Gastkommentar

Zirkularität im Bauwesen – Anspruch und Wirklichkeit

Kreislauffähigkeit ist einer der Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen. Das ist keine neue Erkenntnis. Die entscheidende Frage bei diesem Thema ist: Wo steht die Branche wirklich?

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Der Paradigmenwechsel vom linearen zum zirkulären Bauen muss erst noch stattfinden. Bild: Drago Designer / stock.adobe.com
Der Paradigmenwechsel vom linearen zum zirkulären Bauen muss erst noch stattfinden. Bild: Drago Designer / stock.adobe.com

Zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung klafft nach wie vor eine beunruhigend große Lücke. Erste Fortschritte sind sichtbar – etwa durch die zunehmende Integration von Lebenszyklusbetrachtungen in Planung und Zertifizierung. Doch strukturell fehlt es noch an Breite, Konsequenz und an einem Paradigmenwechsel: weg vom linearen, hin zum zirkulären Bauen als Normalzustand.

Irreführende Begriffe

Wer den Anspruch der Klimaneutralität bis 2045 ernst nimmt, muss bereit sein, das Fundament des Bauens neu zu denken – und zwar wortwörtlich. Es reicht längst nicht mehr aus, nur den Energiebedarf im Betrieb zu reduzieren. Der eigentliche Hebel muss wesentlich früher angesetzt werden: in den Emissionen, die entstehen, bevor ein Gebäude überhaupt genutzt wird – bei der Produktion und Verarbeitung von Baustoffen. Die Rede ist von der grauen Emission, auch embodied carbon genannt. Dieser Bereich wird bislang unterschätzt.

Allein schon der Begriff „embodied“ – also „verkörpert“ oder „enthalten“ – ist irreführend. Denn wenn keine nachwachsenden Materialien genutzt werden, sind die Emissionen nicht im Material gebunden, sie sind längst in der Atmosphäre, ab dem Moment der Herstellung. Sie wirken also sofort. In modernen, sehr gut gedämmten Gebäuden entfallen heutzutage oft weniger als 30 bis 40 Prozent der Emissionen auf den Betrieb. Der weitaus größere Anteil entsteht in den früheren Phasen: Rohstoffgewinnung, Transport, Produktion, Einbau. Wer dort nicht ansetzt, verfehlt das Ziel bereits vor dem ersten Spatenstich.

Kreislauffähigkeit muss innerhalb eines Systems funktionieren

Deshalb braucht es beides: die Dekarbonisierung der Baustoffindustrie und die konsequente Förderung geschlossener Materialkreisläufe. Nur wenn die Materialien nicht nur besser, sondern auch länger, wieder- und weiterverwendbar sind, kann der Bausektor tatsächlich Teil der Lösung werden. Das betrifft einzelne Materialien, aber vor allem die Art, wie wir bauen – modular, rückbaubar, dokumentiert, schadstofffrei. Denn Kreislauffähigkeit entsteht durch das System, in das sie eingebettet ist.

Wichtig ist also, das Thema im Ganzen zu betrachten statt isoliert technisch – im Rahmen des gesamten Wertschöpfungsprozesses sowie in seiner Bedeutung für Planung, Projektentwicklung, Investitionen, Geschäftsmodelle oder auch Partnerstrukturen.

Politisch ist das Thema längst auf der Agenda: Die EU-Taxonomie, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die DGNB-Zertifizierung und das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) setzen klare Anforderungen. Auch wenn das Omnibus-Verfahren bestimmte Prozesse flexibilisiert, bleiben die Berichtspflichten zu Lebenszyklus-THG und Kreislauffähigkeit bestehen, weil:

Die Hauptpflicht des Mieters im Geschäftsraummietverhältnis ist das Zahlen der Miete. Tut er dies nicht, sollte der Vermieter ernsthaft über eine Kündigung des Gewerbemietvertrags nachdenken. Anhand dieses Formulars können Sie die fristlose Kündigung wegen...
  • sie zentrale Anforderung der CSRD und EU-Taxonomie sind,
  • die Finanzwelt (Banken, Investoren) darauf angewiesen ist,
  • sie zunehmend zum Standard in ESG-Due-Diligence-Prozessen gehören – also überprüft werden,
  • nationale Regulierungen und Förderlogiken ebenfalls darauf aufbauen.

Digitale Werkzeuge schaffen dabei Transparenz: Lebenszyklusanalysen, Materialdatenbanken, BIM-basierte Ressourcenpässe (z.B. über Madaster oder Concular) ermöglichen es, Emissionen sichtbar zu machen, Wiederverwendbarkeit zu prüfen und Planungen gezielt zu verbessern. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch nicht in der Technologie, sondern im Timing. Wer Kreislaufaspekte erst in Leistungsphase 5 betrachtet, ist zu spät dran. Was nicht geplant, dokumentiert und sortenrein verbaut wurde, lässt sich später nicht mehr zurückgewinnen. Zirkularität muss von Anfang an mitgedacht werden.

Ebenso wichtig: Die Effizienz auf der Baustelle selbst. Abfallvermeidung, saubere Trennung, schadstofffreier Materialeinsatz, Rückführung statt Entsorgung – hier entscheidet sich, ob der Kreis sich tatsächlich schließt. Dabei sind unbedenkliche Materialien im Vorteil.

Fazit

Zirkularität ist ein zentrales Prinzip der Nachhaltigkeit. Sie fordert uns heraus, unsere Bau- und Immobilienprozesse grundlegend zu hinterfragen und neu zu gestalten. Wer bereit ist, Zirkularität zur Grundlage seines Geschäftsmodells zu machen, schafft nicht nur nachhaltigere Gebäude, sondern zukunftsfähige Strukturen. Die Chance ist da. Wir müssen sie jetzt nutzen.

Sebastian Theißen

Sebastian Theißen
Geschäftsführender Gesellschaft, LIST Eco
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Artikel Zirkularität im Bauwesen – Anspruch und Wirklichkeit
Seite 43
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