abgenommen. Wir sehen aber nach wie vor eine hohe Nachfrage und genug Kapital im Markt“, erläutert Ralf Weitz, Geschäftsführer von ImmoScout24.

16,6 Prozent der Mieter befürchten Zahlungsschwierigkeiten

Die Deutsche Wohnen nutzt die Corona-Krise, um ein Image als sozialer Vermieter aufzubauen. Schon Mitte März hat das börsennotierte Immobilienunternehmen (mit einem Bestand von 161.200 Wohneinheiten und 2.800 Gewerbeeinheiten) die Einrichtung eines 30-Millionen-Euro-Fonds zur Unterstützung von Mietern angekündigt, die Corona-bedingt in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnten. Imagemäßig verstärkt wird dieser Schritt nun durch eine Umfrage unter Deutschlands Mietern, deren Ergebnis nicht überraschend sein dürfte: Mieter sehen die Immobilienunternehmen in der Pflicht, einen umfassenden Beitrag zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu leisten. Fast zwei Drittel der Teilnehmer (63 %) gaben an, dass sie von ihrem Vermieter eine größere Kulanz bei Mietschulden erwarten.

Bis Ostern lagen allgemein keine validen Zahlen darüber vor, wie viele Mieter tatsächlich Corona-bedingt Einkommensverluste bei ihren Vermietern angezeigt haben. Ein Ergebnis der von der Deutschen Wohnen beauftragten Umfrage lautet: Bundesweit habe jeder sechste Umfrageteilnehmer (16,6 %) die Befürchtung geäußert, im Laufe der Corona-Pandemie seine Miete nicht mehr zahlen zu können. Im Bundesländer-Vergleich treibt diese Sorge die Mieter in Sachsen-Anhalt (22,8 %) sowie in Bayern (19,2 %) am meisten um. In Berlin sind die Mieter mit 15,0 Prozent etwas weniger besorgt als der Bundesdurchschnitt.

Das Meinungsforschungsunternehmen Civey hat pro Einzelfrage jeweils rund 5000 Teilnehmer online befragt. Die Befragung fand zwischen dem 31. März und dem 7. April 2020 statt.

Der Hilfsfonds der Deutsche Wohnen werde sich aus einem geplanten Dividendenverzicht der Aktionäre des Unternehmens speisen: Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens hätten beschlossen, der Hauptversammlung eine auf 90 Cents je Aktie reduzierte Dividende vorzuschlagen. Private und gewerbliche Mieter, die durch die Corona-Krise in eine finanzielle Notlage geraten sind, könnten sich schon jetzt bei der Deutsche Wohnen melden.

>> Meldung: Verbände schlagen Hilfsfonds vor

Jetzt besonders auf die Legionellen-Gefahr achten

Die Stilllegung von Wirtschaft und Gesellschaft zur Abwehr des Corona-Virus könnte die Ausbreitung von Legionellen-Bakterien in Trinkwassersystemen begünstigen. Viele Bürogebäude, Schulen, Hotels, Ferienwohnungen und Sportanlagen sind seit Wochen geschlossen. Da das Trinkwasser in den Leitungen still steht, können sich Legionellen besonders gut vermehren. Dann verbreiten sie sich über die Rohrsysteme und können über den Wasserdampf, beispielsweise unter der Dusche, eingeatmet werden und grippeähnliche Erkrankungen oder Lungenentzündungen hervorrufen. Doch Vermieter, Verwalter und auch Bewohner selbst können mit folgenden Maßnahmen einer Legionelleninfektion vorbeugen: 

  1. Wenn Leitungen länger als drei Tage nicht genutzt waren, alle Wasserhähne und Duschköpfe heiß durchspülen. Dabei die Fenster öffnen und den Raum verlassen. 
  2. Regelmäßig Wasserhähne reinigen und entkalken, um den Legionellen keine guten Wachstumsbedingungen zu bieten. 
  3. Wassertemperaturen zwischen 25 Grad Celsius und 55 Grad Celsius sind die ideale Brutstätte für Legionellen. Daher sollten Anlagenbetreiber die Warmwasseranlage in einem Temperaturbereich von mindestens 60 Grad Celsius fahren. 

