Mit Aufzügen barrierefreie Lebensräume schaffen

Der Aufzug bildet den Kern des barrierefreien Gebäudes. Dabei bedeutet Barrierefreiheit mehr als die starre Einhaltung technischer Regelwerke. Es geht um überzeugende Komplettlösungen, die im produktiven Diskussionsprozess des Bauherrn mit dem Architekten, den Fachplanern und Gebäudeausrüstern entstehen.

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Hell beleuchtete Kabinen und Vorräume, kabinenhohe Spiegel und richtig platzierte Bedienelemente erleichtern die Nutzung des Aufzugs. FOTO: KONE
Hell beleuchtete Kabinen und Vorräume, kabinenhohe Spiegel und richtig platzierte Bedienelemente erleichtern die Nutzung des Aufzugs. FOTO: KONE

Eine gute Grundlage bietet die Richtlinie 6008 des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) über barrierefreie und behindertengerechte Wohnungen. Die Richtlinie fasst zahlreiche Empfehlungen und Informationsschriften der Fachverbände zu einem großen, sehr gut lesbaren Ganzen zusammen und zeigt, wie mittels Elektro-, Kommunikations-, Licht- und Fördertechnik sinnvolle Lösungen aussehen können.

Die VDI 6008 zeigt, was möglich und mit Blick auf die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung notwendig ist. „Spätestens im Jahr 2040 wird jeder 3. Bewohner in Deutschland über 65 Jahre alt sein!“, stellen die Autoren fest.

Mehr Komfort, mehr Wert

Der Aufwand für Investoren ist häufig geringer als gedacht, abgesehen davon, dass barrierefreie Lösungen oft genug den Komfort für Nutzer und Bewohner erhöhen und damit wertsteigernd wirken. Das heißt zunächst: Sollte ein Gebäude nicht schon bei Errichtung mit einem Aufzug ausgestattet sein, ist zumindest die Option offen zu halten, die Anlage bei Bedarf nachrüsten zu können. Die Flächen, die später als Vorräume dienen, sollten entsprechend groß ausgeführt werden, um auch Rollstuhlfahrern genügend Bewegungsfläche zu bieten. Hilfreich können Aussparungen in den Betondecken sein, um den Aufzug später ohne Bohrungen durchs Haus zu führen; die Durchbrüche werden in Leichtbauweise verschlossen.

Wird oft übersehen: Die Helligkeit der Kabine

Sowohl Kabine als auch Vorräume müssen gleichmäßig gut und blendfrei ausgeleuchtet werden. Denn mit dem Älterwerden nimmt die Fähigkeit des Auges ab, sich auf Wechsel in der Helligkeit einzustellen. Dazu kommt die Eintrübung der Linse durch die UV-Strahlung, die letztlich eine Verdopplung der Beleuchtungsstärke für Senioren notwendig macht. Doch auch jüngere Menschen können an Einschränkungen der Sehfähigkeit leiden und sind dankbar, wenn die Beleuchtung stimmt. Die Richtlinie empfiehlt daher mindestens 300 Lux, besser noch 500 Lux, statt der von der DIN EN 18-20 mindestens geforderten 100 Lux im Fahrkorb und 50 Lux vor den Schachttüren.

Schacht- und Kabinentüren sollten verlängerte Öffnungszeiten erhalten

Damit ältere oder schwächere Personen nicht Gefahr laufen, von schließenden Türen erfasst zu werden, sollten die Öffnungszeiten der Kabinentüren verlängert werden. Zwar sorgen Lichtgitter dafür, dass die Türen in diesem Falle sofort wieder aufgehen. Dennoch bleibt ein Restrisiko, dass sich durch Änderungen in der Steuerung des Aufzugs leicht verringern lässt. Und Rollstuhlfahrer empfinden es als angenehm, wenn ihnen die Türen mehr Zeit zum Ein- und Ausfahren lassen. Also einfach mal den Servicetechniker ansprechen. Nicht in der Richtlinie erwähnt, doch ebenfalls eine Überlegung wert, ist eine Vorraumüberwachung: Sie lässt die Aufzugtüren wieder aufgehen, sobald sich Personen nähern.

KONE „Residential Flow“

Wie wäre es, wenn man – die Einkaufstüten in der Hand – die Haustür nicht mehr selbst aufschließen müsste? Wenn die Tür automatisch aufginge, sobald man sich ihr nähert? Wenn gleichzeitig der Aufzug mit geöffneten Türen wartete, um einen – ohne Tastendruck – in die eigene Etage zu fahren?
Das wäre ein großer Schritt hin zu einem barrierefreien Lebensraum, den KONE jetzt mit Einführung von „Residential Flow“ startet: einer Lösung, die Aufzüge und Türen miteinander verbindet und den mechanischen Schlüssel um den digitalen Türöffner, die Smartphone-App, ergänzt.

Autor: Thomas Lipphardt, Manager Technische Regelwerke, KONE GmbH

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