Großes Sägewerk schafft sich Fassade aus Fichten

Ein Baumhaus als Firmenzentrale

Auf einer Waldlichtung, dem höchsten Punkt des Betriebsgeländes, hat eines der größten Sägewerke Europas sein neues Arbeitsdomizil bezogen. Hier ließ das Unternehmen ein zur Firmenausrichtung passendes unverwechselbares Gebäude errichten.

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Wie ein überdimensionales Baumhaus: Die neue Firmenzentrale der Ziegler Group in Plößberg sticht aus der Umgebung heraus. Bild: Oliver Heinl
Wie ein überdimensionales Baumhaus: Die neue Firmenzentrale der Ziegler Group in Plößberg sticht aus der Umgebung heraus. Bild: Oliver Heinl

Das skulpturale Gebäude mit der einprägsamen Fassade im oberpfälzischen Plößberg fällt sofort ins Auge. Die neue Firmenzentrale der Ziegler Group ist eine Komposition aus wertvollem Handwerk, modernen Akzenten und überaus durchdachter Außen- und Innenraum-Planung. Gebaut aus dem Naturbaustoff Holz, der zur Ausrichtung des Unternehmens passt.

Harmonische Arbeitsatmosphäre

Dem voran ging ein umfassender Workshop, für den sich die beauftragten Architekten Brückner & Brückner aus Tirschenreuth und Würzburg zusammen mit der Geschäftsleitung der Ziegler Group rund sechs Monate Zeit nahmen. In intensiver Zusammenarbeit gestaltete man so die Idee für den neuen Büro- und Verwaltungskomplex bis ins Detail.

Die anspruchsvolle Bauaufgabe sollte als Ergebnis eine durch und durch harmonische Arbeitsatmosphäre entstehen lassen und die unterschiedlichen Funktionsbereiche verknüpfen und fördern.

Das ist gelungen. Die ausgefeilte Strategie ergibt heute ein wertvolles Mitarbeiterkonzept, das die gesamte Unternehmens-Kommunikation unterstützt und die attraktiv gestaltete Arbeitswelt der Ziegler Group zusätzlich aufwertet.

Im Sinne der Unternehmenskultur realisiert

Nach nur einem Jahr Bauzeit war das neue Arbeitsumfeld auf einer Bruttogeschossfläche von rund 3.660 Quadratmetern mit dem Projektnamen „Hohes Holz“ ganz im Sinne der Unternehmenskultur fertiggestellt. Am Hauptstandort stehen auf der Gebäudegrundfläche von rund 32 mal 32 Metern jetzt Büroräume für etwa 140 Verwaltungsmitarbeiter verschiedener Abteilungen zur Verfügung. Zusätzlich wurden vier Besprechungsräume unterschiedlicher Größe, ein Showroom sowie Belegschafts- und Gästekantine realisiert.

Die Errichtung des spannenden Bauwerks startete mit den Aushubarbeiten und dem Bau des Untergeschosses aus Betonfertigteilen. Im darauffolgenden Monat begann man mit den Holzbauarbeiten für die einzelnen Geschosse und parallel dazu mit dem geschossweisen Ausbau von Untergeschoss bis zu den oberen Stockwerken.

Geschälte Fichtenstämme als Fassade

Von außen beeindruckt das Gebäude durch seine ungewöhnliche Fassade, an der sich bis zu 19 Meter hohe, geschälte Fichtenstämme senkrecht im lichten Abstand von 30 bis 90 Zentimetern aneinanderreihen.

In enger Zusammenarbeit wählten die beteiligten Experten rund 200 Fassadenstämme aus. Diese hat man vor Ort in Eigenleistung gefällt und in traditioneller Weise händisch geschält. Die Fichtenbalken verkleiden die eigentliche Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Metall, Holz und großzügigen Glaselementen des Bauwerkes. Durch diese robuste Baumfassade mit rund 200 Stämmen, die sich vom Erdboden bis zum Dach stolz emporstrecken, entsteht der Eindruck eines überdimensionalen Baumhauses.

Grüne Oase als erholsamer Ausgleich

Über zwei integrierte und bepflanzte Innenhöfe und angrenzende Glasfronten gelangt viel Sonnenlicht ins Gebäudeinnere. Die Innenhöfe fungieren als grüne Oasen. Den Eingangshof schmückt eine steinerne Brunnenanlage mit Wasserspiel. Im zweiten Innenhof erheben sich Felsfindlinge in grüner Umgebung.

Die natürliche Beleuchtung erzeugt fortwährend unterschiedliche Lichtstimmungen. Eine attraktive Aussichtsplattform, die Loggia, gewährt den Panoramablick über das gesamte Sägewerk und den Rundholzplatz.

Das Herz des Hauses aber ist die zentrale hölzerne Spindeltreppe mit konisch zulaufender Mittelspindel – angeknüpft an die zentralen Kaffeestationen für den internen Austausch und kreative Meetings. Ein optisch besonders attraktives Highlight sind die durch das Holzbauunternehmen ausgeführten kreisrunden gesägten Lichtöffnungen in der Massivholzdachdecke.

Wärmeversorgung – natürlich mit Holz

Passend zum Werkstoff Holz ist die Wärmeversorgung des Bauwerks durch eine zentrale Hackschnitzel-Heizanlage gewährleistet. Im Sommer wird das Gebäude durch eine Absorptionskältemaschine gekühlt. Über in Decken eingebaute und durch Gitter abgedeckte Kanäle wurden Unterflurkonvektoren eingesetzt, die im gleichen Maße für Beheizung und Kühlung sorgen. Die Versorgung mit Frischluft in den einzelnen Stockwerken wird durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ermöglicht, die in den warmen Monaten auch zur gesteigerten Kühlung der Räume beiträgt. Zusätzlichen Schatten spendet ein Textilsonnenschutz.