Quelle: Techem Energy Services GmbH

Bundesregierung vereinfacht Zugang zum Wohngeld

Die Bundesregierung hat mit einem entsprechenden Erlass den Zugang zum Wohngeld erleichtert. Das Bundesinnenministerium hat diesen Erlass an die zuständigen Bundesländer weitergeleitet.

Demnach können Mieter und Wohnungseigentümer, die in der eigenen Wohnung leben, nun einen formlosen Wohngeldantrag per E-Mail oder Telefon stellen. Für ihre Bedürftigkeit müssen sie künftig weniger Nachweise erbringen, deren Plausibilität wird weniger hart geprüft. Unter anderem soll auf die Prüfung von Vermögen und Wohnungsgröße verzichtet werden, ausgenommen bei Hinweisen auf ein großes Vermögen. Außerdem kann man sich bei finanziellen Engpässen Wohngeldvorschüsse für bis zu drei Monate auszahlen lassen.

Der Erlass wird vom BFW Bundesverband der freien Immobilien- und Wohnungsunternehmen ausdrücklich begrüßt. BFW-Präsident Andreas Ibel: „Das wirtschaftliche Risiko für Corona-bedingte Einkommensausfälle darf nicht allein auf den Schultern der Vermieter abgeladen werden. Jetzt sind die Bundesländer gefragt, die Notverordnung schnellstmöglich umzusetzen“.

Auch der GdW Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen begrüßt den Erlass der Bundesregierung ausdrücklich. GdW-Präsident Axel Gedaschko sagt aber große Probleme bei der praktischen Umsetzung voraus. Es werde sich jetzt rächen, dass in kaum einem Bundesland, mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen, das Wohngeld von den Bürgern bereits online beantragt werden könne. Die gut gemeinte telefonische Antragsmöglichkeit werde in den Kommunen zu viel Mehrarbeit führen. Und das in einer Situation, in der die Antragszahlen wachsen werden.

 Das Land Berlin hat auf den Erlass des Bundes unmittelbar reagiert und die Vereinfachung des Wohngeldantrags umgesetzt. Die schnelle Reaktion der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen wird vom BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen gelobt. Es sei eine wichtige Botschaft an die Bürger, so BBU-Chefin Maren Kern, dass die Sicherungen es Sozialstaates funktionieren. Das Wohngeld sei eine echte Hilfe für Mieter, deren Einkommen als Folge der Pandemie gesunken sind, beispielsweise wegen Kurzarbeit. Es sichere aber auch die Liquidität der Wohnungsunternehmen, und damit Aufträge und Arbeitsplätze für Bau und Handwerk in Berlin. Nach den jüngsten Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg bezogen 2018 in Berlin 22.800 Haushalte Wohngeld. Die durchschnittliche Höhe beim Wohngeld lag bei 144 Euro pro Haushalt.

VIVAWEST organisiert Apothekendienst

Senioren und Risikogruppen bietet das Wohnungsunternehmen VIVAWEST in ausgewählten Quartieren einmal wöchentlich einen Apothekendienst an.

Wie das Unternehmen mitteilt, übernehmen Quartiermeister den Gang zur Apotheke, um hilfsbedürftigen Mietern notwendige Medikamente zu besorgen. Zu diesem Zweck habe VIVAWEST spezielle Briefkästen eingerichtet, in die die Rezepte sowie der Hinweis auf den Absender eingeworfen werden können. Die Leerung erfolge immer mittwochs um 11 Uhr. Die Quartiersmeister bemühten sich, die Medikamente noch am selben Tag auszuliefern. Die zusätzlichen Kosten würden nicht auf die Mieter umgelegt, sondern vollständig von VIVAWEST getragen.

Damit VIVAWEST-Mieter sich in Zeiten von strengen Ausgangsbeschränkungen in ihrem Wohnumfeld wohlfühlen und einen schönen Ausblick genießen können, sorgen die Quartiersmeister darüber hinaus aktuell auch dafür, dass die Außenanlagen auf Kosten von VIVAWEST mit frischen Pflanzen jahreszeitlich und optisch ansprechend gestaltet werden.

