E-Autos laden

Magdeburger Genossenschaft startet Forschungsprojekt

Wie wird die Wohnungswirtschaft die Entwicklung der E-Mobilität für ihre Mieter so begleiten können, dass alle ihre Elektrofahrzeuge aufladen können? Großvermieter brauchen dringend Antworten und Lösungen für die E-Mobilität. Die Stadtfelder Wohnungsgenossenschaft (DSW) in Magdeburg hat jetzt die Konsortialführung im Forschungsprojekt ELEMENT übernommen.
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Als Pilotprojekt für das Projekt ELEMENT wurde dieses Quartier in Magdeburg ausgewählt. Die Mehrfamilienhäuser mit photovoltaik-freundlichem Satteldach verfügen über ausreichend Stellplätze im Innenhof. Bild: DSW
Als Pilotprojekt für das Projekt ELEMENT wurde dieses Quartier in Magdeburg ausgewählt. Die Mehrfamilienhäuser mit photovoltaik-freundlichem Satteldach verfügen über ausreichend Stellplätze im Innenhof. Bild: DSW

Die Zulassungszahlen von Elektrofahrzeugen steigen rasant: Von Januar bis August 2021 wurden 203.000 Fahrzeuge mit Elektroantrieb zugelassen, ein Zulassungsplus im Vergleich zum Vorjahr von 160 Prozent. Dazu kommen in etwa gleich viel Plug-In-Hybride. Der Bedarf an Ladeinfrastruktur steigt genauso rasant, wie die Zulassungszahlen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtfelder Wohnungsgenossenschaft (DSW) mit ihren Partnern das national bedeutsame Forschungsprojekt ELEMENT gestartet. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt soll eines der größten Probleme in der Ladeinfrastruktur Deutschlands lösen. Mieter in größeren Mehrfamilienhäusern haben heute das Problem, dass keine oder nicht genug Ladesäulen an den Häusern zur Verfügung stehen. Bei einem zügigen Ausbau der Ladeinfrastruktur droht vielerorts eine Netzüberlastung. Zudem gilt es eine Lösung zu erarbeiten, die den erhöhten Ladebedarf zu bestimmten Tageszeiten abfedert und zugleich ein netzdienliches Verhalten der Bewohner belohnt.

Das Forschungsprojekt ELEMENT wird mit 1,2 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. ELEMENT steht für: „Energiemanagementsystem für das gesteuerte Laden von Elektrofahrzeugen in Mehrparteienhäusern auch unter Nutzung von selbsterzeugtem Strom zur Reduzierung des Aufwands für den Netzausbau“. Das Konsortium aus Magdeburg unter Führung der DSW hat sich in der Bewerbung beim Bundeswirtschaftsministerium gegenüber fünfzig weiteren Bewerbern aus der Industrie durchgesetzt. Der Auswahlkommission gefiel besonders der genossenschaftliche Ansatz, die E-Mobilität der Mitglieder mit selbst erzeugtem Strom zu erhöhen und gleichzeitig das Problem zu lösen, dass eine hohe Anzahl von Mietern gleichzeitig laden möchte. Es geht also zusätzlich um die Mitwirkung der Mieter, um günstigen Ladestrom für alle durch Steuerung des eigenen Verhaltens zu ermöglichen.

Partner aus Vermietung, Forschung, E-Mobilität und Netz

„Wir erforschen bei ELEMENT als Konsortialführer über drei Jahre lang mit Partnern aus Wissenschaft, Forschung und Industrie, wie sich der Kern des Projektes – genossenschaftliches Verhalten – am besten in die Praxis umsetzen lässt“, berichtet DSW-Vorstand Jens Schneider. Für das Projekt konnte der Initiator namhafte Partner gewinnen: Der Lehrstuhl für Innovations- und Finanzmanagement der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, das Institut für Automation und Kommunikation (ifak), das Start-up DiLiCo engineering GmbH, der Energieversorger für die Wohnungswirtschaft GETEC mobility solutions GmbH sowie die Netze Magdeburg GmbH steuern ihre Erfahrungen und Kompetenzfelder zum Projekt bei.

