Der ganze Wohnsinn
In diesem Herbst schauen wir erneut auf einen Sommer mit Dürre- und Hitzerekorden zurück. Bislang beispiellos: Temperaturen von mindestens 30 Grad an 22 Tagen und fünf Tage mit mindestens 35 Grad. Verbreitete Trockenheit, die zu historisch niedrigen Flusspegeln führte, stand im scharfen Kontrast zu lokalen Unwettern und Tornados. Alles dokumentiert vom Deutschen Wetterdienst. In den steingewordenen Landschaften unserer urbanen Zentren staut sich die Hitze besonders. Kein Wunder, dass die Forderungen immer lauter werden, Städte und Wohnquartiere an die Folgen der Klimaerwärmung anzupassen und die Menschen besser zu schützen. Wer soll’s richten? Städte, Gemeinden und die Immobilienwirtschaft.
Es scheint, dass neben der Dekarbonisierung des Gebäudebetriebs und der energetischen Ertüchtigung der Bestände eine weitere langfristige Herausforderung auf die Wohnungswirtschaft zukommt. Zeitraum und Aufwand sind kaum zu erfassen: den Erdboden von Beton und Pflastersteinen freilegen, Bäume und Sträucher pflanzen, Teiche und Zisternen anlegen, Dächer und Fassaden begrünen, Regenwassersammelsysteme installieren ... Für die Dimension solcher Aufgaben hat der Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet einen Begriff geprägt: Ewigkeitslasten (oder Ewigkeitskosten). Er beschreibt die Folgekosten, die nach Abschluss der Bergbauaktivitäten für immer oder jedenfalls für sehr lange Zeit entstehen. Nach dem Ende des Kohlebergbaus muss der Grundwasserspiegel durch ständiges Abpumpen tiefer gehalten werden, als er sich natürlicherweise einstellen würde. Sonst würden Landschaften oder Stadtteile, die sich durch den unterirdischen Bergbau stark abgesenkt haben, überflutet und damit unbewohnbar. Der dauernde Pumpenbetrieb erzeugt einen massiven Energieaufwand und damit auch Kosten – allein im Ruhrgebiet hunderte Millionen von Euro pro Jahr.
Wohnquartiere resilient zu machen gegen Hitze, Wassermangel, Sturm und Starkregen entwickelt sich zur neuen Ewigkeitslast für Kommunen und Wohnungsunternehmen. Die Umgestaltung von Straßen, Plätzen und Wohnquartieren wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. (Wie viel Zeit vergeht, bis ein Baum groß genug ist, ein veritabler Schattenspender zu sein?)
Ich habe keinen Zweifel, dass sich die sozial orientierte Wohnungswirtschaft dieser Gemeinschaftsaufgabe ebenfalls annehmen wird. Wie diese Ewigkeitskosten zu bezahlen sind, bleibt mir allerdings schleierhaft.
Thomas Engelbrecht
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