Der digitale Notarvertrag

08.04.20 - Die Corona-Krise und die soziale Distanzierung behindern derzeit den Immobilienverkauf. Käufer und Verkäufer vermeiden gleichermaßen jeden unnötigen Kontakt zu anderen Menschen. Dazu zählt auch der Termin zur notariellen Beurkundung des Immobilienkaufvertrags. immowelt und IVD Deutschland starten deshalb eine Online-Petition für den digitalen Notarvertrag. Das Immobilienportal und der Immobilienverband fordern den Gesetzgeber auf, durch digitale Notarverträge Immobilienverkäufe während der Krise zu erleichtern.

Das bundesweit tätige Maklerunternehmen Homeday stellt fest, dass der Wohnimmobilienmarkt nicht eingefroren sei. Immobilien würden nach wie vor nachgefragt und Transaktionen fänden statt. Notartermine seien auch während der deutschlandweiten Kontaktbeschränkungen unter den Hygienevorschriften weiterhin möglich.

Preisentwicklung

Laut empirica sind die Mieten und Kaufpreise im 1. Quartal 2020 im bundesweiten Mittel angezogen – doch Auswirkungen der Corona-Krise zeichnen sich ab. Die Mieten seien im 1. Quartal 2020 auf Bundesebene mit 0,7 Prozent wieder schwächer als die Kaufpreise gestiegen, hätten aber im Vergleich zu den Vorquartalen etwas Rückenwind bekommen. Mit über drei Prozent verzeichneten Bestandswohnungen in Stuttgart und Düsseldorf den größten Mietanstieg. Eine atypische Entwicklung sei in Berlin zu sehen, hier würden die Mieten spürbar sinken – wegen des Mietendeckels. >> TIPP: Webinar "Berliner Mietendeckel - was Vermietwer jetzt wissen müsssen"

Senioren werden auch unter der Kontaktsperre betreut

An rund 50 Standorten in 21 Städten arbeitet das Wohnungsunternehmen Sahle Wohnen mit der Parea zusammen. Dort übernimmt die gemeinnützige Dienstleistungsgesellschaft im Auftrag des Unternehmens unter anderem die soziale Betreuung von Senioren. Aufgrund der Corona-Krise mussten Mitte März alle Gemeinschaftsräume geschlossen alle Gemeinschaftsaktivitäten eingestellt werden. Aber die Senioren werden nicht allein gelassen.

Binnen weniger Tage sei es Parea gelungen, verschiedene Alternativangebote für die älteren Mieter von Sahle Wohnen zu verwirklichen. Am 18. März wurde die Nachbarschaftsaktion „Wir sind für Sie da!“ ins Leben gerufen. Seither organisieren die Parea-Mitarbeiterinnen vor Ort freiwillige Helfer für Senioren, die Hilfe beim Einkaufen benötigen und nicht auf familiäre Unterstützung zurückgreifen können. „Die Hilfsbereitschaft ist beeindruckend. Bei uns haben sich mehr freiwillige Helfer als Hilfesuchende gemeldet“, berichtet Parea-Teamleiterin Monika Brieder aus Frankfurt am Main.

Telefonische Sprechstunden und Telefonpatenschaften sorgten dafür, dass der persönliche Kontakt zu den Senioren auch in Zeiten von Corona gewährleistet ist. „Wir vermitteln Hilfsangebote, sind beratend tätig und gerade jetzt auch Anlaufstelle für Senioren, die einfach nur mal reden wollen“, gibt Parea-Teamleiterin Olga Hoch aus Erkrath ihre bisherigen Erfahrungen aus der Krisenzeit weiter.

Sporttraining, das sonst vis-à-vis im Gemeinschaftsraum absolviert wird, finde nun in einigen Seniorenwohnanlagen unter freiem Himmel in angemessenem Abstand voneinander statt. Übungen werden im Außenbereich der Wohnanlage gut sichtbar demonstriert, sodass die Senioren auf ihren Balkonen problemlos mitmachen könnten. Auch das Singen im Chor sei bei gutem Wetter kein Problem.