Pilotprojekt in Magdeburg

Die DSW verfügt in der Landeshauptstadt Magdeburg über einen Bestand von fast 5.000 Mietwohnungen, davon befinden sich viele in modernisierten, industriell gebauten Mehrfamilienhäusern. In diesen Gebäuden, die bis zu zehn Stockwerke und mehrere Eingänge haben, leben bis zu 120 Mietparteien. Bei der zu erwartenden steigenden Anschaffung von Elektrofahrzeugen wird es für die Mitglieder schwierig, ihre Fahrzeuge zu laden. „Als Wohnungsgenossenschaft sind wir gefordert, eine Lösung für die steigende E-Mobilität unserer Mitglieder zu entwickeln und diese rasch umzusetzen“, sagt DSW-Vorstand Jens Schneider, „das geht nur, wenn die Mitglieder mitziehen.“

Das Pilotprojekt startet in der Magdeburger Stolzestraße 6 und 6a, hier befinden sich Mehrfamilienhäuser mit Satteldach aus den 60er Jahren. Geplant ist zunächst die Installation von zwei Ladeanschlüssen. In beiden Häusern zusammen leben 20 Mietparteien. „Wir nutzen hier zentrale Brennwerttechnik, um Wärme für die Wohnungen zu liefern und in Verbindung mit Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern gleichzeitig den Strom für die Ladestationen von Elektrofahrzeugen selbst zu erzeugen“, erklärt Jens Schneider.

Günstiger Strom durch dezentrale Herstellung

Ein wesentlicher Punkt bei der E-Mobilität sind die Stromkosten für das Laden der Fahrzeuge, vielerorts sind die Tarife an öffentlichen Ladesäulen deutlich gestiegen. Auch hier setzt das Projekt an: Der Strom für die 11-kW-Ladeplätze wird mit Blockheizkraftwerken und Photovoltaikanlagen auf dem Dach dezentral produziert. 20 bis 25 Cent pro Kilowattstunde wird der selbst erzeugte Strom die Mitglieder kosten. „Das macht es für die Mitglieder interessant, bei uns zu laden“, sagt Jens Schneider.

Häuser, in denen Wohnungen sind, können einer einzelnen Person oder einer einzelnen Gesellschaft gehören. Es gibt jedoch auch Häuser, die in Wohnungseigentum aufgeteilt sind und bei denen jede einzelne Wohnung einem einzelnen Eigentümer gehört - diese Wohnung...

Netzdienliches Verhalten

Das Projekt erforscht auch das individuelle Verhalten der Genossenschaftsmitglieder bei der Ladung ihrer Elektrofahrzeuge. Dabei sollen finanzielle Anreizsysteme zu einem netzdienlichen Verhalten animieren. „Wer volllädt zahlt mehr als jemand, der nur den benötigten Strom für die Fahrt zur Arbeit nachlädt. Wer eine Ladesäule über mehrere Stunden blockiert, zahlt ebenfalls einen Aufschlag“, erklärt Schneider. Einen besonders günstigen Tarif erhalten diejenigen, die auch Strom zurückgeben. Dieses bidirektionale Laden und Stromeinspeisen ist technisch mit immer mehr Elektrofahrzeugen möglich.

Eine App zum Energie- und Lademanagement für Smartphones und Tablets zeigt jedem Mitglied an, wann es am günstigsten ist, das Auto aufzuladen. Stromangebot und Nachfrage haben so direkte Auswirkungen auf den Preis einer Kilowattstunde. Jens Schneider erklärt: „Durch die Eigenerzeugung des Stroms haben wir nur eine bestimmte Kapazität zur Verfügung, die geteilt werden muss, deshalb möchten wir unsere Mitglieder dazu motivieren, sich gemeinschaftlich und klimafreundlich zu verhalten.“

Lösung für ganz Deutschland

Das Projekt ELEMENT wird in ganz Deutschland relevant sein. Überall im Land, vor allem in den Großstädten, gibt es große Mehrfamilienhäuser, für die dringend eine Lösung im Bereich Ladeinfrastruktur, Netzauslastung und Lademanagement gefunden werden muss. „Auch wenn die aktuelle Nachfrage von unseren Mitgliedern noch nicht so hoch ist, zeigen die kontinuierlich steigenden Zulassungszahlen von Elektroautos, dass die Wohnungsunternehmen sich auf eine schnell wachsende Zunahme von Anforderungen an die Ladekapazität einstellen müssen“, so Jens Schneider, „das Projekt startet also zum richtigen Zeitpunkt und wird für die Vermietungsbranche und alle Mieter eine hohe Wichtigkeit haben.“

„Wer eine Ladesäule über mehrere Stunden blockiert, zahlt einen Aufschlag.“

Jens Schneider,

DSW-Vorstand

Redaktion (allg.)

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Seite 64 bis 65
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