Vier Fragen an Dipl.-Ing. Erwin Nolde
Das Interesse ist – gerade auch in Berlin – eindeutig gestiegen. Dass es mit der Wasserversorgung in mehreren Städten zunehmend eng wird, ist nicht länger zu leugnen. Im Rahmen von Klimaanpassungsmaßnahmen wird zusätzlich zu der bereits jetzt angespannten Versorgungslage noch viel mehr zusätzliches Wasser für die Baum- und Grünflächenbewässerung benötigt, um die Stadt zu kühlen. Allein in den nächsten drei Monaten werden wir mehrere Anlagen zum Grauwasserrecycling mit integrierter Wärmerückgewinnung für rund 1.500 Bewohnerinnen und Bewohner in Betrieb nehmen. Gibt es mehr Nachfragen aus dem privaten Wohnungsbau oder im Mietwohnungsbau? Die meisten Nachfragen kommen von landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, privaten Baugruppen oder Wohneigentümergemeinschaften sowie von Genossenschaften. Das Interesse ist besonders groß, wo die Betriebskosteneinsparungen auch den Eigentümern zugutekommen. Ein weiterer Punkt, der an Bedeutung gewinnt, ist die Wärmerückgewinnung aus Grauwasser, insbesondere wenn dadurch mit wenig Zusatzaufwand eine höhere Gebäudeeffizienzklasse erreicht wird. Das kann ein Türöffner für bessere Förderbedingungen sein. In der Praxis gewinnen wir aus einem Kubikmeter Grauwasser 20 kWh Wärme, womit 350 Liter Kaltwasser auf 60 Grad Celsius erwärmt werden können. Was spricht für Grauwasserrecycling im Mietwohnungsbau und wieviel lässt sich damit einsparen? Ziel ist eine Reduktion des Trinkwasserverbrauchs um ca. 30 Prozent, bei zusätzlicher Nutzung für Waschmaschinen, Bewässerung, Versickerung oder Gebäudekühlung und ggf. weiterer Grauwasserquellen sogar bis zu 60 Prozent. Darüber hinaus wird das System um eine Wärmerückgewinnung aus Grauwasser ergänzt. Über Wärmetauscher oder Wärmepumpen kann ein Großteil des Energiebedarfs für die Warmwasserbereitung eingespart werden. Die Trinkwasserpreise in Deutschland steigen seit 2020 deutlich – laut Statistischem Bundesamt sind die Frischwasserpreise zwischen 2020 und Februar 2026 um 28,7 Prozent gestiegen. Regional sehr unterschiedlich, aber bundesweit erkennbar. Für die fossile Energiebereitstellung muss man ebenfalls mit drastischen Kostensteigerungen rechnen. Für den Mietwohnungsbau spricht daher, die Mieter vor steigenden Betriebskosten im Bereich Trinkwasser, Energie und CO2 zu schützen und damit langfristig den Wert der Immobilie zu wahren. Wie ist die Resonanz bei den Mietern? Viele Mieter und Mieterinnen sind sich gar nicht bewusst, dass es sich bei dem Wasser ihrer Toilettenspülung um recyceltes Grauwasser handelt, da sie faktisch keinen Unterschied zum Trinkwasser bemerken. Diejenigen, die es wissen, sind meistens stolz, zum Wassersparen beitragen zu können. Mit dem Wirbelbettverfahren, das wir seit Jahren bevorzugen, haben wir diesbezüglich nur gute Erfahrungen gemacht. Seit 2026 bereiten wir damit sogar die hochbelasteten Grauwasseranteile von Waschmaschinen und Küchen zur vollsten Zufriedenheit der Mieterinnen und Mieter auf.
Redaktion (allg.)
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