Stadtentwicklung und grüne Flächennutzung

Studierende mit guten Ideen zum urbanen Grün

Das Bauministerium hat Studierende für intelligente Lösungen zum urbanen Grün in wachsenden Städten ausgezeichnet. Sie hatten sich der Frage gestellt: Wie lassen sich grüne Flächen verwirklichen angesichts knapper Budgets und Wohnungsbau?

Die Preisverleihung fand im Rahmen des 2. Bundeskongresses "Grün in der Stadt – für eine lebenswerte Zukunft" des BMUB in Essen statt. FOTO: MILENA SCLOESSER
Die Preisverleihung fand im Rahmen des 2. Bundeskongresses "Grün in der Stadt – für eine lebenswerte Zukunft" des BMUB in Essen statt. FOTO: MILENA SCLOESSER

An dem vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ausgelobten Wettbewerb „Zukunftsbilder einer grünen Stadt – Grün auf engem Raum“ hatten sich 257 Studierende aus 27 Hochschulen beteiligt.

Aufgabe des Wettbewerbs war es, am Beispiel dreier Berliner Kieze innovative und neue Ansätze zu erarbeiten, wie grüne Flächennutzung sich mit aktuellen Anforderungen an die Stadtentwicklung, beispielsweise durch Wohnungsbau oder knappe Budgets der Grünflächenämter, vereinbaren lässt. Zur Auswahl standen folgende drei Kieze: Die Altstadt von Spandau, im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf das Gebiet um die Kaiser-Friedrich-Straße/Stuttgarter Platz und im Bezirk Lichtenberg das Gebiet Ruschestraße/Frankfurter Allee Süd.

Für die zweite Wettbewerbsstufe wurden aus 114 Einreichungen die 30 besten Beiträge ausgewählt. Aus den abschließend 28 eingereichten Beiträgen wurden von einer unabhängigen Jury drei Preisträgerinnen und Preisträger ermittelt, die ein Preisgeld von jeweils 3.000 Euro erhalten. Drei weitere Studierende dürfen sich über eine Würdigung und jeweils 500 Euro freuen.

Gewinnerinnen und Gewinner

A Raindrops Journey (Entwurfsgebiet: Altstadt Spandau)
Tobias Guggenberger, Technische Universität Berlin, Master Landschaftsarchitektur
Mit Fassaden- und Hofbegrünung, Regenwassermanagement und Vegetationsbewässerung verfolgt die Arbeit eine aktuelle Themensetzung. Die Doppelnutzung des Regenwassers zur Rückhaltung und als Pflanzenstandort ist als besonders innovativ hervorzuheben. Ebenso die Verknüpfung von Regenwassermanagement, Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und Biodiversität. Damit greift der Entwurf Klimaprobleme von Städten auf. Die Arbeit besticht durch eine sehr klare und professionelle Darstellung auf allen Maßstabsebenen.

Stutti Frutti (Entwurfsgebiet: Kaiser-Friedrich-Straße/Stuttgarter Platz)
Donka Dimitrova, Technische Universität Berlin, Master Landschaftsarchitektur
Marco Vomiero, Technische Universität Berlin, Master Landschaftsarchitektur

Die Arbeit setzt an der Weiterentwicklung des Bestandes an. Der Stadtraum wird dabei konsequent umgestaltet und grundlegend neu interpretiert. Im Entwurf werden die Themen Dachbegrünung, Stoffkreisläufe, Regenwassermanagement und Gemeinschaftsgärten vereint. Besonders innovativ ist der Ansatz, den öffentlichen Raum als Ort des gemeinsamen Produzierens von Grün zu sehen. Dadurch wird soziale Interaktion angestoßen. Insbesondere die Ausweitung der Grundidee auf das gesamte Quartier wurde positiv hervorgehoben. Die grafische Darstellung als Comic ist sehr gelungen.

