Millionen Heizungen müssen modernisiert werden um Klimaziele zu erreichen
Nachdem die Heizungsindustrie 2025 das zweite Jahr in Folge erhebliche Absatzrückgänge zu verzeichnen hatte, stellt sich die Frage, ob es 2026 Chancen für eine Erholung gibt.
Das bleibt abzuwarten. Vor kurzem hat die Koalition sich auf das lange erwartete Eckpunkte-Papier zur Novellierung des GEG geeinigt. Damit endet die monatelange politische Hängepartie. Angesichts des seit zwei Jahren rückläufigen Absatzmarktes ist das ein überfälliger Schritt. Das Papier enthält aus unserer Sicht einige wichtige und richtungsweisende Punkte, die dazu geeignet sind, dem Modernisierungsmarkt wieder zu mehr Dynamik zu verhelfen. Wir begrüßen das Vorhaben, bürokratische Hürden abzubauen, den Endverbrauchern größere Flexibilität bei der Investitionsentscheidung zu ermöglichen und bestimmte Maßnahmen von der kommunalen Wärmeplanung zu entkoppeln. Es kommt jetzt auf die konkrete Ausgestaltung im weiteren Gesetzgebungsverfahren an.
Der Altbestand in Deutschlands Heizräumen war wohl noch nie so groß wie heute. Mehr als drei Millionen Wärmeerzeuger sind über 30 Jahre alt. Lässt sich dieser ungeheure Sanierungsstau endlich beenden?
Der Anlagenbestand in deutschen Heizungskellern ist in weiten Teilen veraltet – fast die Hälfte aller Heizungen, rund zehn Millionen Anlagen, entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Entsprechend groß sind die Potenziale zur Energie- und CO2-Einsparung. Die aktuelle Marktentwicklung bleibt allerdings deutlich hinter dem zurück, was notwendig wäre, um diese Potenziale zu heben. Der Heizungsmarkt in Deutschland befindet sich seit zwei Jahren im Rückwärtsgang, 2025 war sogar das schwächste Absatzjahr der vergangenen fünfzehn Jahre. Das bedeutet: In den kommenden Jahren müssen deutlich mehr Heizungen modernisiert werden, um den Rückstand aufzuholen. Wir schieben derzeit eine immer größer werdende Modernisierungswelle vor uns her. Um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, wäre eine Modernisierung von rund einer Million Heizungen pro Jahr erforderlich.
Sie kennen das Sprichwort: „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“. Sehen Sie Ihren Verband bzw. die Heizungsbranche akut in der Pflicht etwas zu unternehmen?
Unsere Mitgliedsunternehmen sind bereits in Vorleistung gegangen und haben erhebliche Investitionen in Produktionskapazitäten und Personal getätigt, um den Hochlauf der Wärmepumpe zu ermöglichen. Auch das Fachhandwerk hat enorme Anstrengungen unternommen, sich auf die Wärmepumpe einzustellen. Ziel der Ampelkoalition war es ursprünglich, ab 2024 jährlich 500.000 Wärmepumpen zu installieren – dieses Ziel hat die Heizungsbranche von Beginn an nach Kräften unterstützt. Mit zuletzt rund 299.000 verkauften Geräten und einem Wachstum von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr zeigt sich zwar eine positive Entwicklung, dennoch können Wärmepumpen allein den spürbaren Rückgang im Gesamtmarkt nicht ausgleichen. Das unter der Ampel beschlossene Ziel wird damit auch im zweiten Jahr in Folge deutlich verfehlt. Allein in den beiden Jahren fehlen zur Zielerreichung der Ampel 500.000 Wärmepumpen und das trotz einer attraktiven Förderung und dem GEG 2024. Im nun vorliegenden Eckpunktepapier sehen wir wie gesagt gute Ansätze, um den Modernisierungsmarkt insgesamt wieder zu beleben. Wir werden den Gesetzgebungsprozess konstruktiv begleiten. Ziel muss ein Rahmen sein, der die Modernisierung beschleunigt, industrielle Wertschöpfung in Deutschland stärkt und zugleich einen verlässlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leistet.
Was ist notwendig, um das Geschäftsfeld „Erneuerbare“ in Deutschland weiter auszubauen?
Der BDH steht für ein breites technologisches Portfolio im Bereich der Heiztechnik. Dazu gehören Wärmepumpen ebenso wie hybride Systeme, moderne Brennwertgeräte und Heizungen auf Basis von Biomasse. Ergänzt wird dieses Spektrum durch weitere Effizienztechnologien, etwa hocheffiziente Heizungspumpen oder Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Bei den Wärmeerzeugern unterscheiden wir grundsätzlich nicht zwischen „erneuerbar“ und „fossil“. Entscheidend ist, dass die Energieträger, die in den Heizungen zum Einsatz kommen zunehmend erneuerbar bzw. klimaneutral sind. Bei der Stromerzeugung geht Deutschland diesen Weg seit über 20 Jahren mit großen Anstrengungen und enormen finanziellen Aufwendungen konsequent voran. Mit der im Eckpunktepapier angekündigten Grüngasquote bzw. einer Grünheizölquote erweitert die Bundesregierung den Weg um weitere Optionen.
