Bauen mit Modulen

Sozialwohnungen aus dem Systembaukasten

10.01.2019

Schneller, kostengünstiger und mit hoher Qualität Sozialwohnungen bauen. Geht das? Ja, wenn es nach der Kommunalen Wohnungsgesellschaft Erfurt geht. Die KoWo hat mit Forschern der TU München einen Systembaukasten entwickelt. Lesen Sie den Beitrag der Fachzeitschrift IVV immobilien vermieten & verwalten.

Auf einem Grundriss liegen bunte Bauklötze.
Das Bauklotz-Prinzip: Wie viele seriell vorgefertigte Komponenten lassen sich in den Bau von Sozialwohnungen integrieren? BILD: Adobestock/ Stockwerk-Fotodesign

Häuser bauen wie Autos

Dass sich gerade etwas ändert, Hermann macht es nicht zuletzt an Folgendem fest: „Häuser wie Autos bauen, vor wenigen Jahren hat man uns deswegen noch ausgelacht.“ Inzwischen sei das Thema absolut hipp. Hier verweist er unter anderem auf das Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Adaptive Modulbauweisen mit Fließfertigungsmethoden – Präzisionsschnellbau der Zukunft“ sowie auf die europaweite GdW-Ausschreibung für einen Rahmenvertrag zum seriellen und modularen Bauen, wo neun Bieter für ihre Wohnungsbaukonzepte den Zuschlag erhielten.

Ergebnisse des GdW-Wettbewerbs und der Forschungen zum Systembaukasten sind dann auch in die laufende Ausschreibung der KoWo für ein Pilotprojekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung in Thüringen eingeflossen.

Praxistest läuft an

Dabei entstehen auf einer Fläche von 16.000 Quadratmetern etwa 100 Wohnungen, Baustart ist 2020. Zur Bundesgartenschau 2021 in Erfurt sollen die ersten Mieter eingezogen sein. Das Grundstück liegt direkt am BUGA-Naherholungspark und gleichzeitig „in einem Wohngebiet mit bester Infrastruktur.“ Das Erfurter Wohnungsunternehmen will damit nicht zuletzt demonstrieren, dass serielles kostengünstiges Bauen sich auch „städtebaulich bestens integrieren lässt“.

Am städtebaulichen Wettbewerb der KoWo haben sich rund 35 Städteplaner, Architekten und Freiflächenplaner beteiligt. Der Entwurf des 1. Preisträgers sieht unter der Leitidee „Zuhause mit eigenem Vorgarten“ eine verhältnismäßig dichte Bebauung aus dreigeschossigen Häusern vor. Jede Wohnung verfügt über Terrasse oder Balkon, die über Stege miteinander verbunden sind. Dazu kommen sieben halb private Gartenhöfe.

Der 2. Preisträger hat ein autofreies Wohnquartier mit mehreren zwei- bis fünfgeschossigen Gebäuden und vielen Freiflächen entworfen. Zu jeder Wohnung soll es einen Garten geben. Dazu kommen kleine Quartiersplätze als gemeinschaftlicher Freiraum.

Im Rahmen der IBA und parallel zur Bundesgartenschau will das Erfurter Wohnungsunternehmen das Thema serieller Wohnungsbau auf breiter Ebene mit Wissenschaftlern, Wohnungs- und Bauwirtschaft diskutieren und in den nächsten Jahren weiter vorantreiben. Es gibt Hermann zufolge auch schon Pläne, die nächsten Grundstücke modular zu bebauen und auch erste gemeinsame Überlegungen mit Hochschulen.

Autorin: Carla Fritz

Dieser Artikel entstammt der Printausgabe der IVV immobilien vermieten & verwalten, Ausgabe 12/2018. Dort können Sie auch das Interview mit KoWo-Geschäftsführer Friedrich Hermann über seine Erfahrungen mit dem Projekt Serielles Bauen.
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ServiceTIPP

Den Endbericht und Anfroderungskatalog zum Forschungsprojekt „Bauen mit Weitblick – Systembaukasten für den industrialisierten sozialen Wohnungsbau“ können Sie hier downloaden: www.bauen-mit-weitblick.tum.de/

Weiterlesen:

Europaweites Ausschreibungsverfahren des GdW (Feb 2018)
Neun Bieter erhalten Zuschlag für innovative Wohnungsbaukonzepte (Mai 2018)
Serielles Bauen – schnelle und flexible Lösungen (Juni 2018)
In sieben Tagen 14 Wohnungen (Nov 2018)
Sozialwohnungen aus dem Systembaukasten (Dez 2018)
Modulares Bauen: Lang geplant, schnell errichtet
Ausführlicher Artikel zu den Vorteilen und Nachteilen des seriellen Wohnungsbaus in der Ausgabe 08/2017 der Zeitschrift IVV immobilien vermieten & verwalten (erschienen am 4.08.17)

 

Suchbegriffe: KoWo mbH Erfurtserielles Bauen

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