Offener Brief eines Verwalters: „Kleinvermieter finanziell gefährdet“

Frank Hillemeier, Geschäftsführer der ImmoConcept Verwaltungsgruppe mit Sitz in Köln, richtet einen offenen Brief an die Bundesregierung. Er warnt: Die gesetzliche Möglichkeit für Mieter, die Mietzahlungen auszusetzen, könne negative finanzielle Folgen für private Vermieter haben. Hillemeier verweist darauf, dass es sich bei zahlreichen Vermietern von Wohnungen wie von Verkaufsläden und anderen Geschäftsräumen nicht um große Investment-Fonds handelt, sondern um „private Klein- und Kleinstvermietern, die ihr angespartes Vermögen in diese Immobilien investiert haben“. Sie müssten die finanziellen Einbußen tragen, wenn Gewerbebetriebe oder private Mieter fällige Mietzahlungen unter Berufung auf das neu geltende Recht aussetzen. Bei den von ImmoConcept betreuten Gewerbeobjekten beliefen sich die Mieteinnahmen, die den privaten Anlegern künftig fehlen, auf durchschnittlich mehr als 5.000 Euro pro Monat. Bei Wohnungen seien es im Schnitt 1.000 Euro pro Monat.

Mit den geltenden Regelungen wälze der Staat die Verantwortung für die soziale Sicherung auf private Vermieter ab. Von der Bundesregierung fordert Frank Hillemeier daher eine rasche „rechtliche und fachliche Nachbesserung der Regelungen“, um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Denkbar sei ein für Gewerbebetriebe einzurichtender Mietzuschuss, wie er privaten Wohnungsmietern schon heute auf Antrag gezahlt werde.

„Mietkürzungen von solventen Gewerbemietern sind unanständig“

Aufgrund der Corona-Krise beobachtet die Hans Schütt Immobilien GmbH in Kiel eine erhöhte Zahl der Beschwerden aufgrund von Lärm. Klaus Schütt, geschäftsführender Gesellschaf: „Bei vielen Menschen liegen aktuell zu Hause die Nerven blank. Dabei reagieren viele empfindlicher gegenüber Geräuschen, so dass die Beschwerden wegen Kinder- oder Handwerkerlärm stark zugenommen haben.“

Im Bereich Einzelhandel beobachtet Schütt, dass besonders gut aufgestellte Gewerbemieter von sich aus die Miete kürzen oder gar nicht mehr zahlen. „Das halte ich im Moment für unanständig. Deswegen prüfen wir bei jedem Gewerbemieter die wirtschaftliche Situation und stunden natürlich, wo Not besteht“, so Klaus Schütt.

„Anstieg der Immobilienpreise wird nur gedämpft“

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, geht davon aus, dass die derzeitige Situation den Anstieg der Immobilienpreise dämpfen werde, da ein Rückgang der Nachfrage zu erwarten sei: Weniger Menschen würden in der nächsten Zeit berufsbedingt umziehen. Und einige würden sicherlich die wirtschaftliche Entwicklung abwarten, bevor sie eine so große Investition wie die in eine eigene Immobilie tätigen. Allerdings dürfte der Wunsch nach den eigenen vier Wänden bestehen bleiben und nur die Umsetzung verschoben werden. Deshalb gehe er davon aus, dass die Auswirkungen auf den Markt nur vorübergehend sind und es zu einem späteren Zeitpunkt einen „Nachholeffekt“ geben werde.

„Mietsteigerungen sind erstmal nicht drin“

Jürgen Steinhauser, Geschäftsführer der Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH, stellt angesichts drohender Einkommensverluste auf breiter Front fest: „Das Potenzial für Mietsteigerungen ist in den meisten Fällen erstmal vom Tisch.“ Die Krise könne nach Einschätzung einiger Ökonomen eine Stagnation oder gar einen Rückgang der Mietenpreise zur Folge haben. Andere hielten selbst ein Ende des Immobilienbooms für denkbar, wenn sich die Krise länger hinzieht und der Alltag der Menschen stark eingeschränkt bleibt.

Wie stark die Folgen für die Mieten ausfallen werden, bleibe vorerst reine Spekulation. Ein Einbrechen der Mieten mit Preisrückgängen von bis zu 30 Prozent, wie manche Beobachter schon prophezeiten, bleibe zunächst dennoch unwahrscheinlich. Der einfache Grund: Die Wohnungsknappheit in den Städten bleibe bestehen und verstärke sich sogar noch dadurch, dass die Corona-Krise auch die Baubranche treffe, was mancherorts zu Bauverzögerungen führe. Dringend benötigter Neubau werde somit nicht fertig.

