Objektbericht: Solare Autarkie im Altbau ist finanzierbar

Ist die Energiewende in einem denkmalgeschützten Altbau von 1912 wirtschaftlich? Ja, sie ist es. Das macht der Umbau in der Chemnitzer Kanalstraße deutlich. Das Bauunternehmen FASA AG macht mit Hilfe von Solarthermie und Langzeit-Wärmespeichern aus dem heruntergekommenen Straßenzug eine „Sonnenallee“ - Mit lediglich 10 cm Dämmung, einem solaren Wärmedeckungsgrad von 90 % und einem Mietpreis von 6,50 €.

Vor der mutigen Sanierung war die Häuserreihe in der Kanalstraße heruntergekommen. FOTO: FASA AG
Vor der mutigen Sanierung war die Häuserreihe in der Kanalstraße heruntergekommen. FOTO: FASA AG

Die Gebäude entlang der Kanalstraße werden zurzeit modernisiert und wärmeener­gieautark gemacht. Das sei deutschland­weit einmalig, da ein kumulierter solarer Deckungsgrad von 90 % bislang nur bei we­nigen Neubauten von (Einfamilien-)Sonnen­häusern erzielt worden sei.

Die baulichen und haustechnischen Ziele

  • Sanierung in gehobener Qualität unter Einhaltung denkmalschutzrechtlicher Vor­gaben für die straßenseitige Fassade, das Treppenhaus, Eingangstüren, Gelän­der, Fenster und die Holzbalkendecken.
  • Nutzung eines regenerativen, solaren Energiekonzeptes mit möglichst gerin­gem CO2-Ausstoß und geringen Neben­kosten für Heizung und Warmwasser. In den Altbau wird solare Technik eingebaut, die das Bauunternehmen bereits vielfach im Neubau von Einfamilienhäusern an­wendet hat.
  • Schaffung moderner Mietwohnungen mit Loftcharakter, ausgestattet mit je zwei Bädern und zwei Balkonen.

Das solare Konzept und die Anlagentechnik
Die nahezu vollständige Wärmeautarkie des Altbaus wird erreicht durch die Kombination einer großflächigen solaren Kollektoranlage auf dem Süddach des Gebäudes mit einem Wärmespeicher, der 50 m3 Wasser fasst. Zur Deckung des Restwärmebedarfs wird die Gas-Zentralheizung des Nachbargebäu­des genutzt. Die solarthermischen Module wurden nicht auf Ständern über den Dach­pfannen installiert, sondern sie sind in das Dach integriert. Es gibt keine Blech- und Hilfskonstruktionen oberhalb der Planebene des Daches. Nach Öffnung des Daches und der Etagenböden wurde der Solarspeicher von oben in den Gebäudekörper eingelas­sen.

Der Speicher reicht mit rund 15 m Höhe über alle Geschosse. Er wurde an geeigneter Stelle im Grundriss direkt inner­halb wärmesensibler Bereiche wie dem Bad und der Küche angeordnet. Der Speicher ist gedämmt und seine zylindrische Form in einigen Räumen gut sichtbar. Das Herzstück der solarthermischen Anlage speichert die solaren Überschüsse aus den sonnenrei­chen Monaten zur Verwendung in der kalten Jahreszeit. Sowohl die Fußbodenheizung als auch die Warmwasserbereitung werden mit diesem System bedient. Der verbleibende Restwärmebedarf von etwa 10 % wird durch die gekoppelte Gaszentralheizung des Nach­bargebäudes bedient. Zudem haben die Nutzer jeder Wohnung die Möglichkeit, mit einem Kaminofen zu heizen. Die notwendi­gen Kaminzüge wurden saniert bzw. neu installiert. So lässt das wohlige Wohn- und Raumgefühl noch steigern.

Wärme von den Nachbarn
In den sonnenreichen Monaten von Frühjahr bis Herbst erwirtschaftet die Solaranlage der Kanalstraße 15 mehr Erträge aus Solar­energie als die Bewohner dieses Gebäudes verbrauchen können. Dieser Überschuss fließt in das energetisch verzahnte Nach­bargebäude, die Kanalstraße 13 und kommt dort zum Heizen und zur Erhitzung von Warmwasser zum Einsatz. Die Menge an Energie, die die Solaranlage der Ka­nalstraße 15 im Sommer zusätzlich, über den eigenen Bedarf hinaus, bereitstellt, holt sie sich in der kälteren Jahreszeit aus der vorhandenen Gasheizung der Ka­nalstraße 13 zurück.

Sanierungskosten und Kosten der Solaranlage
Die Sanierungskosten für den denkmalge­schützten Altbau belaufen sich auf 1.200 bis 1.400 €/m². Die Kosten für die gesamte solarthermische Heizungsanlage liegen bei 80.000 €. Für die Refinanzierung des Son­nenprojektes macht der Bauherr für den eher noch verhaltenen Mietmarkt Chemnitz folgende Rechnung auf:

Durchschnittlicher lokaler Mietpreis für standardmäßig saniertes Objekt:

5,00 € Kaltmiete + 2,50 € NK = 7,50€/ m²

Mietpreis im solar sanierten Objekt:

6,50 € Kaltmiete + 1,00 € NK = 7,50 €/m²

Investorenertrag: 1,50 €/m² pro Monat (ins­gesamt 600 m2 WF) = 900,00 €/gesamte Wohnfläche pro Monat = 10.800 €/ge­samte Wohnfläche pro Jahr.

Bei zusätzlichen Investitionskosten in Höhe von 80.000 € für die solarthermische An­lage ergibt sich hieraus ein Amortisations­zeitraum von 7,5 Jahren für die solarthermi­sche Anlage.

Weitere Vorteile:

  • Zuschüsse für Solaranlagen/Solarspei­cher
  • günstige Kredite
  • Umweltschutz: Minimierung CO2-Ausstoß
  • gute Argumente für die Vermietung
  • deutlich höhere Kaltmiete

Erfreuliche Effekte für die Mieter
Alle Mieter senken erheblich und dauerhaft ihre Nebenkosten für Heizung und Warmwasser. Zudem entsteht ein ganz besonderes Wohngefühl: Der typische Gründerzeit-Charme mit hohen Decken und historischen Details trifft auf modernste solare Haustechnik. Die Wohnungen zwischen 60 und 150 m² in der Kanalstraße 15 wurden innerhalb eines Monats fast vollständig vermietet.

Derzeit laufen die Sanierungsarbeiten in den benachbarten Gebäuden der Ka­nalstraße 17 und 19. Auch hier wird das beschriebene dezentrale, gekoppelte Ener­giekonzept angewendet. Zum Einsatz kom­men ein 100 m³ großer wassergefüllter So­lartank – und eine Gesamtkollektorfläche von 230 m². Für dieses Bauprojekt wird ein solarer Deckungsgrad von 80 % angestrebt. Als ergänzendes Heizungssystem dient Fernwärme. Insgesamt entstehen 10 Woh­nungen zum Teil mit Loftcharakter und im Maisonette-Stil, von denen ein Teil bereits ab Oktober 2015 zur Vermietung bereit­steht (Kanalstraße 17).

Autor: Thomas Engelbrecht/ IVV

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