Die guten Seelen im Haus

Concierge-Dienste erfreuen sich großer Beliebtheit – bei Mietern und Vermietern gleichermaßen. Denn sie kümmern sich darum, dass viele Probleme erst gar nicht entstehen.

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Wer den Eingang des Hochhauses betritt passiert die Concierge-Loge und wird gesehen; Foto: GEWOBA AG
Wer den Eingang des Hochhauses betritt passiert die Concierge-Loge und wird gesehen; Foto: GEWOBA AG

"Bei uns gleicht kein Tag dem anderen“, sagt Evelin Lorenz. Die 48-Jährige arbeitet als Concierge für die Mieter der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892. Seit zehn Jahren ist sie dabei. Und damit von Anfang an. Ihr Einsatzgebiet, das sie zusammen mit ihrem Kollegen Manfred Wust betreut: Das Tempelhofer Wohngebiet rund um Attila- und Tankredstraße. Die gelernte Hotelfachfrau redet schnell und zackig – Zeit ist kostbar und es gibt immer viel zu tun: Briefkästen entleeren, einkaufen gehen, Mieter bei Behördengängen unterstützen, gemeinsame Mieterausflüge organisieren …. „Unser Service wird sehr gut angenommen“, sagt sie. „Die Bewohner haben jede Menge Anliegen und wir jede Menge zu tun. Gut so“, fügt sie noch hinzu. Eigentlich gebe es ja auch fast nichts, worum sich die beiden nicht kümmern. „Da kam zum Beispiel kürzlich dieser junge Mann aufgeregt in unser Büro: Seine Freundin hätte für heute Abend ihren Besuch angekündigt – der Kühlschrank sei aber leer, das Bett nicht frisch bezogen und er müsse jetzt dringend zur Arbeit. Da hat er mir kurzerhand einen Schein in die Hand gedrückt und gemeint: Kaufen Sie aber unbedingt leckere Sachen ein.“

Es sei dieses Vertrauensverhältnis, das die Concierges ausmache, sagt Manuela Baumert von der Gilde Heimbau, die diese Dienstleistung für die Berliner Genossenschaft anbietet. „Sie schaffen es, ein Wir-Gefühl im Quartier zu erzeugen.“ Dass es damit nicht dieses Maß an Gleichgültigkeit wie anderswo in der Großstadt gebe, sei mehr als nur ein angenehmer Nebeneffekt. „In den Wohngebieten wird aufeinander geachtet, das ist gut für das gemeinsame Wohnklima“, fügt sie noch hinzu. Die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 betreibt vier Concierge-Dienste in ihren Wohngebieten Tempelhof, Charlottenburg, Wedding und Spandau. Zentral in ehemaligen Ladengeschäften gelegen, stehen sie allen Genossenschaftsmitgliedern zur Verfügung. Ansprechbar sind die Allround-Dienstleister an den Wochentagen von 8.00 bis 12.00 sowie von 13.00 bis 18.00 Uhr. Ihre Angebote sind auf die Bewohner zugeschnitten und für diese kostenfrei. „Ab 600 Bewohner rechnet sich ein Concierge für die Genossenschaft, ab 1.000 Bewohner gibt es diesen Service im Doppelpack mit zwei Ansprechpartnern“, sagt Manuela Baumert.

Der Nachbar in Fahrenheide

Auch die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover (GBH) hat gute Erfahrungen mit ihrem Concierge-Service gemacht, der im ehemaligen Sanierungsgebiet Hannover-Fahrenheide für einen zusammenhängenden Gebäudekomplex von sieben Häusern mit 80 Wohnungen zuständig ist.

Ursula Schroers, Geschäftsstellenleiterin bei der GBH sagt, dass das Unternehmen viel Geld in die energetische Sanierung dieses Areals investiert habe. „Der Concierge wurde nach Abschluss der Modernisierungen eingerichtet, um vor Ort ein Auge auf Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit zu haben.“ Von der im Eingangsbereich eines der Häuser eingerichteten Glas-Loge aus sieht der Concierge wie in einem Panoptikum, wer das Gebäude betritt und hat gleichzeitig vier weitere Hauseingänge sowie einen belebten Platz im Blick. Die anderen Hauseingänge werden bei Rundgängen aufgesucht. „Dank unserer sehr engagierten Concierges ist es gelungen, dass das Wohnquartier ansehnlich geblieben und sicherer geworden ist“, freut sich die GHB-Geschäftsstellenleiterin.

