Fazit GdW-Umfrage zum digitalen Wandel der Wohnungswirtschaft

Nun mal nichts überstürzen!

Sie stehen in den Startlöchern, befinden sich vielfach noch am Anfang des Wandels oder nehmen langsam Fahrt auf; mit diesen Bildern beschreibt der Spitzenverband GdW den Status der Wohnungswirtschaft beim digitalen Transformationsprozess nach einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen.

BILD: ADOBESTOCK/R.KNESCHKE
BILD: ADOBESTOCK/R.KNESCHKE

Das Hamburger Beratungsunternehmen Analyse & Konzepte hat die Online-Umfrage binnen zwei Wochen im Frühjahr durchgeführt. Angesprochen waren die 426 Mitgliedsunternehmen des GdW, die in die Gremienarbeit des Verbandes eingebunden sind. Die Fragen wurden von 39 Prozent dieser Gruppe beantwortet.

Digitaler Status quo in Wohnungsunternehmen

Bei den meisten Unternehmen hat die Digitalisierung in den Bereichen Rechnungswesen und Controlling ihren Anfang genommen. Zwei Drittel beurteilen den Fortschritt in diesen Bereichen bereits als sehr hoch. Auch die Bereiche Vermietung und Unternehmensführung sind bei etwa 45 Prozent bereits hoch digitalisiert. Wenig digitalisiert hingegen: die Abteilungen Personalwesen, Bau und Modernisierung. Die Unternehmen (83 %) setzen stark auf mobile Endgeräte in Verbindung mit digitalen Plattformen; jedes vierte Unternehmen nutzt zudem das Cloud-Computing.

Der Antrieb zum Wandel kommt meist nicht von innen sondern von außen, sei markt- und nachfragegetrieben; so sehen es jedenfalls 63 Prozent. Der GdW zieht den Schluss: „Digitalisierung muss im Unternehmen stärker organisiert werden.“ Vielfach fehle es noch an einer strategischen Ausrichtung, besonders in kleinen Unternehmen kümmere sich der Vorstand selbst darum, den Wandel voranzubringen. Das allerding mit einem schmalen Zeitbudget, wie Analyse & Konzept diagnostiziert: „Nur jedes fünfte Unternehmen investiert mindestens einen Tag pro Woche für das Thema. Jedes dritte Unternehmen befasst sich hingegen gar nicht gezielt mit der Digitalisierung.“

Hürden und Chancen der Digitalisierung

Das Fehlen einer klaren Digitalisierungsstrategie erkennen die befragten Unternehmen als Hauptgrund für die nur langsam voranschreitende Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft. Hinzu kommen aus Sicht jedes zweiten Unternehmens fehlende personelle Ressourcen und innere Widerstände. Letzteren Grund benennen vor allem die großen Wohnungsunternehmen, zusammen mit dem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern.

Darüber hinaus halten 46 Prozent der Unternehmen die vorhandenen Technologien für noch nicht ausgereift genug. Dies äußern vor allem kleinere bis mittlere Unternehmen. An den Finanzen und der Akzeptanz durch Kunden mangelt es hingegen kaum.

Nach den Chancen befragt, nennen die Unternehmen in erster Linie Effizienzsteigerungen und eine Verbesserung der Qualität. Digitale Datensammlungen werden als Grundlage für bessere Planungen und ein verbessertes Wissensmanagement gesehen. Darüber hinaus würden durch die Standardisierung von Prozessen Fehler minimiert und Ressourcen für komplexere Aufgaben freigesetzt.

Zusätzliche Erlösquellen aus neuen digitalen Geschäftsmodellen erkennen die meisten Befragten nicht; jedes dritte bis vierte Unternehmen erkennt hier keine Chance, auch große Wohnungsunternehmen sind skeptisch.

Nur fünf Prozent haben bereits neue digitale Geschäftsmodelle entwickelt und 30 Prozent planen, dies innerhalb der nächsten fünf Jahre zu tun. Treiber der Digitalisierung sind vor allem die großen Wohnungsunternehmen ab 10.000 Wohnungen, die sich auch als Vorreiter der Branche verstehen.

Voraussetzung für die Entwicklung neuer Erlösmodelle sei, dass Daten und Informationen im Unternehmen nicht nur digital vorliegen, sondern auch medienbruchfrei vernetzt sind.

Die digitale Mieterakte ist in jedem dritten Unternehmen vorhanden und auch die digitale Verkehrssicherung sowie – getrieben durch die Internetportale – die Vermarktung von Wohnungen ist bei jedem vierten bis fünften Unternehmen umgesetzt.

Die Öffnung der eigenen Systeme für Dritte sowie die Nutzung der generierten Daten und digitalen Informationen findet hingegen derzeit noch nicht statt.

Besonders fern liegen im Moment der Einsatz von BIM (Building Information Modelling) oder die Kooperation mit Start-ups.

„Keine Gefahr durch branchenfremde Konkurrenz“

Die Befragten sehen bisher nur geringe Auswirkungen auf Produkt und Wettbewerb. In erster Linie werde die Ausrüstung der Wohnung mit Netzinfrastrukur für Smart-Home-Anwendungen und die dezentrale Energieversorgung voranschreiten.

Eine grundlegende Veränderung der Wohnungsunternehmen weg vom reinen Wohnungsanbieter – und somit auch der Markteintritt von branchenfremden Unternehmen – wird hingegen für weniger wahrscheinlich gehalten.

Autor: Thomas Engelbrecht

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