Wohnungsbesichtigungen und Umzüge sind noch erlaubt – unter Auflagen

Grundsätzlich sind Wohnungsbesichtigungen trotz Ausgangsbeschränkungen noch erlaubt. Darauf weist Michaela Rassat Juristin der ERGO Rechtsschutz Leistungs-GmbH hin. Dies gelte vor allem für Wohnungssuchende, bei denen eine gewisse Notwendigkeit und Dringlichkeit besteht, also wenn beispielsweise die alte Mietwohnung schon gekündigt oder verkauft wurde oder ein Arbeitsplatzwechsel ansteht. Es komme hier aber auch auf die Regelungen im jeweiligen Bundesland an. Besonders strenge Regeln gelten etwa in Bayern, dem Saarland oder Sachsen. Hier dürfen Bürger nur noch mit triftigem Grund das Haus verlassen. In Bayern sind Wohnungsbesichtigungen derzeit nur dann noch erlaubt, wenn dem Suchenden Obdachlosigkeit oder dem Vermieter ein schwerer finanzieller Verlust durch Leerstand droht. Bundesweit nicht mehr erlaubt sind sogenannte Massenbesichtigungen. Demnach dürfen nur noch Einzelbesichtigungen stattfinden, bei denen außer dem Vermieter oder Makler nur noch eine wohnungssuchende Partei anwesend ist.

Wie ist der Umzug trotz Kontaktsperre möglich? Die Hilfe von Freunden, Bekannten und nicht im selben Haushalt lebenden Familienmitgliedern ist aktuell nicht erlaubt. Die Alternative: Ein Umzugsunternehmen beauftragen. Diese dürfen als Teil der Dienstleistungsbranche noch tätig sein, selbst in Bayern, wo eine verschärfte Ausgangsbeschränkung in Kraft ist. Sachsen betont, dass nur unaufschiebbare Umzüge noch erlaubt sind. Der alte und der neue Mietvertrag sind als Beweis mitzuführen. Da sich die Ausgangsbeschränkungen der Bundesländer unterscheiden und jederzeit Änderungen möglich sind, sollten sich Umziehende zuvor noch einmal über die Lage im jeweiligen Gebiet informieren und Kontakt zum Umzugsunternehmen halten.

Sächsischer Genossenschaftsverband befürchtet 20 Millionen Euro Mietausfälle pro Monat

Der Bundestag hat beschlossen, dass Mietern in den Monaten April bis Juni nicht gekündigt werden kann, wenn sie aufgrund von Corona-bedingten Einkommensverlusten die Miete nicht zahlen können. Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VBSWG) hat hochgerechnet, mit welchem Mietausfällen die 209 Mitgliedsunternehmen eventuell zu rechnen haben. Wir gehen derzeit davon aus, dass kurzfristig rund 20 Prozent der Mieteinnahmen der sächsischen Wohnungsgenossenschaften gefährdet sind“, so der VSWG-Vorstand Mirjam Luserke. „Allein bei den sächsischen Wohnungsgenossenschaften, die etwa 19 Prozent aller Mietwohnungen im Freistaat bewirtschaften, könnten sich die Mietausfälle auf knapp 20 Mio. Euro pro Monat summieren. Dabei geht der VSWG davon aus, dass sich der Anteil der ausfallenden Mieten mit zunehmender Dauer der Krise um rund 1,5 bis 2 Prozent pro Monat erhöhen könnte, da nach und nach Unternehmen wirtschaftlich gefährdet sind und die Rücklagen der Bürgerinnen und Bürger mit der Zeit aufgebraucht sind.

Frank Emrich, Direktor vom Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V. (vtw), nennt ähnliche Verlustzahlen. Viele Wohnungsunternehmen befürchten, dass eine große Anzahl Mieter aus Angst vor der Zukunft diese neue Regelung nutzen werden, um sich einen finanziellen Spielraum zu schaffen.“ Wenn dadurch Vermieter in existenzielle Not geraten, drohe die nächste Krise. Wenn nur 20 Prozent der Mieter diese Regelung nutzen, dann koste das 120 Millionen Euro. Dies würde eine Kettenreaktion in Gang setzen, die ganze Wirtschaftskreisläufe zerstöre. Um die Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden würden die Unternehmen Kosten reduzieren, zum Beispiel durch die Absage von Sanierungen. 18.000 Aufträge im Handwerk stünden dann in Thüringen auf dem Spiel.

(Red.)

 

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