Vorbeugender Brandschutz

Sprinkleranlagen können Leben und Sachwerte schützen

Sprinkleranlagen gelten in Ländern wie Großbritannien oder den USA längst als selbstverständlicher Bestandteil des Gebäudeschutzes. In Deutschland werden sie jedoch oft als eine über den Standard hinausgehende Sonderlösung betrachtet – abgesehen von Produktionsstätten.

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Der temperaturempfindliche Glaskolben eines Sprinklers platzt bei einer bestimmten Temperatur und löst die Sprinkleranlage aus. Bild: Goldbeck
Der temperaturempfindliche Glaskolben eines Sprinklers platzt bei einer bestimmten Temperatur und löst die Sprinkleranlage aus. Bild: Goldbeck

Spätestens seit dem Großbrand im Grenfell-Wohnhochhaus in London im Jahr 2017 ist weltweit das Bewusstsein dafür gewachsen, wie wichtig automatische Löschsysteme für die Sicherheit sind. Hierzulande hat sich das bei den Planerinnen und Planern allerdings noch nicht durchgesetzt. Sie verzichten häufig auf eine Sprinkleranlage, nicht zuletzt aus Kosten- und Platzgründen. Dabei sind diese Anlagen eine ausgesprochen effektive Maßnahme des vorbeugenden Brandschutzes. Ihr Prinzip ist einfach und wirkungsvoll: sie erkennen einen Brand frühzeitig, reagieren darauf automatisch, alarmieren die Rettungskräfte und begrenzen das Feuer bereits in der Entstehungsphase, in aller Regel noch bevor die Feuerwehr eintrifft.

Frühzeitige Brandbekämpfung als entscheidender Faktor

Eine automatische Sprinkleranlage besteht aus einem Netz geschlossener Düsen, die erst bei Erreichen einer vorher definierten Temperatur auslösen. In vielen Anwendungsfällen liegt diese bei etwa 68 Grad Celsius, je nach Nutzung und Umgebung können höhere Auslösetemperaturen erforderlich sein. Wird diese erreicht, platzt der temperaturempfindliche Glaskolben eines Sprinklers, es tritt Wasser aus und verteilt sich über einen Sprühteller gleichmäßig im betroffenen Bereich. Entscheidend dabei: Es öffnen sich ausschließlich die Sprinklerköpfe, die tatsächlich von der Hitze eines Brandes betroffen sind. So werden unnötige Wasserschäden verhindert und der Brandherd effektiv bekämpft. Häufig genügt bereits die Auslösung einzelner Sprinklerköpfe, um einen Brand in der Entstehung einzudämmen. Gleichzeitig alarmiert die Anlage automatisch die Feuerwehr, damit diese den Brand final bekämpft.

Die Hauptaufgabe einer Sprinkleranlage besteht demnach darin, die kritische Zeitspanne zwischen Brandausbruch und Eintreffen der Feuerwehr zu überbrücken. Neben dem unmittelbaren Löschen des Feuers trägt dies wesentlich dazu bei, Folgeschäden zu minimieren.

Anforderungen an Planung, Betrieb und Qualität

So zuverlässig Sprinkleranlagen im Grundprinzip sind, so entscheidend ist für ihre Funktion eine fachgerechte Planung, Installation und Wartung. Nur wenn alle Komponenten korrekt aufeinander abgestimmt sind, kann die Anlage im Ernstfall ihre volle Wirkung entfalten.

Die Auslegung erfolgt abhängig von Nutzung, Brandlast und Gebäudestruktur. Dabei müssen unter anderem ausreichende Wassermengen für eine festgelegte Betriebsdauer vorgehalten werden. In vielen Fällen sind Löschzeiten von rund 60 Minuten oder mehr vorgesehen, in Industrieanlagen teilweise deutlich darüber hinaus. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Infrastruktur, Technik und Platzbedarf der Löschwassertanks. Hinzu kommen regelmäßige Prüfungen und Wartungsprozesse, die sicherstellen, dass die Anlage dauerhaft funktionsfähig bleibt. Einzelne Komponenten wie Sprinklerköpfe müssen in festen Zyklen erneuert werden. Weitere kostspielige Modernisierungen sind in der Regel nicht erforderlich. Die Technik von Sprinkleranlagen gilt als ausgereift; grundsätzlich neue Technologien, die eine Modernisierung notwendig machen würden, sind nicht absehbar. Eine Sprinkleranlage ist daher meist eine einmalige Investition, die über ihre gesamte Lebensdauer hinweg durch regelmäßige Wartung, Prüfungen sowie die gezielte Erneuerung einzelner Bauteile einsatzbereit gehalten wird.

