Corona-Krise

Gewerbliche Mieter lassen stunden

Der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV Deutschland) führte im April eine Umfrage durch, deren Erfebnisse jetzt vorliegen. Die Zahlungsfähigkeit von gewerblichen Mietern ist in weit größerem Maße beeinträchtigt als die von privaten Wohnungsmietern und privaten Eigentümern. Immobilienverwaltungen müssen die Begehungen ihrer Bestände in erheblichem Umfang einschränken und können damit nicht mehr sicherstellen, dass Schäden frühzeitig erkannt werden.

BILD: PIXABAY
BILD: PIXABAY

 

Hinterfragt wurde, in wieweit die Zahlungsfähigkeit von Mietern und Eigentümern durch Einnahmenausfälle oder Kurzarbeit reduziert ist. 61,2 Prozent der Unternehmen, die in der Gewerbeverwaltung tätig sind, verzeichnen aktuell verstärkt Anfragen zu Mietstundungen durch die gewerblichen Mieter.

In der Wohnimmobilienverwaltung ist der Anteil der Anfragen zu Mietstundungen mit 29,4 Prozent erheblich niedriger. Derzeit noch geringer ist die Zahl privater Wohnungseigentümer, die mit Zahlungen in Bedrängnis geraten: Nur 10,9 Prozent der Verwaltungen von Wohnungseigentümergemeinschaften registrieren verstärkt Verzögerungen oder das Ausbleiben von Hausgeldzahlungen. 19,2 Prozent der WEG-Verwaltungen erwarten allerdings Probleme bei Zins-, Tilgungs- und Rückzahlungen von Krediten.

Wirtschaftliche Probleme mit gesellschaftlichen Folgen

„Diese Umfrageergebnisse belegen: Im Bereich der gewerblichen Mieter und ihrer Vermieter zeichnen sich erhebliche wirtschaftliche Probleme mit entsprechenden gesellschaftlichen Folgen ab. Das deckt sich mit den Rückmeldungen, die wir aktuell bekommen: Drei von vier gewerblichen Mietern, die ihre Betriebe schließen mussten, nehmen die Stundung in Anspruch. In der Wohnungsvermietung sind die Ausfälle hingegen momentan deutlich geringer. Dies könnte sich weiter verschärfen, wenn Mieter Arbeitsplätze verlieren oder noch länger in Kurzarbeit sind”, so VDIV-Deutschland-Geschäftsführer Martin Kaßler. Aus Sicht des Spitzenverbandes muss die Politik in den kommenden Wochen daher stärker neben den Gewerbetreibenden auch den gewerblichen und privaten Vermieter in den Fokus rücken. „Die aktuell diskutierte Ausweitung des Rettungsschirms ist unbedingt notwendig.”

88,1 Prozent der Befragten gaben an, aufgrund der Pandemie Begehungen in ihren verwalteten Beständen einzuschränken. Für Eigentümer und Mieter hat das unmittelbare Folgen. Potenzielle Schäden können nicht erkannt werden. Das führt zu höheren Kosten in der Beseitigung.

Bau-, Instandhaltungs- und Sanierungsprojekte werden zum Problem

„Der VDIV Deutschland setzt sich deshalb im Interesse von Eigentümern und Bewohnern nachdrücklich dafür ein, dass die Tätigkeit des Immobilienverwalters als systemrelevant eingestuft wird, damit Begehungen im üblichen Umfang durchgeführt werden können”, betont Martin Kaßler.

Zudem werden Bau-, Instandhaltungs- und Sanierungsprojekte zum Problem. 88,9 Prozent der Befragten erwarten bei der Umsetzung Verzögerungen. 44 Prozent haben festgestellt, dass Handwerksfirmen keine Notdienste oder Reparaturen mehr im gewohnten Umfang ausführen. Derzeit müssen 63 Prozent der Verwaltungen einen erhöhten Aufwand bei der Einholung von Handwerkerangeboten erbringen. 93,7 Prozent der Verwaltungen halten die Pflicht, drei Angebote einholen zu müssen, nicht für zeitgemäß, weil dies in der Praxis nicht mehr umsetzbar ist.

An der Online-Umfrage, die der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV Deutschland) vom 1. bis 22. April durchgeführt hatte, nahmen rund 1.100 Immobilienverwaltungen aus ganz Deutschland teil.

 

Printer Friendly, PDF & Email
4.10.2023
Pandemie und Energiepreis-Explosion
Erfreuliche Nachricht aus dem ansonsten eher gebeutelten Wohnungsmarkt: Die befürchtete Welle von Mietschulden und Zwangsräumungen als Folge von Pandemie und Gaspreissteigerung ist dank Hilfen der...
10.3.2025
Umrüstung auf fernauslesbare Messgeräte
Die Ausrüstung von Wohnungen mit fernauslesbaren Messgeräten schreitet in Deutschland deutlich voran. Dennoch erhalten sehr viele Haushalte noch keine monatlichen Informationen über den Wärmeverbrauch...
28.5.2024
Klimaschutz für WEG-Objekte
Für die meisten WEG ist die energetische Gebäudesanierung eine unlösbare Aufgabe. Eigentümern fehlt es an Informationen und Kapital, Immobilienverwaltungen an Kompetenz, Personal und Extra-Vergütungen...
12.2.2025
Studie des BVI
Laut einer neuen Verwalterentgeltstudie zahlen Wohnungseigentümergemeinschaften ihren Verwaltern je nach Größe und Lage des Objekts bei Neuabschlüssen derzeit zwischen 27,37 Euro und 41,65 Euro brutto...
10.9.2025
Die IT-Kosten in Immobilienverwaltungen steigen, vor allem durch den hohen Anteil von ERP-Systemen an den Gesamtausgaben. ERP-Systeme bilden das digitale Fundament für die operativen Abläufe im...
24.9.2024
VDIV kürt Immobilienverwalter des Jahres
Auf dem 32. Deutschen Verwaltertag in Berlin wurden wieder drei „Immobilienverwalter des Jahres“ ausgezeichnet. Der VDIV hat in diesem Jahr „Innovatoren und Enthusiasten“ zur Teilnahme am Wettbewerb...