Intelligente Häuser

Lowtech und energieeffizientes Bauen

06.09.2018
Handwerker am Lüftungssystem
(Foto: auremar/stock.adobe.com)

Wie viel Technik braucht ein ökologisches Haus? Angesichts sich ständig ändernder Bauverordnungen und ausufernder Baukosten, immer größer werdender Probleme auf dem Wohnungsmarkt und explosionsartigen Mietpreissteigerungen müssen zukunftsorientierte Lösungen her.

Wenig Technik, großer Effekt

Neben Hybridbauten aus Beton und Holz werden zunehmend Gebäude für Investoren interessant, die so konzipiert sind, dass ein möglichst geringer technischer, energetischer und finanzieller Aufwand bei möglichst geringem Energieverbrauch erreicht wird. Betrachtet wird der gesamte Lebenszyklus der Bauten von Wohngebäuden sowie Nichtwohngebäuden. Gebaut werden könnte nach dem ökonomischen Minimalprinzip, bei dem ein bestimmtes vorgegebenes Ziel unter Einsatz geringstmöglicher Mittel erreicht werden soll. Vor allem im kommunalen Wohnungsbau könnte die Zukunft Lowtech heißen.

Viel Technik, hohe Kosten in modernen Bauten

Die Gebäudeautomatisierung bringt – bei allen Vorteilen – auch Nachteile mit sich. Elektrische Systeme müssen oftmals nach bereits zehn Betriebsjahren komplett ausgetauscht werden, da alleine die Lagerhaltung der elektronischen Bauteile über diesen langen Zeitraum nicht gewährleistet werden kann. Nach 20 Jahren hat auch die verwendete Software das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Es ist kaum noch möglich sie zu lesen oder zu warten.

Wie genau lassen sich Lowtech-Gebäude definieren?

Entgegen dem Trend der sich ständig weiterentwickelnden Gebäudeautomatisierung, benötigen energieeffiziente Lowtech-Häuser wenig zusätzliche Haustechnik. Die Bauwerke sollen stattdessen aufgrund ihrer Eigenschaften wie durch Ausrichtung des Gebäudes, Fenstergrößen oder interne Speichermassen eine nur sehr geringe zusätzliche Regelung benötigen, die sich wiederum so einfach wie möglich gestaltet. Verzichtet werden kann dabei auf vernetzte Bussysteme bei der Lichtsteuerung oder automatische sich öffnende oder herunterfahrende Rollos.

In einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie wurden Kriterien festgelegt, die die Lowtech-Bauweise wie folgt charakterisieren:

Ökologie: Eine klima- und ressourcenschonende Bauweise, die weitgehend vorhandene Umweltressourcen (Klima, Standort und Herkunft) für den Betrieb nutzt.
Ökonomie: Die suffiziente, robuste und kosteneffiziente Bauweise, die einen reduzierten Technikanteil über den gesamten Lebenszyklus (Herstellung – Betrieb – Rückbau) anstrebt.
Sozial: Bedürfnisangepasste, Komfortstandards gewährleistende und gerechte Bauweise, die eine ausreichende Versorgung und Entsorgung sicherstellt sowie Gefährdungspotenziale und Nahrungsmittelkonkurrenz ausschließt.
Partizipation/Kultur: Die einfache, verständliche und auf Eigenverantwortlichkeit basierende Bauweise, die Selbstbau, selbsttätige Wartung und Pflege und die regionale Baukultur stärkt.

Die Studie betont dabei, dass Nachhaltigkeit nur erreicht werden kann, wenn alle vier Aspekte in ausreichendem und ausgewogenem Verhältnis zueinander während des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt sind.

Planung des energieeffizienten Baus

Um ein Lowtech-Haus zu planen, müssen detaillierte Kenntnisse über die lokalen klimatischen Bedingungen wie Sonneneinstrahlung, Windstärke, Niederschlagswerte und Temperatur eingeholt werden. Heutige Normen, Vorschriften und Standards müssen auch bei diesen Bauten eingehalten werden. Es fehlt bisher jedoch bei einigen verwendeten Bautechniken an eben diesen Normen und Standards, was die Planung sehr aufwendig macht. Jedes Konzept muss individuell geprüft werden. Der Bauherr bzw. Endnutzer bestimmt die tatsächlich nötige Technik. Steigen die technischen Ansprüche, wird eine Realisierung als Lowtech-Lösung umso schwieriger.

Erfolgreiche Lowtech-Projekte

In der Bodenseeregion probt man erfolgreich effiziente, ressourcenschonende und wirtschaftliche Gebäude. Ein gelungenes Beispiel steht in Zwischenwasser bei unseren österreichischen Nachbarn.  Der Kindergarten Muntlix erhielt 2014 sogar den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit vom Umweltminister.

Auch in Deutschland sind bereits Lowtech-Gebäude im Einsatz. Das Rupert-Neß-Gymnasium in Wangen bekam einen dreigeschossigen Erweiterungsbau (C-Gebäude) in der Nähe des historischen Stadtzentrums. Der Grundriss des Gebäudes ist klar strukturiert und bietet im Bereich der Aula eine offene, helle Atmosphäre für die Schüler. Der Anforderungswert für den Primärenergiebedarf gemäß Energieeinsparverordnung mit 129,5 kWh/m²a angesetzt, wird im kubischen Gebäude mit effektiv 34,9 kWh/m²a weit unterschritten. Ein feststehender Sonnenschutz und der Luftaustausch über die Fenster sorgen für thermischen Komfort und bilden das Lüftungskonzept. Als regionalen Baustoff verwendete man die Weißtanne, die in verschiedenen Regionen verfügbar ist. Die helle Farbe sorgt in Kombination mit den großen Fensterflächen durchweg für ein angenehmes und freundliches Raumklima.

Eine Notwendigkeit, Lowtech zu bauen, besteht zweifelsfrei nicht. Möglichst effizient ökologische Gebäude zu errichten, ist angesichts der technischen Möglichkeiten eher eine Lebenseinstellung.

Eine Notwendigkeit, Lowtech zu bauen, besteht freilich nicht. Möglichst effizient, bewusst technik-reduzierte ökologische Gebäude zu errichten, ist angesichts der technischen Möglichkeiten eher eine ideologische Spielart – wenngleich eine interessante.

Suchbegriffe:  LowtechEnergieHybridbauweise

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