Frankfurt ist Deutschlands Green Building-Hauptstadt

03.10.2019

Denkt man an Frankfurt, kommen einem nicht unbedingt nachhaltig geplante und gebaute Gebäude in den Sinn. Nach einer Analyse von BNP Paribas Real Estate ist die Bankenmetropole in Hessen jedoch die Green Building-Hauptstadt Deutschlands. Rund 260 zertifizierte und zur Zertifizierung angemeldete Gebäude stehen in der Mainmetropole. Platz 2 belegt München (188 Objekte) vor Hamburg (187) und Berlin (182).

FOTO: PIXELIO/J.SABEL

Fast die Hälfte (116) der zertifizierten Gebäude befindet sich in den Frankfurter Citylagen. Im Ranking der einzelnen Büromarktzonen hat die Lage Innenstadt mit 41 Gebäuden die Nase vorn. Es folgen auf Platz 2 das Bankenviertel (35 Objekte) und überraschend auf Rang 3 der Frankfurter Flughafen (23 Gebäude). "Hierzu tragen Gateway Gardens, das auch als Quartier insgesamt zertifiziert wurde, das geringe Alter vieler Gebäude im Flughafenumfeld sowie die Struktur der Nutzer aus zahlreichen internationalen Unternehmen bei", betont Hermann Horster, Head of Sustainability der BNP Paribas Real Estate GmbH. 54 Prozent der Green Buildings liegen außerhalb der Frankfurter City.

Mehr Bestandsgebäude als Neubauten zertifiziert

67 Bestandsgebäuden stehen 49 Neubauten gegenüber. Der Grund dafür, laut Horster: "Seit rund 10 Jahren erklären immer mehr international agierende Unternehmen wie Banken und Dienstleister, dass sie entweder ausschließlich oder zumindest bevorzugt 'grüne' Objekte anmieten. Dementsprechend zertifizieren immer mehr Projektentwickler, Investoren und Asset Manager ihre Gebäude, um diese bonitätsstarken Unternehmen als Mieter zu gewinnen."

Intelligente Klimatechnik mit Hochleistungs-Heiz-und Kühldecken

Ein Beispiel für einen nachhaltigen Neubau ist der Omniturm auf dem sogenannten "Metzler-Areal" (Große Gallusstraße 16-18/Neue Mainzer Straße 40-42). Das Multi-use-Objekt mit Büro, Wohnen und öffentlichen Nutzungen bietet insgesamt 55.000 Quadratmeter Mietfläche auf 33 Etagen. Angestrebt wird eine Zertifizierung nach LEED Platin (Leadership in Energy and Environmental Design), unter anderem durch eine intelligente Klimatechnik mit Hochleistungs-Heiz-und Kühldecken sowie individueller Einzelraum- beziehungsweise Zonenregelung, manuell zu öffnenden Fensterklappen, Sonnenschutzverglasung, Regenwassernutzung, intelligenter Aufzugsteuerung sowie LED-Beleuchtung. Er wird noch in diesem Jahr fertig gestellt.

Verwendung modernster Energiestandards

Beispielhaft für ein Refurbishment steht der Global Tower. Das ehemalige Commerzbank-Hochhaus in der Neuen Mainzer Straße 32-36 wird aktuell grundlegend saniert. Auf 30 Etagen bietet das Bürogebäude insgesamt 30.000 Quadratmeter Mietfläche. Hier wird eine Zertifizierung nach DGNB Platin (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) angestrebt, unter anderem durch die Verwendung modernster Energiestandards, intelligenter Heiz-Kühl-Decken, mechanischer Lüftung und zusätzlich manuell zu öffnender Fenster für ein angenehmes Raumklima, der neuesten technischen Ausstattung sowie hoher Schallschutz- und Raumakustik-Qualitäten. Das 1974 erbaute Hochhaus wird voraussichtlich 2020 komplett revitalisiert sein.

Insgesamt wird in Deutschland jeder fünfte Euro in nachhaltige Gebäude investiert; bei Bürogebäuden ist es sogar jeder vierte Euro. Damit flossen 2018 über 10 Milliarden Euro (knapp 22 %) des Investitionsvolumens der gewerblichen Single Deals in Green Buildings. Neben den ökologischen Aspekten fließen auch ökonomische und soziale Kriterien in die Zertifizierung mit ein, um das gesamte Spektrum der Nachhaltigkeit abzubilden.

Suchbegriffe: Green BuildingNachhaltigkeit

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