Medienversorgung

Glasfaser im Hausnetz

15.08.2017
Dünne, bunte Drähte in einer Hand: Glasfaserkabel zur Medienversorgung.
Extrem dünn und enorm leistungsfähig: Glasfaserkabel transportieren Daten annähernd in Lichtgeschwindigkeit. FOTO: M-Net

Für 2018 gilt die Zielsetzung der Bundesregierung, dass allen Haushalten Breitbandanschlüsse von 50 Mbit/s (Downstream) zur Verfügung stehen. Prognosen sehen mittelfristig einen Bedarf von 1 Gbit/s. Zu unserem Artikel "Die Gigabit-Gesellschaft" aus der IVV August lesen Sie hier Hintergrundinfos zur Glasfasertechnik im Hausnetz - für rundum interessierte Vermieter.

Die bisher in Hausnetzen üblichen Leitungen mit verdrillten Kupfer-Doppeladern oder Koaxialleitungen übertragen elektrische Signale. Sie sind durch eine von der Leitungslänge abhängige Dämpfung der zu übertragenden Signale und eine begrenzte Bandbreite (= Bitrate) gekennzeichnet. Bei Leitungen mit Glasfasern wird dagegen mit optischen Signalen gearbeitet, also Licht für die Übertragung verwendet. Deshalb werden Glasfasern auch als Lichtwellenleiter (LWL) bezeichnet. Bei diesem Konzept ist die von der Leitungslänge abhängige Dämpfung gegenüber der von elektrischen Leitungen signifikant kleiner, so dass sie in Hausnetzen vernachlässigt werden kann. Außerdem ist die Bandbreite systembedingt erheblich größer, sie liegt nämlich im Gbit/s-Bereich.

Glasfaser-Netze weisen gegenüber Netzen mit elektrischen Leitungen außerdem folgende Vorteile auf:

√ Glasfaser-Netze in Gebäuden lassen sich stets als passive optische Netze (PON) realisieren, benötigen also für die Verteilung der Signale keine aktiven Baugruppen (wie Verstärker) und deshalb auch keine Stromversorgung.

√ Bedingt durch die geringeren Leitungsdurchmesser können Glasfaserleitungen einfacher verlegt werden.

√ Glasfasern weisen funktionsbedingt keine Probleme mit der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) auf. Es gibt nämlich weder störende Abstrahlungen, noch können Einstrahlungen zu Funktionsstörungen führen.

√ Bei der Glasfaser können gleichzeitig mehrere Wellenlängenbereiche genutzt werden, so dass für jede Wohneinheit im Prinzip ein individueller Anschluss möglich ist.

√ Mit einer Glasfaser können über ein PON Wohneinheiten im dreistelligen Bereich versorgt werden.

Bitraten im dreistelligen Gbit/s-Bereich

Die Glasfaser ist die derzeit leistungsfähigste Technologie für den leitungsgeführten Transport digitaler Signale, mit der inzwischen Bitraten bis in den dreistelligen Gbit/s-Bereich erreicht werden können. Die den Mietern tatsächlich verfügbaren Bitraten hängen von den Anbietern der Inhalte (z.B. Programme) bzw. der Internet-Übertragungskapazitäten (für Downstream und Upstream) ab.

Netze der Informations- und Kommunikationstechnik waren früher stets mit elektrischen Leitungen aufgebaut. Um die Leistungsfähigkeit dieser Infrastrukturen zu verbessern, wurde der schrittweise Ersatz der elektrischen Leitungen durch Glasfasern begonnen und dafür der Begriff „hybride Netze“ geprägt. Bei den üblichen Kabelnetzen liegt dabei eine Kombination aus Glasfasern und Koaxleitungen vor, was zu der Bezeichnung HFC [hybrid fibre coax] führt.

FTTX-Netzwerke bringen die schnelle Glasfaser-Leitung bis ins Haus oder die Wohnung

In der Praxis beginnt der Glasfasereinsatz am Einspeisepunkt des jeweiligen Netzes. Der Übergang auf die vorhandene elektrische Infrastruktur kann grundsätzlich an beliebigen Stellen erfolgen, was durch die allgemeine Bezeichnung FTTX [fibre to the place X] berücksichtigt wird. Die Auswahl der Lage dieser Stelle trifft jeder Netzbetreiber nach wirtschaftlichen Aspekten im Rahmen seines Geschäftsmodells. Es gibt derzeit folgende Varianten der Heranführung der Glasfaser in Richtung der Netzanschlüsse bei den Mietern:

  • FTTC [fibre to the curb]: Dabei wird die Glasfaser bis zu einer Verteilstelle am Straßenrand [curb] geführt. Ein Beispiel sind die Kabelverzweiger von DSL-Netzen.
  • FTTB [fibre to the building]: Dabei wird die Glasfaser bis zum Gebäude geführt. Sie speist dort den Hausübergabepunkt (HÜP).
  • FTTH [fibre to the home]: Dabei wird die Glasfaser bis zu jeder Wohnung im Gebäude geführt. Sie speist dort den Wohnungsübergabepunkt (WÜP).

Hinweis:  Für die drei vorstehenden Abkürzungen wird auch die Schreibweise FttC, FttB und FttH verwendet.    

Neue Netze werden nur noch als FTTH geplant und errichtet, weil dann das gesamte Netz die leistungsfähige Glasfaser aufweist.

Die Verbindungen vom WÜP zu den Endgeräten (TV-Gerät, Kabelmodem/Router, Computer, ...) erfolgen als „letzte Meile“ bisher noch über elektrische Leitungen, weil es noch keine Endgeräte gibt, die für den direkten Anschluss von Glasfasern ausgelegt sind. Es würde sich dann um FTTD [fibre to the device] handeln. 

Autor: Ulrich Freyer, Dipl. Nachrichtentechnik

Über die Vorteile der Umstellung von Koax auf Glasfaser lesen Sie in dem Artikel
"Warum Glasfaser im Hausnetz? Die Gigabit-Gesellschaft"
IVV immobilien vermieten & verwalten, Ausgabe August 2017, S. 40-41

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aus: IVV Ausgabe 08/2017

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