Vom Gas zur Pelletheizung – in weniger als sechs Monaten
Die Tessiner Wohnungsbaugesellschaft (TWG) nahm dann im November2024 gemeinsam mit HanseWerkNatur die neue Pelletanlage in Betrieb. Die Mieter haben davon nichts mitbekommen. Bei der Umstellung der Energiezentrale auf erneuerbare Energien sprachen die Standortbedingungen klar für Holzpellets: es gab ausreichend Platz für Silos und Kesselanlage, kurze Transportwege für die Brennstofflieferung sowie besondere Anforderungen an den Schallschutz wegen der Lage im dicht bebauten Wohngebiet. Eine Wärmepumpe kam wegen der Geräuschkulisse und der unzureichenden elektrischen Anschlussleistung nicht infrage – Faktoren, die bei der Technologiewahl häufig unterschätzt werden. Nicht jeder Standort gibt jede Lösung her.
Die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützte die Investition und machte das Projekt wirtschaftlich.
Umbau unter Zeitdruck
Der knappe Zeitrahmen stellte hohe Anforderungen, vor allem an Planung und Genehmigung. Bei Pelletanlagen in Bestandsgebäuden sind mehr Fragen zu klären als im Neubau: Schornsteinhöhe, Statik und Brandschutz mussten neu bewertet und teilweise angepasst werden. Rückbau der alten und Einbau der neuen Anlage liefen parallel. Für die Mieter gab es in der gesamten Umbauphase keine Versorgungsunterbrechungen.
Versorgungssicherheit auf gleichem Niveau
Nach nunmehr fast zwei Heizperioden ist das Fazit positiv: Die Pelletanlage erreicht dieselbe Versorgungssicherheit wie die frühere Erdgasversorgung. Zwei Kessel arbeiten im wechselnden Betrieb zusammen und sichern sich gegenseitig ab. Der jährliche Verbrauch liegt bei rund 500 Tonnen Holzpellets, die im Winter etwa alle zwei bis zweieinhalb Wochen per Tanklastzug angeliefert werden. Die Anlage ist rund um die Uhr fernüberwacht. Der Bereitschaftsdienst von HanseWerk Natur kann im Störungsfall aus der Ferne die Parameter der Anlage anpassen und in vielen Fällen den Betrieb sicherstellen, ohne vor Ort zu sein. Als beispielsweise im vergangenen Winter ein Kessel eine Störung meldete, konnte der Bereitschaftsdienst die Kesselfolge aus der Ferne anpassen und der andere Kessel übernahm die Wärmeerzeugung, außerdem wurden die Pufferspeicher stärker geladen. Am nächsten Tag behob der Hersteller-Kundendienst die Störung. Die Wärmeversorgung blieb durchgehend gewährleistet.
Langfristige Strategie statt Einzelmaßnahme
Für die TWG ist das Projekt Teil einer langfristigen Strategie. „Gebäude sind noch immer einer der Hauptverursacher des CO2-Ausstoßes und für rund ein Drittel des deutschen Endenergieverbrauchs verantwortlich. Mit dem Umstieg auf 100 Prozent Pellets reduzieren wir nicht nur den CO2-Ausstoß erheblich, sondern steigern auch die Energieeffizienz der angeschlossenen Wohneinheiten. So machen wir unsere Wohnungen fit für die Zukunft“, sagt Geschäftsführer Michael Radel. Das Preisniveau der Mieten im Quartier ist seit der Umstellung übrigens stabil geblieben.
Was andere Wohnungsunternehmen mitnehmen können
Die Zukunft der TWG wird unter anderem durch energetische Sanierungen bestimmt. Das Projekt zeigt: Gebäudesanierung und Wärmeversorgung müssen gemeinsam gedacht werden. Wer beides getrennt angeht, plant doppelt und verliert dabei Zeit, Geld und Potenzial. Die Technologiefrage hängt dabei vom Standort ab. Wer auf erneuerbare Wärme umstellt, muss kein höheres Versorgungsrisiko akzeptieren. Das lässt sich durch eine intelligente Art der Betriebsführung sicherstellen. Digitale Fernüberwachung ist dabei keine technische Spielerei, sondern Voraussetzung für den Betrieb. Selbst in größere Beständen gibt sie Mietern die nötige Versorgungssicherheit.
Ole Hinneburg
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