IVV-Forum „Solarer Eisspeicher“ auf der bautec
Mit gefrierendem Wasser Gebäude zu beheizen, das erscheint paradox. Wie überhaupt die Nutzung eines Trinkwasserspeichers als Wärmequelle - bei Temperaturen von maximal 15° C - ein Konzept ist, das gedanklich „gegen den Strich“ bürstet. Aber wie auf allen Veranstaltungen präsentierte die IVV-Redaktion nicht graue Theorie sondern konkrete Bauherren-Projekte.
Die derzeit größte Anlage der Welt
Joachim Bode, Vorstand der Eisenbahnbauverein eG Hamburg-Harburg, berichtete von der bevorstehenden Inbetriebnahme der weltweit größten Eisspeicherheizung. Eine Geschossbausiedlung aus den 1950er Jahren mit 28 Gebäuden und 483 Wohnungen wird zukünftig von einer Gas-Wärmepumpe beheizt. Als Wärmequelle und Speicher für Umweltwärme dient ein Betonspeicher mit einem Fassungsvermögen von 1,6 Mio. l Trinkwasser. Der nicht wärmeisolierte Betonspeicher liegt direkt unter der Grasnarbe zwischen den Gebäuden. Sondenbohrungen sind nicht erforderlich, daher sind auch keine behördlichen Genehmigungen einzuholen. Im Sommerhalbjahr wird über solarthermische Anlagen auf den Dächern sowohl direkte Sonnenwärme als auch Wärme aus der Umgebungsluft gewonnen und im Trinkwasserspeicher eingelagert. Zusätzlich wandert Erdwärme in den nicht isolierten Betonspeicher. In der kalten Jahreszeit entzieht die Wärmepumpe dem Speicher Wärme für die Beheizung der Wohnungen. Wenn das abkühlende Speicherwasser schließlich gefriert, werden zusätzlich große Mengen sogenannter Latenzwärme oder Kristallisationswärme frei.
Genossenschaftsvorstand Joachim Bode stellte die Vorteile des Heizsystems heraus: Für die Mieter werden sich die Heizkosten um 50 % reduzieren, die Genossenschaft erziele durch die regenerative Technik einen beträchtlichen Imagegewinn und die Umwelt profitiere von einer CO2-Einsparung. „Obwohl wir die Gebäudehüllen nicht anfassen, reduzieren wir den Jahresendenergiebedarf auf unter 90 kWh/m2“, so Joachim Bode. Die CO2-Ersparnis betrage jährlich 1.200 t.
Das Gebäude als Wärmekollektor
Das zweite Projektbeispiel des IVV-Forums ist ein Gewerbebau, das vom Referenten Dr. Eckhard Jantzen vorgestellt wurde. Jantzen ist Geschäftsführer der GALAB GmbH in Hamburg-Bergedorf, eines Laborbetriebs für Lebensmittelkontrolle. Seit Mitte Januar arbeiten die 120 Mitarbeiter in einem Neubau mit einer Nutzfläche von 4.500 m2, die sich über drei Etagen verteilen. Hier ist ein 1,2 Mio. l großer Eisspeicher unter dem Firmenparkplatz das Herzstück eines Energiemanagementsystems zum Heizen und Kühlen des Gewerbebetriebes. Als Wärmekollektor für den Speicher dient das Gebäude, in dem durch Server und Laborgeräte enorme Wärmemengen entstehen, die abgeführt werden müssen. Eine stromfressende Klimaanlage gibt es in dem Gebäude nicht. Eine Wärmepumpe transportiert die überschüssige Wärme in den Eisspeicher. Referent Jantzen rechnete auf die IVV-Forum vor, dass sich die Mehrkosten für die Kombination aus Eisspeicher und Wärmepumpe nach 10 Jahren amortisieren. Die jährlichen Energiekosten für Strom und Gas sind mit 18.000 € berechnet; beim Einsatz einer Klimaanlage und einer herkömmlichen Gasheizung würden Kosten von 43.000 € pro Jahr entstehen - Zahlen, die auf der Annahme basieren, dass die Energiekosten nicht steigen.
Fazit des IVV-Forums
Durch die Kombination von Wärmepumpe und solarem Eisspeicher lassen sich mehrere Formen von regenerativer Umweltwärme nutzen und über Monate speichern. Auf Quartiersebene stellt der Eisspeicher das Zentrum eines neuen Energiemanagements dar. Gebäude mit hohen Wärmelasten können gekühlt werden, benachbarte Gebäude, die Energie benötigen, können gewärmt werden.











