Teil 3 der KI-Serie

Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Wachstum – so wirkt KI

Nachdem im ersten Teil dieser Reihe der KI-Reifegrad eingeordnet und im zweiten Teil konkrete Einsatzfelder thematisiert wurden, stellt sich nun die betriebswirtschaftliche Frage: Wann und wie wird KI vom „praktischen Helfer“ zum echten wirtschaftlichen Faktor?

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Laura Eckert-Rinallo, Wirtschaftsjuristin Bild: privat
Laura Eckert-Rinallo, Wirtschaftsjuristin Bild: privat

In der Immobilienverwaltung entscheidet sich der Nutzen selten an einem großen Projekt, sondern an vielen wiederkehrenden kleinen Aufgaben, die häufig personelle Kapazitäten, Aufmerksamkeit und Ressourcen binden.

Die Zeitersparnis ist auf der Kostenseite der erste Faktor. KI kann diverse Vorarbeiten verkürzen, etwa indem sie eingehende Informationen strukturiert, Textentwürfe erstellt, lange Vorgänge zusammenfasst oder Antwortmöglichkeiten vorbereitet. Dabei liegt der Mehrwert von KI nicht in der Übernahme fachlicher Arbeit, sondern in der Beschleunigung der vorbereitenden Schritte bis das Fachpersonal abschließend entscheidet.

Die Fehlerminimierung ist bei richtiger Anwendung der zweite Faktor. Fehler entstehen in der Verwaltung häufig aufgrund mangelnder Übersicht: falsche Zuordnung, übersehene Fristen, doppelte Arbeitsschritte, uneinheitliche Kommunikation. KI kann helfen, Vorgänge zu vereinheitlichen, Abweichungen sichtbar zu machen und sinnvolle Standards einzuhalten. Der betriebswirtschaftliche Effekt zeigt sich in weniger Nacharbeit, weniger Rückfragen, geringeren Eskalationen und stabileren Bearbeitungszeiten.

Die Personalentlastung ist einhergehend mit der Zeitersparnis der dritte Faktor. KI ersetzt keine Fachverantwortung – aber sie reduziert viele kleinteilige Tätigkeiten aus dem Tagesgeschäft, die Fachkräfte binden. Entlastung heißt dabei nicht zwingend „weniger Personal“, sondern bessere Kapazitätssteuerung: mehr Zeit für Eskalationsfälle, Dienstleistersteuerung, Qualitätskontrollen, Eigentümerversammlungen und vieles mehr. Wer diese Zeitgewinne konsequent nutzt, kann seine verwalteten Bestände vergrößern oder zusätzliche Leistungen anbieten, ohne die Arbeitsbelastung proportional zu erhöhen.

Der Wissenszugang ist der vierte und oftmals unterschätzte Hebel. In vielen Teams hängt operative Qualität an einzelnen Schlüsselpersonen: Wie wurde ein Sonderfall im Vorjahr gelöst? Welche internen Standards gelten? KI-gestütztes Wissensmanagement verkürzt Suchzeiten, erhöht Konsistenz und senkt das Risiko, dass Wissen nicht verfügbar ist, oder beim Ausscheiden von Mitarbeitern aus dem Unternehmen unwiederbringlich verloren geht. Voraussetzung dafür ist eine gepflegte Datenbasis und eine eindeutige Zuständigkeit für die Aktualität.

Ab wann rechnet sich KI?

Ökonomisch sinnvoll ist sie, wenn ein klarer Anwendungsfall regelmäßig vorkommt und die KI messbar Zeit und damit Kostenreduziert. Eine einfache Rechenweise genügt dabei bereits: (eingesparte Stunden × interner Verrechnungssatz) plus vermiedene Fehler- und Nacharbeitskosten müssen die laufenden Kosten für die KI-Anwendung übersteigen (Lizenzen, Integration, Schulungen etc.). Für den Praxiseinsatz eignen sich wenige, aber aussagekräftige Kennzahlen: Bearbeitungszeit pro Vorgang (z.B. Standardanfrage, Rechnung, Schadensmeldung), Erstreaktionszeit, Rückfragenquote, Einheiten pro Mitarbeitendem sowie der Anteil standardisierter Kommunikation. Wichtig ist, vor dem Start einen Ausgangswert zu erfassen und nach vier bis acht Wochen erneut zu messen. Nur so wird sichtbar, ob KI tatsächlich entlastet – oder nur zusätzlichen Aufwand und Kosten verursacht.

Praxistipp: Starten Sie mit einem Pilot-Projekt, das täglich mehrfach vorkommt, und messen Sie drei Werte: durchschnittliche Bearbeitungszeit, Rückfragenquote und Erstreaktionszeit. Erheben Sie diese Kennzahlen ohne die Unterstützung von KI und danach im KI-Prozess. Auf dieser Basis lässt sich der wirtschaftliche Nutzen beziffern – und der nächste Anwendungsfall gezielt priorisieren.

Redaktion (allg.)

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Seite 10
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