Innenausbau durchgängig aus Holz

Auch im Innenausbau setzte man durchgängig auf Holz. An den Decken zeigen vertikal angeordnete Leisten von unterschiedlichen Längen und Formaten, die als Beleuchtungsebene dienen, die Vielfältigkeit der Holzmaserungen. Die Kaffeestationen hat man in das offene Raumkonzept eingebunden und optisch ansprechend in Brettstapel gerahmt. Auch an den Sichtbetonwänden der beiden Fluchttreppenhäuser wurden gebürstete Schalungsbretter aus dem Hause Ziegler angebracht. Die dazugehörigen Treppen sind durchgehend aus Holz gefertigt. Mit einprägsamen Formen, natürlichen Materialien und qualitätsbewusstem Handwerk erzeugte man so eine einzigartige Atmosphäre.

ISO-zertifiziertes Energiemanagement

Das Unternehmen Ziegler Group verarbeitet jährlich eine beachtliche Menge von rund 2,2 Millionen Festmeter Holzeinschnitt. Dabei fällt auch Restholz an, das Ziegler als Energieträger nutzt. Dafür haben die Verantwortlichen ein ISO-zertifiziertes Energiemanagement etabliert. Man nutzt Rinden als Brennstoff und verbraucht dabei möglichst wenig Energie.

Alle Nebenprodukte aus dem Sägewerk führt man einer sinnvollen Weiternutzung zu. Anfallende Hackschnitzel verwandelt man in Holzfaser-Dämmplatten, die Sägespäne werden zu Pellets und Rinden zu Rindenmulch verarbeitet. Sämtliche dann noch bleibenden Restholzprodukte verwendet man schließlich zum Heizen von zwei firmeneigenen Heizwerken und einem Biomasseheizkraftwerk. Diese wandeln den Rohstoff in Wärme und Strom um.

Holzabfälle werden energieeffizient genutzt

Doch es gibt nach der thermischen Verwertung noch einen weiteren cleveren Einsatz: Die gesamte Abwärme aus dem Heizkraftwerk nutzt man über ein betriebsinternes Wärmenetz sinnvoll für den Holztrocknungs-vorgang in 26 Trockenkammern und zwei Trockenkanälen. Vorrangig werden Weichhölzer, rund 80 Prozent Fichte und 20 Prozent Kiefer, verarbeitet. Durch den quasi hauseigenen Rohstoff können 100 Prozent der benötigten Heizenergie des Standorts in Plößberg aus Holzabfällen der eigenen Produktion erzeugt werden.

Ökostrom und Energiemanagement

Alle Schritte gehen darüber hinaus weiterhin in Richtung Unabhängigkeit und Umweltverträglichkeit: Der Werksverkehr im Sägewerk selbst wird sukzessive auf E-Mobilität umgestellt und mit Ökostrom aus Eigenerzeugung betrieben. Auf diese Weise arbeitet das Unternehmen stets weiter an seinem Beitrag zum Klimaschutz.

Das Ergebnis ist ein imponierendes Bauwerk, das ein fundiertes Know-how aller Beteiligten benötigte und für das Unternehmen neben der ansprechenden Optik eine dauerhaft technisch herausragende Firmenzentrale darstellt.

Energiemanagement und Ressourcenschonung

Energiemanagementsystem nach DIN ISO 50001 an mehreren Standorten:Nachweis der jährlichen Verbesserung der Energieleistungskennzahlen

Permanente Überwachung der Energieverbräuche aller Werke bzw. Anlagen

Sukzessive Umrüstung auf E-Mobilität, v.a. im Bereich Verladung und Pkw

Sukzessive Umrüstung von herkömmlicher Beleuchtung auf LED (größte Werke und Außenstrahler bereits komplett umgerüstet)

Fokus auf erneuerbare Energien: Erzeugung von Strom und Wärme durch Biomasse und Photovoltaik

Ständige vorbeugende Wartung durch umfassende Prüfungen von elektrischen Anlagen und Druckluftleitungen, z.B. durch Thermografie und Einsatz von Leckage-Ortungsgeräten

Kreislaufwirtschaft: keine Abfallprodukte, alles wiederverwertbar bzw. weiterbearbeitbar

Ressourcen: nur Einschnitt von zertifiziertem Holz mit garantierter Wiederaufforstung

Verkehr: Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene; Betrieb von zwei intermodalen Termina

Standort: Zur Betzenmühle 1, Plößberg

Bauherr: Ziegler Group, Plößberg

Bauphase: von September 2018 (Start Betonbau/Kellerbau), April 2019 (Start Holzbau/Ausbau) bis Februar 2020 (Einzug)

Bauweise: Holzskelettbau mit vorgehängter Glasfassade

Architektur: Brückner & Brückner Architekten GmbH, Tirschenreuth und Würzburg

Baumstamm-Fassade und Holzbau: Riedl Holzbau GmbH & Co. KG, Waldthurn

Fachplaner Tragwerk: Ingenieurbüro Bodensteiner & Partner GbR, Weiden i.d.Opf.

Eva Mittner

Eva Mittner
freie Journalistin
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Artikel Ein Baumhaus als Firmenzentrale
Seite 45
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