Kommt die neue Wohnungsnot?

BFW, Mieterbund, IG-Bau und Bauwirtschaft schlagen Alarm. Wegen mangelnder Staatsförderung würden zu wenige Wohnungen und Häuser gebaut, zeigt eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie. Geringverdiener und Rentner könnten in den kommenden Jahren Opfer einer neuen Wohnungsknappheit in Deutschland zu werden.

Farbe Gelb zeigt Wohnungsmangel für 2025
Farbe Gelb zeigt Wohnungsmangel für 2025
Das Ergebnis einer Studie des Forschungsinstituts Prognos: 2025 soll es in drei Viertel aller deutschen Regionen einen Mangel geben. Die Folge wären steigende Mieten vor allem bei Ein-Personen-Haushalten. Die Verbände hinter der Studie haben sich zu der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ zusammengeschlossen und verlangen vom Staat, Neubauten mit Steuererleichterungen und Krediten zu fördern. Abseits dieser politischen Forderungen ist die Studie aber interessant, weil die Ergebnisse klarmachen, in welchen Regionen Wohnraum am knappsten ist. Die Studie unterscheidet zwischen Gegenden mit vielen Haushalten mit überdurchschnittlichem Nettoeinkommen und solchen mit unterdurchschnittlichem Einkommen: Spitzenreiter bei den reichen Regionen ist demnach München. Dort sollen 2025 mehr als 13 Wohnungen je 100 Haushalte fehlen. Rund um Hamburg und Stuttgart sieht es ähnlich aus. Bei den ärmeren Regionen stehen Oldenburg, Osnabrück und das Emsland vor der schärfsten Wohnungsknappheit. Im Osten Deutschlands gibt es dagegen einen deutlichen Überschuss an Wohnungen - mit Ausnahme von Berlin, Rostock und Teilen des Erzgebirges. Der Mieterbund warnt angesichts der Ergebnisse vor einer Ghettoisierung der Städte in arme und reiche Viertel und einem Anstieg der Kriminalität. Jährlich würden nur 175.000 Wohnungen gebaut - 200.000 zu wenig, sagte Bundesdirektor Lukas Siebenkotten. Am Ende drohten deutlich steigende Mieten und „Unbezahlbarkeit angemessenen Wohnraums“ für immer mehr Menschen. Der soziale Wohnungsbau sei „nahezu vollständig zum Erliegen gekommen“, es mangele vor allem an altersgerechten Wohnungen. Dass es in Deutschland bald zu wenig Wohnungen gibt, ist unter Experten allerdings umstritten. „Das ganze Gerede von Wohnungsknappheit ist Unsinn“, sagt Harald Simons vom Forschungsinstitut Empirica. In Wahrheit gebe es ein Gleichgewicht zwischen Neubauten und Nachfrage. „Der von wenigen Ausnahmeregionen abgesehen insgesamt ausgeglichene Wohnungsmarkt dürfte Forderungen nach neuen Wohnungsbausubventionen chancenlos bleiben lassen“, schreibt Simons in einem Gutachten. Aktuell werden außerdem erstmals seit dem Wegfall der Eigenheimzulage 2007 wieder mehr Wohnungen gebaut. Das Statistische Bundesamt teilte mit, im Vergleich zu 2008 sei die Zahl der Baugenehmigungen 2009 um 1,9 Prozent auf 178.000 gestiegen. Von den 178.000 genehmigten Wohnungen im vergangenen Jahr waren 154.100 Neubauten; im Rest sind unter anderem Umbauten an bestehenden Häusern oder Anbauten enthalten. Walter Rasch, Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, fasst die Forderungen der Immobilienwirtschaft zusammen: „Es müssen steuerliche Anreize geschaffen werden, die zu einer Entspannung des Mietwohnungsmarktes in Wachstumsregionen beitragen. Hierzu kann die befristete Wiedereinführung der degressiven Abschreibung oder die Erhöhung der linearen AfA auf vier Prozent als geeignetes Instrument dienen.“ Diese befristete Verdoppelung des Abschreibungssatzes in den ersten acht Jahren der Investition kann den Mietwohnungsbau in Ballungszentren deutlich fördern. Solche höheren Abschreibungssätze seien für den Bund kostenneutral, weil die Neubautätigkeit stimuliert würde und es zusätzliche Haushaltseinnahmen gäbe - das kompensierte Steuerausfälle und erbringe sogar Mehreinnahmen für den Fiskus.
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