Bei der GBH übernehmen die Concierges, die bei einem Tochterunternehmen angestellt sind, die Aufgaben von Hausmeistern. Die Mieter zahlen dafür einen geringen Anteil im Rahmen ihrer Betriebskosten. Die angebotenen klassischen Concierge-Dienstleistungen werden laut Ursula Schroers in Hannover-Fahrenheide nicht abgefragt.

Mobil unterwegs in Osterholz-Tenever

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schreibt vor, dass zu Prozessen, bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, der Verantwortliche Verfahrensverzeichnis führen muss. Insbesondere bei einer Prüfung durch die Datenschutzbehörden muss der Verantwortliche...

Als deutschlandweiter Pionier in Sachen Concierges sieht sich die GEWOBA AG Wohnen und Bauen Bremen. „Wir haben bereits vor 20 Jahren damit begonnen“, sagt Ralf Schumann, Leiter des Geschäftsbereiches Ost/West bei der GEWOBA. Und zwar in der Großwohnsiedlung Osterholz-Tenever – einem ehemals stark problembehafteten Hochhaus-Areal. In den Hausfluren stank es nach Dreck, vor den Häusern türmte sich der Sperrmüll oft wochenlang, der Vandalismus blühte und viele Bewohner trauten sich nach Einbruch der Dämmerung nicht mehr aus dem Haus. „Tenever war unsere traurige Berühmtheit“, so Schuster. Nach der Sanierung hat das Unternehmen in den Eingangsbereichen der beiden Hochhäuser – einem 21-Geschosser und einem 17-Geschosser mit jeweils mehr als 100 Wohnungen – einen festen Concierge-Dienst eingerichtet. Auch die anderen sieben Concierges haben ihre Logen, sind aber für mehrere Hauseingänge zuständig und deshalb viel mobil unterwegs. „Hier arbeiten wir gleichzeitig mit Videoüberwachungen“, sagt Schumann. Nicht ohne Stolz zählt er die positiven Auswirkungen ihres unermüdlichen Einsatzes in Osterholz-Tenever auf: die Auflösung der Anonymität, die gestiegene Sauberkeit, das Sicherheitsgefühl der Mieter sind nur einige Beispiele. Auch die gebotenen Dienstleistungen – von der Paketannahme bis zur Schlüsselverwaltung – werden gern in Anspruch genommen. „Für die Mieter sind sie kostenfrei“, sagt Schumann. Und: Dass es den enormen Leerstand in den Hochhäusern, der 2003 bei 50 Prozent lag, heute nicht mehr gibt.

Unverzichtbar auch in Frankfurt (Oder)

Im Hochhaus Moskauer Straße 8, einem 16-Geschosser aus dem Baujahr 1972, wohnen überwiegend ältere Menschen. „Wir haben das Gebäude mit seinen rund 80 Wohnungen 2011 seniorenfreundlich modernisiert“, berichtet Marina Ansorge, Assistentin der Geschäftsführung der Wohnungswirtschaft Frankfurt (Oder) GmbH. Seither gibt es dort auch einen Concierge-Dienst, der auf Initiative der Wohnungswirtschaft etabliert wurde, deren Leistungen aber von einem Partnerunternehmen übernommen werden. Die Aufgaben sind vielfältig, zumal der Concierge – ein Ehepaar, das im selben Haus wohnt – gleichzeitig als Hausmeister fungiert. Die beiden kümmern sich unter anderem um die Post, verwalten die Schlüssel für die Gästewohnung und haben deren Sauberkeit im Blick. Wer als Mieter individuelle Leistungen in Anspruch nehmen möchte, schließt einen Servicevertrag mit dem Dienstleister ab und bezahlt dafür einen monatlichen Beitrag. Für Marina Ansorge lebt ein Concierge immer auch von den Menschen, die dahinter stehen. „Unser Concierge-Ehepaar ist die gute Seele im Haus – und zwar für ziemlich viele Lebenslagen.“

Dr. Kathleen Köhler

Redaktion (allg.)

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