TÜV NORD fordert besseren Schallschutz für Wohngebäude

Um dem Wohnungsmangel in Städten entgegenzuwirken, wird aktuell die Baunutzungsverordnung (BauNVO) überarbeitet. Der Plan: In sogenannten „Urbanen Gebieten“ soll es Kommunen erleichtert werden, Wohnungen zu bauen. Dafür sollen in der
Verwaltungsvorschrift „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA Lärm) die Obergrenzen für Geräuschbelastungen erhöht werden. Im Hinblick auf steigende Lärmpegel weist TÜV NORD darauf hin, dass ausgleichende Schallschutz-Maßnahmen an Gebäuden
ergriffen werden müssen, um die Lebensqualität für das Wohnen weiterhin zu sichern.

Schallschutz wird beim Bau in urbanen Gebieten immer wichtiger. FOTO: MFH Darmstadt/J.VOGT
Schallschutz wird beim Bau in urbanen Gebieten immer wichtiger. FOTO: MFH Darmstadt/J.VOGT

Ein Gesetzentwurf sieht bei der Einteilung von Baugebieten eine neue Kategorie vor: „Urbane Gebiete“. Das Bauen von Wohnungen wird in stark verdichteten städtischen Gebieten erleichtert. Die Zersiedlung der Landschaft wird eingedämmt. Weitere Vorteile sind eine Stadt der kurzen Wege und eine gute Infrastruktur in Wohnortnähe. Damit können jedoch Wohnnutzungen in urbanen Gebieten höheren Geräuschimmissionen ausgesetzt sein. Die derzeit geltenden Obergrenzen der TA Lärm für Geräuschbelastungen werden für urbane Gebiete um drei Dezibel erhöht. Tagsüber steigen sie auf 63 Dezibel und nachts auf 48 Dezibel. „Eine Erhöhung um drei Dezibel klingt wenig, bedeutet in der Praxis jedoch eine Verdopplung der Geräuschbelastung“, erläutert Dirk Seeburg, Experte für Schall- und Schwingungstechnik bei TÜV NORD.

Geräuschpegel beeinflusst Lebensqualität
Ein höherer Geräuschpegel wirkt sich zunächst auf Außenbereiche wie Wege im öffentlichen Raum, Terrassen und Balkone aus. Die Erholung im Freien wird eingeschränkt. Um die Lebensqualität weiter zu erhalten, gewinnt der Schallschutz daher eine größere Bedeutung. „Gerade für Balkone sind gründliche Schallschutzplanungen erforderlich. Maßnahmen wie Balkonverglasungen können Abhilfe schaffen. Ohne eine genügende Schalldämmung der Außenwand würde in urbanen Gebieten aber auch die
Geräuschbelastung in den Wohnungen zunehmen“, sagt Seeburg.

Eine Lüftung über herkömmliche gekippte Fenster gewährleistet nicht mehr das Ruhebedürfnis in Wohn- und Schlafräumen. „Für eine ausreichende Frischluftzufuhr in Schlafräumen und Kinderzimmern können schallgedämmte Lüftungseinrichtungen oder moderne Fenster mit integrierter Luftführung eingebaut werden.“ Der Fachmann weist darauf hin, dass gute Lösungen für passiven Schallschutz vorhanden sind, diese aber
auch die Baukosten erhöhen.

Quelle: TÜV NORD

Printer Friendly, PDF & Email
19.12.2024
Für ein Grundstück der GeWoGe Wohnungsgenossenschaft eG in der Nähe des Hauptbahnhofes in Landshut sollte nach Abriss der maroden Bestandsgebäude ein neues Wohngebäude entstehen. plan2 architekten...
4.4.2025
Wärmewende
Der CO2-Ausstoß soll sinken, der Gebäudesektor ist mitverantwortlich. Stefan Materne, Experte von der Energieberatung der Verbraucherzentrale, erläutert Ideen und Lösungen für Wärmepumpen in...
29.5.2024
Luft-Luft-Wärmepumpe statt Gasetagenheizung
Auf dem deutschen Heizungsmarkt dominieren derzeit Luft-Wasser-Wärmepumpen. Doch bald könnten auch Luft-Luft-Wärmepumpen einen nennenswerten Marktanteil erobern. Darauf weist das vom Umweltministerium...
17.6.2024
Jetzt an die Zukunft denken
Klimagerechtes Bauen ist ein Ansatz, Gebäude so zu planen, zu bauen und zu betreiben, dass sie möglichst geringe negative Auswirkungen auf das Klima haben und gleichzeitig resilient gegenüber...
19.6.2025
Bundeskabinett verabschiedet Öffnung im Baugesetzbuch
Das Bundeskabinett hat den Bau-Turbo verabschiedet. Kommunen sollen die Möglichkeit erhalten, schneller grünes Licht für den Wohnungsbau zu geben – auch ohne Bebauungsplan. Der Entwurf soll noch vor...
24.4.2024
Holzhybridbau
Es gilt als das höchste Holzgebäude in Deutschland: Die Fassade des "Roots" in der Hamburger Hafencity wurde nun fertiggestellt. Das Projekt des Bauherren GARBE Immobilien-Projekte GmbH und des...