Eine zentrale Rolle für die Qualitätssicherung spielt die VdS-Zertifizierung, die von der VdS Schadenverhütung GmbH herausgegeben wird. Sie gilt als international anerkannter Standard im Bereich der Sprinklertechnik und stellt sicher, dass Planung, Errichtung und Instandhaltung nach definierten technischen Richtlinien erfolgen. Unternehmen, die als VdS-anerkannte Errichter tätig sind, durchlaufen ein mehrjähriges Prüfverfahren. Ihre fachliche Kompetenz sowie die Qualität ihrer Arbeit müssen sie regelmäßig nachweisen. Für Betreiber bedeutet dies ein hohes Maß an Sicherheit: Anlagen werden nach klaren Vorgaben geplant und umgesetzt, regelmäßig überprüft und dokumentiert. Zudem hat die VdS-Anerkennung praktische Auswirkungen, etwa im Hinblick auf Versicherungen.

Meist werden Sprinkleranlagen bezüglich Feuerversicherung nur dann vollständig rabattierfähig anerkannt oder entsprechend bewertet, wenn sie den VdS-Richtlinien entsprechen.

Herausforderungen und Potenziale in der Praxis

Insbesondere im Wohnungsbau sind Sprinkleranlagen bislang eher die Ausnahme und baurechtlich nicht vorgeschrieben. Dabei könnten sie gerade dort einen erheblichen Beitrag zum Schutz von Menschenleben und Immobilien leisten. Ein Grund dafür liegt in den vermeintlich hohen Anforderungen und Kosten. Tatsächlich erfordern Sprinkleranlagen eine sorgfältige Planung sowie entsprechende Investitionen in Technik und Infrastruktur.

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In einigen anderen Ländern ist die Akzeptanz bereits deutlich höher. Dort gehören Sprinkleranlagen im wohnwirtschaftlichen Bereich zunehmend zum Standard. Gleichzeitig zeigen neue Ansätze in der Baubranche, wie etwa serielle Bauweisen, dass sich Sprinklersysteme in Zukunft effizienter integrieren lassen könnten. Im Bestand bieten sich ebenfalls Möglichkeiten zur Nachrüstung oder Optimierung, wobei im Einzelfall geprüft werden muss, ob eine Instandsetzung wirtschaftlich sinnvoll ist oder ein Neubau der Anlage die bessere Lösung darstellt. Entscheidend ist in jedem Fall eine fundierte Bewertung der bestehenden Technik und der jeweiligen Risiken.

Fest steht: Die Sprinkleranlage ist ein zentraler Baustein eines ganzheitlichen Brandschutzkonzepts. Ihre Fähigkeit, Brände frühzeitig zu erkennen und unmittelbar zu bekämpfen, macht sie zu einer wirksamen Schutzmaßnahme. In Kombination mit klaren Qualitätsstandards wie der VdS-Zertifizierung bietet sie Eigentümern und Betreibern ein hohes Maß an technischer und organisatorischer Sicherheit.

Letztlich leisten Sprinkleranlagen mehr als eine reine Brandbekämpfung: Sie schützen Menschenleben, indem sie Brände frühzeitig eindämmen und Flucht- sowie Rettungszeiten entscheidend verlängern. Gleichzeitig sichern sie materielle Werte und erhalten Gebäude. Diese doppelte Schutzwirkung – für Leben und für Sachwerte – macht Sprinkleranlagen zu einem wichtigen Bestandteil moderner Sicherheits- und Vorsorgekonzepte.

Günter Bitala

Günter Bitala
Weiser GmbH
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Artikel Sprinkleranlagen können Leben und Sachwerte schützen
Seite 42 bis 43
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