Gestaltung der Energiewende

„Die Wohnungswirtschaft braucht Daten"

Interview mit Christopher von Gumppenberg, Gründer und Geschäftsführer von der KUGU Home GmbH. Das Unternehmen bietet eine Plattform für digitales Gebäudemanagement.

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Christopher von Gumppenberg Bild: KUGU
Christopher von Gumppenberg Bild: KUGU

Gibt es im Zuge des Smart-Meter-Rollouts aus Ihrer Sicht auch Vorteile, die sich für neue Geschäftsmodelle im Wärmemarkt ergeben?

Der Smart-Meter-Rollout ist stark von den Stadtwerken getrieben. Und die denken in ihrer Stromwelt. Deswegen finden sich die ersten Anwendungen ganz klar im Strombereich. Allerdings kann man auch die Regulierung von Gas und Fernwärme mitdenken. Die Gateways geben das her. Deswegen ist die Verfügbarmachung aller Energiedaten logischer als in den letzten Jahren. Das wird wohl aber erst in einer zweiten Welle kommen.

Welche technischen Voraussetzungen müssten dafür geschaffen werden?

Die Wohnungswirtschaft konzentriert sich derzeit auf ihre Hauptzähler für Strom und Gas. Die Zähler für die Mieter werden noch nicht angefasst, weil es ja auch noch nicht nötig ist. Das hat auch einen Grund, weil ein digitaler Zähler für die Mieter plötzlich 30 Euro mehr kostet. Generell wird das Metering hier auch kein Geschäftsfeld werden, die daraus resultierende Energieeffizienz schon. Denn man braucht auch in der Wohnungswirtschaft die Daten, um die Energiewende zu gestalten.

Welche technischen Lösungen bieten sich dafür an?

Wir haben dafür den Digitalen Heizungskeller entwickelt und ein CO2-Monitoring. Beide zielen auf die Primärenergiezähler ab. Mit so einer Methode kann man alle Zähler digital nachrüsten. Da gibt es schon welche, die OMS 4 sprechen, (Open Metering System, drahtloser Funkstandard, der konform ist mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik – Anm. d. Red.) und die Daten auch übertragen. Wir haben schon in Projekten bis zu 400 Wohngebäude umgerüstet, dabei waren maximal 5 Prozent der Zähler nicht für eine Nachrüstung geeignet. Doch das konnte man meist schnell mit dem zuständigen Stadtwerk beheben, die schnell auf die geeigneten Zähler umgerüstet haben.

Ein Sonderfall ist die Fernwärme. Hier gibt es aber auch Anbieter wie Vattenfall, die alle ihre Übergabestationen fernauslesbar gemacht haben. Die stehen dann auch in einer Cloud für den Abruf bereit. Das wiederum kann man nutzen, um mittels intelligenter Zähler die Vor- und Rücklauftemperaturen – bei Fernwärme ja das A und O für Energieeffizienz – zu optimieren. Das ist bisher noch die Ausnahme. Ich nehme aber an, dass der Druck aus der Wohnungswirtschaft auf die Energiewirtschaft noch steigen wird und es vermehrt Kooperationen geben wird.

Welche Effizienzpotenziale kann man dafür heben?

Aktuell erreichen wir mit unseren Systemen, die letztlich auf Empfehlungen beruhen, die von den Betriebsführern umgesetzt werden, 8 bis 12 Prozent bei Wärme. Wenn wir in eine aktive Steuerung gehen, etwa eine wetterbasierte, sehen wir 15 bis 20 Prozent. Beim Strom sind es, bezogen auf die Verbräuche der Heizungsanlage, 5 bis 10 Prozent.

Gibt es neben der möglichen Kostenersparnis auch andere Vorteile für den Mieter?

Die Vorteile liegen natürlich beim Energiedienstleister, also dem Contractor. Und der wird diesen finanziellen Vorteil auch für sich nutzen. Perspektivisch werden aber die Mieter stärker integriert, weil das die neue Heizkostenverordnung verlangt. Dann wären sicher noch mal 10 bis 15 Prozent drin, die natürlich dem Mieter zugutekommen. Außerdem steigt der Komfort. Denn ich kann über die Vorlauftemperaturen beeinflussen, wie schnell ein System reagiert. Ich bin zudem bedeutend schneller im Störfallmanagement. Auch das sind Vorteile für die Mieter.

Welche Vorteile ergeben sich für Verwalter, die ja bisher mit dem Bereich Energie eher wenig zu tun haben?

Die Verwalter werden erst einmal die Abwicklungsprozesse innovativer denken. Dann aber wird ihre Arbeit dadurch leichter. Sie müssen eben nicht mehr den Hausmeister rumschicken, um alle Zähler zu prüfen und abzulesen. Gleichzeitig steigt ihre Transparenz den Mietern oder Eigentümern gegenüber, wenn sie diese Daten, etwa über eine Mieter-App, zur Verfügung stellen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Meterings?

Was zusammenwächst sind Unterverteilung und Hauptverteilung. Die Meter werden zu Messstellenbetreibern. Damit wachsen auch alle anderen Energiedienste am Gebäude zusammen. Das wiederum bringt neue Geschäftsfelder für alle Marktteilnehmer.

Die Fragen stellte Frank Urbansky, Fachautor der Fachzeitschrift IVV immobilien vermieten & verwalten

zum Hauptartikel aus IVV 02/22: Smart-Meter-Rollout: Was bringt er für die Immobilienverwaltung?

Frank Urbansky

Frank Urbansky
Journalist, Fachautor und Berater
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Artikel „Die Wohnungswirtschaft braucht Daten"
Seite 25
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