„Gewohnt gut“-Auszeichnung geht nach Rüdersdorf

Fassaden wie Muschelkalkschichten

Mit dem Neubau zweier Wohn- und Geschäftshäuser am Marktplatz hat die Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf mbH (WBG) neuen Wohnraum für die wachsende Gemeinde geschaffen und einen großen Beitrag zur Revitalisierung der Ortsmitte geleistet. Dafür wurde sie im September 2021 mit dem Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“ ausgezeichnet.
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Die Kombination der Materialien, die Farbwahl und die horizontal ausgerichtete Fassaden­gestaltung sollen an tief liegende Sediment- und Muschelkalkschichten erinnern, eine Reverenz an den früheren Kalksteintagebau in 
Rüdersdorf. Bild: Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf mbH
Die Kombination der Materialien, die Farbwahl und die horizontal ausgerichtete Fassaden­gestaltung sollen an tief liegende Sediment- und Muschelkalkschichten erinnern, eine Reverenz an den früheren Kalksteintagebau in 
Rüdersdorf. Bild: Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf mbH

Überreicht wurde die Auszeichnung von BBU-Vorständin Maren Kern und Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann. Es ist bereits die dritte Ehrung des Unternehmens mit „Gewohnt gut“: Im Januar 2010 erhielt die WBG das Siegel für den Umbau eines Baudenkmals zur betreuten Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderungen, im März 2013 für den vorbildlichen Teilrückbau eines Plattenbaus.

Im September würdigte das Bewertungsgremium den Neubau von zwei Wohn- und Geschäftsgebäuden am Marktplatz von Rüdersdorf. Die ortsbildprägenden Gebäude sorgten für eine Belebung und Aufwertung des Ortszentrums. Auszeichnungswürdig sei auch, dass beim Bau auf Barrierearmut und den Einsatz von regenerativen Energien geachtet wurde.

BBU-Vorständin Maren Kern gratulierte dem Unternehmen: „Mit dem Neubauprojekt am Marktplatz ergänzt sie sinnvoll ihren Bestand, der sich sonst überwiegend im unteren Preissegment befindet, um hochwertigere Wohnungen, für die es eine steigende Nachfrage auch in Rüdersdorf gibt. Diese konnten bisher in dieser Form nicht von der WBG angeboten werden. Dabei sind die Wohnungen barrierearm gestaltet und durch den Einsatz einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung besonders umweltfreundlich. Das ist zukunftsgerecht.“

Jörn Dahms, Geschäftsführer der WBG, freute sich über die Auszeichnung: „Man mag es kaum glauben, aber die Häuser am Markplatz sind das erste Neubauprojekt überhaupt für unser Unternehmen. Wir freuen uns sehr, dass unser Vorhaben, das wir gemeinsam mit HTR Architekten und Ingenieure GmbH umgesetzt haben, nicht nur von den Mieterinnen und Mietern so gut angenommen wird, sondern dass wir auch viel positives Feedback von vielen anderen Menschen in Rüdersdorf erhalten. Die Ehrung mit ‚Gewohnt gut‘ ist der krönende Abschluss für unser Projekt!“

Neubau Wohn- und Geschäftshäuser am Marktplatz

Seit der Wendezeit wurden in Rüdersdorf umfangreiche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt, um das Mitte der 1970er-Jahre aufgrund des Kalksteintagebaus abgerissene historische Ortszentrum wiederherzustellen. Die im März 2020 bezogenen Wohn- und Geschäftshäuser der WBG schließen die Bebauung um den Marktplatz im Nordosten und markieren damit einen vorläufigen Abschluss der Maßnahmen.

„Für die Bebauung am ehemaligen Busbahnhof, der durch die Gemeinde im Rahmen der städtebaulichen Sanierungsmaßnahme ‚Ortszentrum Rüdersdorf‘ zu einem attraktiven Marktplatz umgestaltet wurde, gab es einen öffentlichen Investorenwettbewerb, bei dem wir uns mit unserem gemeinsamen Entwurf mit HTR Architekten durchsetzen konnten“, erläutert WBG-Geschäftsführer Jörn Dahms den Startschuss für das Projekt. „Um vermehrten Nachfragen nachzukommen, haben wir uns dabei bewusst zur Abrundung unseres Portfolios für eine hochwertige Ausstattung entschieden, um unser ansonsten überwiegend sehr günstiges Bestandsangebot zu ergänzen. In diesem Neubau liegen die Nettokaltmieten bei zehn bis elf Euro“, so Dahms weiter.

Fassadengestaltung als Referenz an die Geschichte der Stadt

In zwei Jahren Bauzeit entstanden ein drei- und ein viergeschossiges Gebäude mit insgesamt zwölf Wohnungen und jeweils zwei Gewerbeeinheiten. Die Wohnungen sind zwischen 47 und 107 Quadratmeter groß und verfügen alle über eine Fußbodenheizung sowie einen Balkon oder Terrasse. Der im Randbereich begrünte Innenhof bietet auch Platz für die Fahrzeuge der Mieter:innen. Sämtliche Wohnungen konnten sehr kurzfristig zur jeweiligen Fertigstellung vermietet werden. „Für die Gewerbenutzung war ursprünglich ein Mix angedacht. Letztendlich hat sich das Konzept einer Physiotherapiepraxis durchgesetzt, die sämtliche Einheiten nutzt. Damit wurde der Gesundheitsstandort Rüdersdorf nochmals gestärkt“, erklärt Jörn Dahms.