Das Fachhandwerk – vom SHK-Profi bis hin zum Schornsteinfeger – zeigt sich aufgrund der Beschäftigungslageziemlich entspannt. Was wünschen Sie sich von diesen Marktpartnern?
Der erneute Hochlauf des Marktes wird nicht am Fachhandwerk oder anderen Marktpartnern scheitern. Im Gegenteil, das Jahr 2023 hat eindrucksvoll gezeigt, zu welchen Leistungen die Branche grundsätzlich fähig ist – damals wurden 1,3 Millionen Heizungen verkauft und viele davon auch eingebaut. Die Initialzündung für eine nachhaltige Marktbelebung muss von der Politik ausgehen. Das geschieht nun mit den jüngst veröffentlichten Eckpunkten. Wie schon gesagt gilt es jetzt, den Diskurs zu versachlichen und die Emotionen rauszunehmen. Die fachliche und sachliche Beratung durch das Fachhandwerk und die Energieberater über die verfügbaren technischen Lösungen muss im Vordergrund stehen. So kann das Vertrauen der Menschen in die Heizungsmodernisierung zurückgewonnen werden.
Der Brennstoff-Fachhandel hat eine Reihe regenerativer Energieträger im Angebot. Wie reagiert die Heizungsindustrie darauf; was wünschen Sie sich von diesen Marktpartnern?
Mit der Grüngasquote bzw. der Grünölquote nimmt der Gesetzgeber die Inverkehrbringer dieser Energieträger stärker in die Pflicht. Es ist nun Aufgabe der Energiewirtschaft diese Quoten zu erfüllen, die Politik muss hierfür wiederum den richtigen Rahmen setzen. Uns ist dabei wichtig, dass zwischen Technologie und Energieträger differenziert wird. Die Heizungsindustrie liefert technische Systeme, die an sich weder fossil noch erneuerbar sind.
Wie schätzen Sie die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen hinsichtlich der kommunalen Wärmeplanung ein?
Aus unserer Sicht wirkt die kommunale Wärmeplanung derzeit als Bremse für die dezentrale Heizungsmodernisierung. Dabei sprechen wir uns ausdrücklich nicht gegen zentrale Wärmeversorgungskonzepte aus – solange sie ohne Anschluss- und Benutzungszwänge auskommen und den fairen Wettbewerb nicht beeinträchtigen. Das Problem liegt vielmehr in der Kommunikation rund um die kommunale Wärmeplanung: Bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern ist der Eindruck entstanden, die kommunalen Wärmepläne böten kurzfristig konkrete Lösungen. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir, dass der Gesetzgeber eine Entkopplung vom Gebäudemodernisierungsgesetz und eine Vereinfachung der Wärmeplanung im Eckpunktepapier vorsieht. Konkret soll der Prozess der Wärmeplanung für Kommunen unter 15.000 Einwohnern deutlich vereinfacht werden.
Am Ende des Tages müssen die Wärmenetze aber auch mit Wärme aus erneuerbaren oder klimaneutralen Energien gespeist werden. Ob das effizienter erfolgen kann, als bei dezentralen gebäudenahen Lösungen ist dabei offen. Grundlegend gibt es seit Jahren seitens der Kommunen die Beschwerde an den Bund, dass man ihnen immer mehr Aufgaben überträgt. Warum sich nun einige bei der Kassenlage freiwillig mit einer weiteren investitionsintensiven Aufgabe belasten wollen, kann man hinterfragen.
Was müsste sich also grundsätzlich ändern?
Grundsätzlich muss das Gebäudemodernisierungsgesetz praxisnah an den Lebensrealitäten der Menschen ausgerichtet sein. Die Verbraucher müssen es als Hilfestellung und nicht als Gängelung empfinden. Diesen Geist atmet das aktuell vorgelegte Eckpunktepapier. Es stellt den Abbau bürokratischer Hürden, eine größere Flexibilität für die Menschen und die Entkopplung einzelner Maßnahmen von der kommunalen Wärmeplanung in den Mittelpunkt. Ziel der Bundesregierung ist, dass das neue Gesetz noch vor dem 1. Juli 2026 in Kraft tritt.
In diesem Jahr 2026 finden mit der SHK+E in Essen, der IFH Nürnberg und der GET Nord in Hamburg drei regionale Fachmessen statt, die allesamt besser gebucht und besucht werden sollen als 2024. Können diese Veranstaltungen den erhofften Umschwung beflügeln?
Die Regionalmessen sind für uns eine zentrale Plattform, um den Dialog zwischen Industrie und Fachhandwerk zu fördern. Die Neujustierung des ordnungspolitischen Rahmens wird sicher das bestimmende Thema vor Ort sein. Die Frühjahrsmessen sind für uns eine ideale Plattform für den Austausch zwischen Industrie und Handwerk zu diesen Themen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Dieter Last.
Redaktion (allg.)
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