Energien Verbinden (Entwurfsgebiet: Ruschestraße/Frankfurter Allee Süd)
Mariena Büscher, Leibniz Universität Hannover, Master Landschaftsarchitektur
Der Entwurf besticht durch seine Vielschichtigkeit. Er verbindet die Themen grüne Infrastruktur, Biotopverbund, alternative Mobilität, erneuerbare Energien, Bewegung und Gesundheit. Besonders hervorzuheben ist die thematische Entwicklung der Stadt-Umland-Beziehung. Hierfür wird mit einem Radschnellweg ein geeignetes Instrument angeboten. Durch die Verknüpfung mit Grünelementen in den Quartieren, die miteinander verbunden werden, wird der Radweg Teil der grünen Infrastruktur. Die Arbeit vereint geschickt ein Nebeneinander sozialer naturschutzfachlicher Aspekte, die sich einander sonst oftmals konfliktträchtig gegenüber stehen.

Würdigungen

The Space left behind (Entwurfsgebiet: Ruschestraße/Frankfurter Allee Süd)
Flip Staszkiewicz, Technische Universität Dresden, Master Landschaftsarchitektur
Gewürdigt wird die Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe des Quartiers und damit verbunden die Umcodierung des historisch belasteten Ortes. Der ehemals stark abgeschirmte Raum der Zentrale für Staatssicherheit der DDR wird geöffnet und den Bürgern zurückgegeben. Dies wird mit klassischen Elementen der Landschaftsarchitektur erreicht. Die Arbeit zeichnet sich ferner durch eine sehr überzeugende Gestaltung und Herausarbeitung der einzelnen Elemente aus. Mit dem Element eines zentralen Grünraums gelingt es der Arbeit, dem Ort eine neue Identität zu verleihen und das Prinzip der Öffnung für alle transparent zu machen.

Grünlabor – Berlin Lichtenberg (Entwurfsgebiet: Ruschestraße/Frankfurter Allee Süd)
Leander Neuhaus, Technische Universität Dresden, Master Landschaftsarchitektur
Der Ort, der mit großen historischen Belastungen leben muss, wird durch die Neudefinition als Forschungslabor zu einem Ort der Zukunft uminterpretiert. Gleichzeitig wird das Quartier zu einem offenen Ort der Teilhabe. Besonders innovativ ist dabei die Idee eines offenen und für alle zugänglichen, in die Stadtlandschaft integrierten
Forschungslabors. Die verschiedenen Facetten eines solchen Grünlabors werden durch die Vielfalt der im Gelände genutzten Elemente aufgegriffen (Forstwirtschaft, Wasserkreisläufe, Obstanbau und Nutzung der Windenergie in der Stadt).

Spandau, atme! (Entwurfsgebiet: Altstadt Spandau)
Luzia Posselt, Technische Universität Dresden, Master Landschaftsarchitektur
Christoph Odenthal, Technische Universität Dresden, Master Landschaftsarchitektur

Die Arbeit greift aktuell sehr stark diskutierte Themen der Grünentwicklung auf: Fassadenbegrünung und Reinigung bzw. Bewässerung derselben mit Regenwasser und Grauwasser. Der Reinigungsaspekt des Grauwassers durch eine in die begrünte Fassade integrierte, pflanzliche Kläranlage ist besonders innovativ. Städtebaulich leistet die Arbeit einen Beitrag zur Lösung der Begrünung auf engem Raum und zugleich von großen, wenig attraktiven Geschäftshausfassaden. In engen Stadträumen kann vertikales Grün so einen Beitrag zur Baukultur leisten. Durch die Ableitung des gereinigten Wassers über einen kleinen Wasserfall in den öffentlichen Raum wird ein deutlicher Raumbezug hergestellt. Gleiches gilt insgesamt für die öffentliche sichtbare „Wasserreinigung“.

SCHWERPUNKT "URBANES GRÜN" in der Ausgabe 05/2017 der IVV immobilien vermieten & verwalten

Neue Ideen für die urbane Freiraumplanung sind gefragt

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Weiterführende Links:
www.gruen-in-der-Stadt.de
www.bbsr.bund.de

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