Die Kombination der Materialien, die Farbwahl und die horizontal ausgerichtete Fassadengestaltung des Eckhauses sollen an tief liegende Sediment- und Muschelkalkschichten erinnern, eine Reverenz an die Geschichte von Rüdersdorf, in der der Kalksteintagebau eine gewichtige Rolle in der Ortsentwicklung zukam. Eine schöne optische Ergänzung: Das kleinere Gebäude, das in erdigen Farben gehalten wurde und eine modernere Fassadengeometrie aufweist.

Barrierearm und mit guter CO2-Bilanz

Alle Wohnungen und die Praxis sind barrierefrei zugänglich, in beiden Häusern befindet sich ein Aufzug. Darüber hinaus sind alle Räume schwellenlos gestaltet und verfügen über breite Türöffnungen. Eine Wohnung ist rollstuhlgerecht nach DIN gestaltet.

Für eine gute CO2-Bilanz sorgt eine Lüftungsanlage mit zentraler Wärmerückgewinnung. Neben einem gesunden Raumklima, das im stark gedämmten Neubau besonders wichtig ist, zeichnet sich eine solche Anlage durch eine hohe energetische Effizienz aus. Dahms: „Wir erreichen damit einen Wärmerückgewinnungsgrad von etwa 80 Prozent.“

Fast 3,2 Millionen Euro investiert

Die Gesamtinvestitionen beliefen sich auf gut 3,15 Millionen Euro, die die Gesellschaft komplett aus Eigenmitteln finanziert hat. Die Mieten im Wohnbereich liegen bei 9,93 Euro bis 11 Euro nettokalt plus 2,74 Euro Nebenkosten, für das Gewerbe werden 12 Euro nettokalt plus 2,05 Euro Nebenkosten erzielt.

Fassaden wie Muschelkalkschichten

Die soziale Wohnungswirtschaft in Brandenburg hat bei Stadtentwicklung, gutem Wohnen, Bewältigung des demografischen Wandels und Klimaschutz eine Schlüsselrolle inne.

Mit Investitionen in den Bestand sowie Verbesserungen bei der Sozial-, Kultur- und Bildungsinfrastruktur stärken sie die Zukunftsfähigkeit der Brandenburger Städte als attraktive Wohnorte. Gute Wohnbedingungen und starke Quartiere sind wichtige Bedingungen dafür, dass die Menschen gerne in ihren Heimatregionen wohnen. Das wertet auch Wirtschaftsstandorte auf. Bis zu sechs Mal im Jahr zeichnen BBU und MIL deshalb Projekte aus, die diesen Zielen in besonderer Weise gerecht werden. Sie erhalten das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“.

Auszeichnung für beispielhafte Projekte

Das Qualitätssiegel geht an brandenburgische Wohnungsunternehmen, deren Wohnungsbestände in besonderem Maße dem demografischen Wandel und der Sicherung guten und bezahlbaren Wohnraums Rechnung tragen. Das gilt insbesondere für das Wohnen im Alter und mit Behinderung, ebenso wie für familiengerechtes oder besonders umweltfreundliches Wohnen. Im Mittelpunkt stehen dabei Beiträge zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten die Auszeichnung. Geprüft werden dabei beispielsweise der soziale Nutzen für die Mieter:innen und für die Stadt sowie die Zukunftsfähigkeit der Projekte.

Eigeninvestitionen und Landesförderung

Im Rahmen des Stadtumbaus hat das MIL bisher den Abriss von mehr als 64.000 Wohnungen in den Stadtumbaustädten des Landes Brandenburg gefördert, der fast gänzlich von den BBU-Mitgliedsunternehmen geleistet worden ist. Die Leerstandsquote konnte so in den Stadtumbaustädten von über 14 Prozent auf knapp acht Prozent gesenkt werden. Zudem haben die brandenburgischen BBU-Mitgliedsunternehmen seit 1991 rund 14,8 Milliarden Euro in die Instandsetzung und Modernisierung ihrer Wohnungsbestände investiert. Darüber hinaus haben sie im gleichen Zeitraum 2,3 Milliarden Euro in den Neubau investiert. Unterstützt werden sie dabei oft durch Förderprogramme des Landes.

Seit 2007 hat das MIL die Wohnraumförderung dabei neu ausgerichtet. Es erfolgt eine Konzentration auf die Innenstädte mit dem Schwerpunkt generationsgerechtes Wohnen. Im Mietwohnungsbau – Neubau, Modernisierung und Instandsetzung – wurden bisher (Stand 31.12.2020) für knapp 12.800 Wohnungen rund 622 Millionen Euro bewilligt. 405,9 Millionen Euro davon flossen in den Neubau (auch Wiederherstellung von Gebäuden) von 3.222 Wohnungen, rund 41,7 Millionen Euro davon in die Nachrüstung von Aufzügen. Durch die Nachrüstung wurden mehr als 7.000 Wohnungen erschlossen.

Insgesamt trägt das Land so dazu bei, dass diese Investitionen der Unternehmen in ihre Wohnungsbestände auch für sozial Schwache sowie für alle Altersgruppen und Lebenslagen bezahlbar bleiben.

Die soziale Wohnraumförderung ist eng verzahnt mit den Programmen der nationalen Städtebauförderung des Landes und Bundes sowie der EU. Aus der nationalen Städtebauförderung von Bund und Ländern flossen von 1991 bis 2019 in die Brandenburger Städte rund 3,5 Milliarden Euro.

Quelle: BBU

Redaktion (allg.)

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Seite 14 bis 16
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