So bleibt genossenschaftliches Wohnen attraktiv

Serielle Sanierung schafft neue Räume

Genossenschaftliches Wohnen 2.0: Wie das aussehen kann, zeigt die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen mit dem Projekt “Badwiesen 2030”. Aufgrund seines Vorbildcharakters ist das Projekt Teil der Internationalen Bauausstellung, die 2027 in Stuttgart stattfindet.

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Ein Wohnquartier in Transformation: Im Vordergrund die Baustelle für Sanierung und Nachverdichtung; im Hintergrund die unsanierten Bestandsgebäude. Bild: Claudius Pflug
Ein Wohnquartier in Transformation: Im Vordergrund die Baustelle für Sanierung und Nachverdichtung; im Hintergrund die unsanierten Bestandsgebäude. Bild: Claudius Pflug

Das Projekt „Badwiesen 2030“ umfasst acht Mehrfamilienhäuser aus den 60er Jahren. Sie werden in den nächsten zehn Jahren seriell saniert, aufgestockt, nachverdichtet und zu einem nachhaltigen Quartier mit hohem Wohlfühlfaktor weiterentwickelt. Damit zeigt die Kreisbaugemeinschaft in Kirchheim-Plochingen, was die gemeinnützige Wohnungswirtschaft in der Quartiersentwicklung leisten kann.

Genossenschaften als Innovationstreiber

Die 2.000 Wohnungsgenossenschaften in Deutschland sind eine tragende Säule für bezahlbaren Wohnraum, nachhaltige Stadtentwicklung und soziale Integration. Rund 5 Millionen Menschen leben in 2,2 Mio. Genossenschaftswohnungen zu einem Mietpreis, der deutlich unter dem bundesweiten Mietniveau liegt. Umso erstaunlicher ist es, dass Wohnungsgenossenschaften innovativen Lösungen gegenüber besonders aufgeschlossen sind und innerhalb der Branche häufig mit gutem Beispiel und hohen Investitionen vorangehen. So auch die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen, die mit dem Projekt Badwiesen 2030 die bislang größte serielle Sanierungsinvestition einer Genossenschaft in Deutschland umsetzt. „Die Badwiesen sind unser Real-Labor für nachhaltiges und klimaneutrales urbanes Leben und Wohnen. Wir haben in dieses Bauvorhaben ziemlich alles gepackt, was zukunftsweisend ist“, erklärt Vorstand Bernd Weiler.

Serielle Sanierung bringt Bestand auf Neubauniveau

1966 errichtete die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen in unmittelbarer Nähe zum Kirchheimer Bahnhof ein Quartier mit 192 Genossenschaftswohnungen, verteilt auf acht Zeilenbauten. Die Bestandsgebäude bilden den Kern des Projekts Badweisen 2030. Sie werden in vier Bauabschnitten seriell saniert, modernisiert und nachverdichtet. Die 60 Jahre alten Mehrfamilienhäuser erhalten eine neue Gebäudehülle in Holzrahmenbauweise, die im Werk vorgefertigt wird und auf der Baustelle montiert werden muss. Nach der seriellen Sanierung sind die Gebäude auf Energieeffizienzstandard 55, der CO2-Ausstoß sinkt um 90 Prozent. Aufgrund der kurzen Bauzeit und der minimalen Beeinträchtigung der Bewohnenden werden serielle Sanierungen in der Regel in bewohntem Zustand durchgeführt. In Kirchheim ist dies nicht möglich, weil im Zuge der Sanierung auch Änderungen der Grundrisse und Maßnahmen zur Erhöhung des Wohnkomforts umgesetzt werden: So erhalten die Wohnungen offene Wohn- und Essbereiche und werden mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Um die serielle Sanierung zu erleichtern, wurden die Balkone geschlossen und erweitern nun die Wohnfläche. Neue aufgeständerte Balkone werden nach der Sanierung die alten ersetzen. Durch Aufstockung der Bestandsgebäude in Holzbauweise entstehen 48 zusätzliche Wohnungen mit 3.500 m² Wohnfläche.

Nachverdichtung schafft 60 Prozent mehr Wohnraum

Zwischen den zickzackförmig angeordneten Bestandsbauten werden fünf Neubauten in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet. Durch Aufstockung und Neubau entsteht auf diese Weise 60 Prozent mehr Wohnraum – ohne zusätzliche Flächen versiegeln zu müssen. Um den Anforderungen einer immer älter werdenden Gesellschaft Rechnung zu tragen, sind alle Wohnungen in den Neubauten barrierefrei. Eine ambulante Pflegestation ermöglicht älteren Menschen, möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden leben zu können. Außerdem wird es Platz für alternative Wohnformen und Gästeappartements geben. Gemeinschaft wird bei der Quartiersentwicklung großgeschrieben. In den Badwiesen 2030 soll man miteinander wohnen, nicht nebeneinander. Die fünf gemeinsamen Innenhöfe, um die sich jeweils zwei Bestandsbauten und ein Neubau gruppieren, sind Begegnungsorte, an denen alte und neue Nachbarn miteinander ins Gespräch kommen und sich ungezwungen kennenlernen können. Ein Quartiersbüro, ein Waschcafé sowie eine Fahrradstation stehen allen Bewohnerrinnen und Bewohnern zur Verfügung und fördern das nachbarschaftliche Miteinander. Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, wird das Quartier komplett durchgrünt. Eine neue Tiefgarage ersetzt die bisherigen Garagen und Stellplätze. Zusätzlich wird es ein Carsharing-Angebot sowie E-Bikes und E-Lastenräder für die gemeinschaftliche Nutzung geben.

Energieautark durch Abwärme und Sonnenlicht

Die für das Quartier erforderliche Energie wird ausschließlich über regenerative Quellen erzeugt. Eine Abwasserwärmepumpe nutzt die im Abwasser des benachbarten Klärwerks enthaltene Wärme als Energiequelle, um die 13 Gebäude zu heizen und im Sommer zu kühlen. „Unseres Wissens sind wir hier mit dem innovativen Abwasserwärmekonzept Vorreiter unter den deutschen Wohnungsgenossenschaften“, betont Stephan Schmitzer, Technischer Vorstand der Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen. Da alle Wohnungen mit Fußbodenheizungen ausgestattet sind, die geringe Vorlauftemperaturen ermöglichen, können die Wärmepumpen sehr hohe Jahresarbeitszahlen von über 5,0 erreichen. Die verfügbare Dachfläche wird zu 60 Prozent mit Photovoltaikanlagen belegt. Die selbst erzeugte Solarenergie wird für die Wärmepumpe, Warmwassererzeugung, Gebäudetechnik und günstigen Mieterstrom genutzt. Stromspeicher ermöglichen es, die solaren Erträge zeitversetzt zu nutzen. Der komplette Energiebedarf des Quartiers wird durch Abwasserwärme und Solarstrom abgedeckt. Es ist somit bilanziell energieautark.

Quelle: Deutsche Energie Agentur GmbH

Redaktion (allg.)

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Artikel Serielle Sanierung schafft neue Räume
Seite 30 bis 31
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