Immobilienverbände fürchten eine weitere Schwächung der Baukonjunktur
Wie die Wohnungswirtschaft die aktuelle politische Lage einschätzt
Nach dem Koalitionsbruch durch Finanzminister Christian Lindner (FDP) droht das Scheitern wichtiger Gesetzesnovellen wie die Entschlackung des Baugesetzbuches und die Einführung des Gebäudertyps E. Der GdW fordert nach dem Ampel-Aus, dass schnell wieder Verlässlichkeit hergestellt wird. GdW-Präsident Axel Gedaschko stellt fest: „Je eher die Vertrauensfrage gestellt wird und damit der Weg für Neuwahlen und dann eine hoffentlich stabile Regierung geebnet wird, desto besser ist es für alle zu treffenden Investitionsentscheidungen.“ Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen bräuchten für ihre langfristigen Planungen schnell Klarheit und Verlässlichkeit.
GdW: „Vertrauensfrage so früh wie möglich stellen“
Die Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses, Iris Schöberl, mahnt: „In dieser angespannten Lage verbietet sich kollektiver Stillstand.“ Bei drängenden Themen wie Wohnen, Innenstadtentwicklung und einer klugen Klimapolitik könne sich Deutschland definitiv keine Auszeit erlauben, warnt die ZIA-Präsidentin. Die Bundesregierung habe mit der Förderung über das KfW-Programm für klimafreundlichen Neubau im Niedrigpreissegment (KNN) und mit den geplanten Erleichterungen im Baugesetzbuch die „richtige Richtung eingeschlagen“. Jetzt gehe es darum, „diesen Kurs noch konsequenter fortzusetzen, damit Investoren, die gern mehr Wohnraum schaffen wollen, ihren Wunsch auch in die Tat umsetzen.“
ZIA: „Monatelange Ungewissheit wäre brandgefährlich“
Um die energetische Sanierung der Gebäude voranzutreiben, brauche es die Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF). „Es wäre verantwortungslos, faktisch schon getroffenen Zusagen auch für das Jahr 2025 jetzt aufzukündigen“, sagt Schöberl. Das Land verliere ohnehin gerade ökonomisch an Boden. „Monatelange Ungewissheit wäre für die Wirtschaft brandgefährlich.“
Auch der Bauherren-Schutzbund (BSB) blickt mit Sorge auf die nächsten Monate bis zur Bildung einer neuen Bundesregierung. Geschäftsführer Florian Becker warnt vor Förderstopps für Bauherren und Immobilienmodernisierer. „Diese erneute große Unsicherheit wird den Wohnimmobilienmarkt auf jeden Fall weiter schwächen und die Bereitschaft, in die eigenen vier Wände zu investieren, schmälern.“ Becker geht davon aus, dass die Neubauzahlen weiter sinken werden. Ebenso sei mit einem nochmaligen Rückgang der Sanierungsquote zu rechnen.
IW: "Die Vorschläge des Kanzlers sind richtig"
Der Direktor des IW Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Prof. Michael Hüther bestätigt die Haltung von Bundeskanzler Olaf Scholz: "Was Deutschland bis zum Jahresende braucht, sind Instrumente, die die Wirtschaft kurzfristig stabilisieren. Die Vorschläge des Bundeskanzlers, darunter die überfällige Reform der Netzentgelte, eine Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten auf Investitionen und ein – freilich ordnungspolitisch sauberes – Paket für die angeschlagene Autoindustrie, sind richtig." Ob das Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) von der zeitweiligen Unterstützung einer Minderheitsregierung überzeugen kann, ist ungewiss.















