Immobiliennacht des BFW Niedersachsen/Bremen

Schneller bauen – Was wir von den Niederlanden lernen können

Von seinen europäischen Nachbarländern kann Deutschland für den schnellen und günstigen Wohnungsbau einiges lernen – das wurde bei der 7. nordwestdeutschen Immobiliennacht des BFW Niedersachsen/Bremen deutlich. Die Entschlackung der Bürokratie und die Digitalisierung standen im Mittelpunkt der Diskussion.

Sie wollen Baurecht light nach niederländischer Art. Foto: BFW Nds./Br.
Sie wollen Baurecht light nach niederländischer Art. Foto: BFW Nds./Br.

„Wir haben derzeit alle gut zu tun und können positiv in die Zukunft blicken. Man könnte daher die Frage stellen, ob wir nichts Besseres zu tun haben, als nach Europa zu schauen.“ Mit diesen Worten eröffnete Dirk Streicher, Vorstandsvorsitzender des BFW-Landesverbandes die diesjährige Immobiliennacht. „In Deutschland bauen wir Qualität und theoretisch wissen wir auch, wie man schneller und günstiger bauen kann. Nur manchmal verwalten wir mehr, als dass wir gestalten – welches Haus braucht denn schon wirklich einen Sonnenschutz auf der Nordseite?“, gab er als Denkanstoß mit in den Abend und führte vorweg an: „Ich bin gespannt, was wir hinsichtlich der Prozesse und Regulierungen noch von unseren europäischen Nachbarn lernen können.”

Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich?

Welche Position Deutschland im Vergleich des europäischen Wohnungsbaus einnimmt, erörterte Andreas Schulten von der bulwiengesa AG im ersten Impulsvortrag des Abends. Die von ihm angeführten Statistiken des europäischen Statistikamtes EUROSTAT zeigten beispielsweise: In Sachen Wohnungsfertigstellungen liegt Deutschland im europäischen Durchschnitt, die Niederlande und Dänemark darüber. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Deutschland im Vergleich zu den Nachbarländern in den vergangenen Jahren im Hinblick auf die Einwohnerzahl am langsamsten gewachsen ist und so kein Wachstumsdruck vorlag, den es zu bewältigen galt. Diesbezüglich gab Schulten zu bedenken, dass Modelle aus anderen Ländern aufgrund unterschiedlicher Größenordnungen nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar seien. Dennoch lohne es sich in seinen Augen, sich in einzelnen Punkten von unseren europäischen Nachbarn inspirieren zu lassen.

Ein Blick in die Niederlande

Wie ein Entschlackungsprozess des Baurechts 2010 in den Niederlanden Einzug hielt und dort zu deutlich schnellerem sowie günstigerem Bauen führte, erläuterte Han Joosten von der BPD Immobilienentwicklung GmbH. Seine Empfehlungen für Deutschland: Reduzierung der Vorschriften, Investition in Digitalisierung, Senkung von Baunebenkosten und die Regelung von Bauordnungen auf Bundes- statt auf Länderebene.

Entschlackung, Mentalitätswandel und Digitalisierung

Im Rahmen der Talkrunde wurde die Übertragbarkeit europäischer Konzepte in Deutschland von den Referenten beleuchtet. Neben ihnen diskutierten: Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverbandes, Carsten Hettwer, Stadtbaurat Langenhagen, und Carsten Meyer-Heder, CDU-Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl Bremen. Erörtert wurde hierbei unter anderem die Tatsache, dass Bauträger in anderen Ländern wie den Niederlanden aktiv in Bauprojekte einbezogen werden, während man sie in Deutschland nicht selten als Gegenspieler betrachte. Andreas Ibel unterstrich, man müsse partnerschaftlich zusammenarbeiten, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und auch Hettwer erläuterte: „Vertrauen und ein transparenter Umgang mit allen Beteiligten – das sind die Punkte, die uns ans Ziel bringen.“

Auch ein erforderlicher Mentalitätswandel, die Entschlackung von Prozessen und der notwendige digitale Durchbruch waren Schlagworte, die im Hinblick auf die Beschleunigung von Bauprozessen und die Senkung von Baukosten immer wieder aufkamen. Einig waren sich schließlich alle Beteiligten der Talkrunde, dass es Deutschland auch in fünf Jahren nicht gelingen werde, 20 Prozent mehr Wohnungen zu bauen. Nur Joosten gibt die Hoffnung nicht auf: „Wohnungen werden gebraucht, also sind die Bürger gezwungen, Druck auf die Politik auszuüben und werden dies auch tun. Die Deutschen sollten mehr in Lösungen denken und nicht in Problemen.“

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