Nach Angaben des Beratungsunternehmens Colliers erreichte das institutionelle Wohninvestmentsegment im ersten Halbjahr 2025 ein Transaktionsvolumen von rund 4,3 Milliarden Euro – acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, in dem 4,0 Milliarden Euro verzeichnet worden seien. Mit 1,9 Milliarden Euro im zweiten Quartal habe das Ergebnis dennoch fast 24 Prozent unter dem des ersten Quartals gelegen. Das schwächere Ergebnis des zweiten Quartals sei darauf zurückzuführen, dass mit 69 Transaktionen weniger Kauffälle am Markt registriert wurden als im Vorquartal (80 Kauffälle).
Wohnen vor Einzelhandel, Logistik und Büro
Das amerikanische Investment-Unternehmen CBRE schaut sich die Verkäufe ab 50 Wohneinheiten an und errechnet für das erste Halbjahr 2025 ein Transaktionsvolumen von vier Milliarden Euro. Damit sei Wohnen mit 27 Prozent Marktanteil vor Einzelhandel, Logistik und Büro, die stärkste Assetklasse am Immobilieninvestmentmarkt gewesen. Zwar liege der Mittelwert der vergangenen fünf Jahre bei 7,3 Milliarden Euro, jedoch sei dieser Wert getrieben von einigen Mega-Deals der letzten Jahre, wie etwa die Übernahme der Deutsche Wohnen durch Vonovia. Insgesamt werde die anhaltend hohe und weiter steigende Nachfrage nach Wohnen bei den Investoren sich im Laufe des Jahres auch positiv auf das Transaktionsgeschehen auswirken.
Projektenwickler trauen sich wieder mehr zu
CBRE hat auch die Aktivitäten von Projektentwicklern unter die Lupe genommen: Auch bei Projektentwicklungsdeals zeige sich eine deutliche Marktstabilisierung. Hier wurden im ersten Halbjahr insgesamt 1,1 Milliarden Euro investiert – rund 27 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Das wachsende Volumen verdeutlicht das zunehmende Vertrauen der Investoren in Neubauprojekte, auch wenn der relative Marktanteil gegenüber 2024 leicht zurückging“, erläutert Jirka Stachen, Head of Research Consulting Continental Europe bei CBRE.
Die Investmentmanager von JLL liefern für das erste Halbjahr ein ganz ähnliches Bild des deutschen Wohninvestmentgeschehens ab. Mit 4,4 Milliarden Euro liege der Investmentumsatz im ersten Halbjahr um rund 28 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. In 119 Transaktionen seien rund 31.000 Wohneinheiten gehandelt und damit deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum (18.900).
Zinssenkung der EZB heben die Zuversicht
Ein Faktor der neuen Zuversicht bildet nach Auffassung von JLL das verbesserte Kapitalmarktumfeld. So habe sich die Inflation im Euroraum im Juni 2025 bei rund zwei Prozent stabilisiert, wobei die EZB angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheiten eine flexiblere Geldpolitik anstrebe. Auch Colliers bestätigt, dass sich die Zinssenkungen der EZB positiv auf die Stimmung der Investoren auswirke. Weiterhin schreibt Colliers in einer Pressemitteilung: „Positiv wird auf Investorenseite der Wohnungsbauturbo der neuen Bundesregierung bewertet, die den Fokus auf vereinfachte und deutlich schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, die Förderung seriellen Bauens und die Einführung vereinfachter Gebäudetypen legt, während die Verlängerung der Mietpreisbremse kritisch bewertet wird.“
Anhaltende Mietsteigerung zieht Kapitalgeber an
Für institutionelle Investoren bleibe das Wohninvestment eine attraktive Anlageklasse, weil sich der Anstieg der Mieten in den städtischen Ballungsräumen nach Einschätzung von Colliers fortsetzen wird. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien die Angebotsmieten im Bestandssegment in den A-Städten um rund vier Prozent und im Neubausegment um sechs Prozent gestiegen – im Bestandssegment bedeute dies seit langem eine leichte Abschwächung der Wachstumsraten. Die Durchschnittsmieten bei Neuvermietungen für Bestandswohnungen liegen in den A-Städten bei 16,45 Euro pro Quadratmeter und im Neubausegment bei 21,80 Euro. Einige Städte zeigten dabei eine besonders dynamische Mietpreisentwicklung in den letzten 12 Monaten. So verzeichneten Hamburg und Frankfurt jeweils einen Anstieg von sieben Prozent und Düsseldorf legte um sechs Prozent zu. Das höchste Mietpreisniveau liege weiterhin in München mit 25 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von Hamburg (22,40 Euro) und Frankfurt (21,40 Euro).
Vertrauen in die neue Bundesregierung
Vor diesem Hintergrund bleibe die Marktstimmung trotz Unsicherheiten insgesamt positiv, denn sie werde von einem kontinuierlichen Mietwachstum und der starken Nachfrage nach Bestandsobjekten getragen. Colliers rechnet mit einem weiteren positiven Jahresverlauf und hält ein Transaktionsvolumen von bis zu zwölf Milliarden Euro für realistisch. Die Analysten von CBRE prognostizieren mit acht bis zehn Milliarden Euro ein ähnlich hohes Gesamtvolumen für die Transaktionen im Bereich Wohnimmobilien für das laufende Jahr. Wörtlich schreibt CBRE:
Der Ausblick auf das Gesamtjahr bleibt deutlich optimistisch – nach der Bundestagswahl mit einem ersten positiven Statement für den Wohnimmobilienmarkt, einer etwas berechenbareren US-Wirtschaftspolitik und einer höheren Bereitschaft seitens der Investoren in Wohnimmobilien zu investieren.“













