Immobilienwirtschaft im zweiten Corona-Lockdown

Der Schock bleibt bislang aus

Das Gesamtbild der Immobilienwirtschaft in der Corona-Krise ist widersprüchlich. Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen stabilisieren bislang die Mietzahlungen – bei Wohnungsmieten fast komplett, bei Gewerbemieten mit gefährlichen Lücken. Das Gewerbemietenniveau bröckelt dennoch bislang nicht.

Zum zweiten Mal alles dicht: Gastronomen fürchten die Pleite. Foto: Adobestock/www.push2hit.de
Zum zweiten Mal alles dicht: Gastronomen fürchten die Pleite. Foto: Adobestock/www.push2hit.de

Trotz Corona-Krise sind die Büromieten auch im Jahr 2020 weiter gestiegen, jedoch im zweiten Halbjahr mit abnehmender Dynamik. Das meldet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Vielfältiger seien die Mietentwicklungen für Einzelhandelsobjekte, doch auch hier bleibe ein Corona-Schock aus. Die Entwicklungen der beiden Segmente des Gewerbeimmobilienmarktes Büro und Einzelhandel seien höchst unterschiedlich. Während die Angebotsmieten für Büroobjekte in den zwölf untersuchten führenden Standorten im Jahr 2020 zwischen drei und zehn Prozent gestiegen seien, gab es im Einzelhandel sowohl Preissteigerungen als auch Preisrückgänge. Dies zeigen die Daten des GIMX (Gewerbeimmobilienindex von ImmoScout24 Gewerbe und IW) für das zweite Halbjahr 2020. Die Ergebnisse könnten angesichts der Stärke des wirtschaftlichen Einbruchs im Jahr 2020, der Homeoffice-Erfahrungen im Büromarkt und der Umsatzverluste des Einzelhandels insbesondere in den Innenstädten überraschen. Dabei sollte aber zwischen kurz- und langfristigen Effekten der Corona-Pandemie unterschieden werden, warnt das IW. Die kurzfristigen Effekte der Wirtschaftskrise würden zum einen durch die zahlreichen Konjunkturhilfen wie das Kurzarbeitergeld oder die Überbrückungshilfen abgefedert. Die mittel- und langfristigen Entwicklungen im Immobilienmarkt blieben daher abzuwarten und würden sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Längerfristig könnten Insolvenzen insbesondere den Einzelhandelsmarkt bedrohen, gerade wenn Kurzarbeiterregelungen auslaufen. Im Büromarkt könnten durch Digitalisierung Stellen abgebaut und zumindest teilweise ins häusliche Arbeitszimmer verlagert werden.

Gewerbemieten fallen häufiger aus

Viele Gewerbetreibende können aufgrund der Corona-Krise ihre Miete nicht bezahlen. Im Dezember verzeichneten die Mitgliedsunternehmen im Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw) Rückstände bei den Gewerbemieten von rund 5,5 Prozent. Im Vergleich zum Dezember 2019 habe sich diese Quote fast verdreifacht. Anders als beim Gewerbe bleibe die Lage bei den Wohnungsmieten entspannt. Die Mietrückstände waren im „Corona-Jahr“ 2020 kaum höher als im Jahr 2019 und belaufen sich auf ca. zwei Prozent. Die Umfrage des Verbandes, an der sich 58 vdw-Mitglieder mit insgesamt 195.000 Wohnungen und 2032 Gewerbeeinheiten beteiligten, ergab außerdem: Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen hat im vorigen Jahr weniger Wohnungswechsel als üblich verzeichnet. Rund ein Drittel der Befragten gab an, dass es zu mehr Streitfällen unter Mietern gekommen sei. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung kommen die Vermieter zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen: Während ein Drittel hohe und sehr hohe Risiken sehe, schätzten ein Drittel die Risikolage als gering bis sehr gering ein; ein weiteres Drittel vermute ein mäßiges Risiko für weiter steigende Mietrückstände bei Gewerbemietern.

BBU-Marktmonitoring 2020

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) nahm Anfang Februar in seinem „Marktmonitoring 2020“ ausführlich Stellung zur Corona-Situation in Berlin und Brandenburg. Für Wohnungen bei BBU-Mitgliedsunternehmen in Berlin sei die ohnehin schon sehr geringe Zahl der Mietstundungsanträge infolge von Corona nochmal deutlich niedriger als bei der letzten Umfrage im Juni 2020. Hatten damals 0,23 Prozent der Mieter und Mieterinnen aufgrund der Pandemie Mietstundungen beantragt, waren es im Januar 2021 nur noch 0,03 Prozent. Die positive Entwicklung gelte auch für Wohnungen von BBU-Mitgliedsunternehmen im Land Brandenburg. Lagen im Juni 2020 noch für 0,09 Prozent der Mietverhältnisse Corona-bedingte Stundungsanträge vor, betrug dieser Wert im Januar 2021 nur noch 0,08 Prozent.

Schwieriger sehe es bei den Gewerbemietern aus. Die Zahl der Mietstundungsanträge von Gewerbemietern bei BBU-Mitgliedsunternehmen in Berlin lag im Januar 2021 bei rund zwei Prozent (im Juni 2020 war dieser Wert nicht abgefragt worden). Zudem sei bei rund 24 Prozent der Unternehmen die Zahl der Gewerbemieten-Stundungsanträge in den letzten Monaten „eher“ (rd. 19 %) oder „stark“ (rd. 4 %) gestiegen – wobei es auch bei rund 18 Prozent „eher“ (rd. 10 %) oder „stark“ (rd. 8 %) sinkende Antragszahlen gab. Verbandschefin Maren Kern interpretiert: „Man sieht an solchen Werten, wie ungleich die Hilfen für Gewerbetreibende ankommen.“

Im Land Brandenburg sei die Lage bei den Gewerbemietern noch etwas schwieriger. Hier liegen den Unternehmen von rund 5,5 Prozent der Gewerbemieter Anträge auf Mietstundungen vor. Bei rund 16 Prozent der Unternehmen hat die Zahl der entsprechenden Anträge in den letzten Monaten „eher“ zugenommen, bei sieben Prozent sogar „stark“.

Das decke sich auch mit einer Umfrage im Januar des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e.V. In Berlin und vor allem im Land Brandenburg gaben dabei rund 73 Prozent der antwortenden Geschäftsinhaber an, dass die bisherigen Hilfen nicht zur Existenzsicherung ausreichten. Entsprechend fürchten rund 40 Prozent, ohne zusätzliche Unterstützung spätestens im zweiten Halbjahr ihr Geschäft aufgeben zu müssen. Maren Kern zeigt sich besorgt. Angesichts vielerorts schon jetzt hoher Wohnungsleerstände in Brandenburg gehe es um die Zukunft der Städte. (Red.)

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