Wohnungsbau – einfach mal machen
Die fünfte Ausgabe der REA (Real Estate Arena) verzeichnete erneut ein Wachstum bei Ausstellern und Besuchern. Am 10. und 11. Juni präsentierten sich in Hannover 427 Aussteller. Gleichzeitig stieg der Zuspruch der Besucher. An den beiden Veranstaltungstagen kamen rund 7.800 Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland zum Messegelände.
Eröffnet wurde die Messe von Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, Grant Hendrik Tonne. In seiner Rede betonte der Minister die Bedeutung gemeinsamer Anstrengungen für mehr Wohnraum und den Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Praxis: „Gerade in herausfordernden Zeiten brauchen wir den offenen Austausch über neue Ideen und konkrete Lösungen“, sagte Tonne. „Die REA bietet dafür die ideale Plattform – denn nur im Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Praxis können wir die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt erfolgreich bewältigen.“ Der Minister verwies darauf, dass Niedersachsen bereits zahlreiche Vereinfachungen in der Bauordnung umgesetzt habe. Ziel sei es, Komplexität zu reduzieren, Verfahren zu beschleunigen und Investitionen wieder attraktiver zu machen. Immerhin: 101 von insgesamt 103 Bauämter in Niedersachsen nähmen digitale Bauanträge an.
Der Niedersächsische Weg zum einfachen Bauen
Der VdW Niedersachsen Bremen und der GdW unterstützen die norddeutsche Immobilienmesse. Die Verbände sind mit einem eigenen Messestand vertreten und organisieren Vorträge und Diskussionsrunden. Bereits eine Woche vor der REA hatten das Bauministerium, der VdW und die Messegesellschaft auf einer Pressekonferenz den „Niedersächsischen Weg zum erleichterten und kostengünstigen Bauen“ vorgestellt. VdW-Verbandsdirektorin Dr. Susanne Schmitt lobte das Ergebnis mit den Worten: „Einfach mal machen – dieser Devise sind wir mit dem Niedersächsischen Weg sehr nahegekommen“. Der „Niedersächsische Weg“ eröffnet unter anderem folgende Freiräume:
- Es gibt einen Basisstandard für den Neubau. Durch bewusstes Weglassen unnötiger technischer Komplexität, einfachere Bauformen oder den Verzicht auf teure Haustechnik können Baukosten deutlich reduziert werden.
- Die Stellplatzpflicht ist in Niedersachsen abgeschafft. VdW-Direktorin Schmitt bezifferte die Kosten pro Parkplatz mit 40.000 Euro.
- Der Umbau und die Aufstockung von Wohnungen sind einfacher. Der technische Standard des Bestandsgebäudes muss nicht angehoben werden.
- Die Möglichkeit der Bauanzeige, Genehmigungsfiktionen und die Nutzung neuer bundesrechtlicher Möglichkeiten sollen die Zeit bis zum Baubeginn deutlich verkürzen.
Bauminister Tonne und VdW-Direktorin Schmitt forderten auf der REA nachdrücklich einen Mentalitätswandel in der Bau- und Immobilienwirtschaft – einfach Bauen brauche Mut. Verwaltungen und Unternehmen müssten die neu geschaffenen rechtlichen Freiräume nun auch aktiv nutzen.
Der deutsche Hang zum Perfektionismus und zur Vorsicht war auch Thema einer Diskussionsrunde mit Architekten, in der selbstkritische Töne zu vernehmen waren. Die eigenen Ansprüche an die Qualität der Bauwerke seien zu hoch. Normen sollten lediglich als Leitplanken und nicht als Gesetze betrachtet werden. Weglassen bedeute nicht Wohnungen von schlechter Qualität zu bauen. Die Studien von Prof. Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) Kiel hätten gezeigt, dass die Technische Gebäudeausrüstung der größte Kostentreiber sei. Als Beispiel nannte VdW-Direktorin Susanne Schmitt das technische Konzept der mechanischen Wohnraumlüftung. Ihr Vorschlag zur Kostensenkung: „Auch das Öffnen von Fenstern ist ein Lüftungskonzept.“ Allerdings war sich die Runde der Architektinnen und Architekten darin einig, dass die Deutschen klagewütig seien. Daher der dringende Apell an die Bundesregierung, den Mut zum einfachen Bauen im Vertrags- und Mietrecht abzusichern.
REAL Future Conference erweitert den Blick auf die Zukunft
Die Vereinfachung und Beschleunigung von Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozessen kann nur durch Digitalisierung gelingen. Womit nach Ansicht der Macher der REA das Alleinstellungsmerkmal der Immobilienmesse in Hannover definiert ist. Seit 2025 ist die REAL Future Conference integraler Bestandteil der REA. Organisiert wird die Konferenz durch das Netzwerk Blackprint. Mit eigenen Formaten wie der Real Future Conference, den PropTech Pitches oder dem PropTech Germany Award sowie durch Kooperationen und Moderationen gibt Blackprint Innovationen eine Bühne und Zukunftsthemen eine Stimme. Die von Blackprint gestaltete REAL Future Conference setzte 2026 wieder wichtige inhaltliche Akzente. Auf neun Bühnen in einer eigenen Messehalle diskutierten Fachleute über die Auswirkungen wirtschaftlicher, kapitalmarktlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen auf die Bau- und Immobilienwirtschaft.
Europas größte Plattform für PropTechs
Nach Angaben der Messe-Macher ist die REA Europas größte Innovationschau im Bau- und Immobiliensektor. Auf der Messe waren mehr als 210 PropTechs als Aussteller vertreten. 180 Unternehmen präsentierten ihre Lösungen bei den REAL Pitches und qualifizierten sich für den PropTech Germany Award. „Mit den REAL Pitches und dem PropTech Germany Award schaffen wir eine Bühne, auf der Innovationstreiber und etablierte Unternehmen gezielt zusammenfinden“, sagte Orla C. Nolan, Managing Partnerin und COO von Blackprint. Für Besucher biete die REA damit einen frühen und direkten Zugang zu neuen Technologien, digitalen Lösungen und innovativen Geschäftsmodellen: von KI-Anwendungen über ESG-Tools bis hin zu digitalen Plattformen für Verwaltung, Facility Managment und Vermarktung.
Thomas Engelbrecht
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