Objektbericht: Solare Autarkie im Altbau ist finanzierbar
Die Gebäude entlang der Kanalstraße werden zurzeit modernisiert und wärmeenergieautark gemacht. Das sei deutschlandweit einmalig, da ein kumulierter solarer Deckungsgrad von 90 % bislang nur bei wenigen Neubauten von (Einfamilien-)Sonnenhäusern erzielt worden sei.
Die baulichen und haustechnischen Ziele
- Sanierung in gehobener Qualität unter Einhaltung denkmalschutzrechtlicher Vorgaben für die straßenseitige Fassade, das Treppenhaus, Eingangstüren, Geländer, Fenster und die Holzbalkendecken.
- Nutzung eines regenerativen, solaren Energiekonzeptes mit möglichst geringem CO2-Ausstoß und geringen Nebenkosten für Heizung und Warmwasser. In den Altbau wird solare Technik eingebaut, die das Bauunternehmen bereits vielfach im Neubau von Einfamilienhäusern anwendet hat.
- Schaffung moderner Mietwohnungen mit Loftcharakter, ausgestattet mit je zwei Bädern und zwei Balkonen.
Das solare Konzept und die Anlagentechnik
Die nahezu vollständige Wärmeautarkie des Altbaus wird erreicht durch die Kombination einer großflächigen solaren Kollektoranlage auf dem Süddach des Gebäudes mit einem Wärmespeicher, der 50 m3 Wasser fasst. Zur Deckung des Restwärmebedarfs wird die Gas-Zentralheizung des Nachbargebäudes genutzt. Die solarthermischen Module wurden nicht auf Ständern über den Dachpfannen installiert, sondern sie sind in das Dach integriert. Es gibt keine Blech- und Hilfskonstruktionen oberhalb der Planebene des Daches. Nach Öffnung des Daches und der Etagenböden wurde der Solarspeicher von oben in den Gebäudekörper eingelassen.
Der Speicher reicht mit rund 15 m Höhe über alle Geschosse. Er wurde an geeigneter Stelle im Grundriss direkt innerhalb wärmesensibler Bereiche wie dem Bad und der Küche angeordnet. Der Speicher ist gedämmt und seine zylindrische Form in einigen Räumen gut sichtbar. Das Herzstück der solarthermischen Anlage speichert die solaren Überschüsse aus den sonnenreichen Monaten zur Verwendung in der kalten Jahreszeit. Sowohl die Fußbodenheizung als auch die Warmwasserbereitung werden mit diesem System bedient. Der verbleibende Restwärmebedarf von etwa 10 % wird durch die gekoppelte Gaszentralheizung des Nachbargebäudes bedient. Zudem haben die Nutzer jeder Wohnung die Möglichkeit, mit einem Kaminofen zu heizen. Die notwendigen Kaminzüge wurden saniert bzw. neu installiert. So lässt das wohlige Wohn- und Raumgefühl noch steigern.
Wärme von den Nachbarn
In den sonnenreichen Monaten von Frühjahr bis Herbst erwirtschaftet die Solaranlage der Kanalstraße 15 mehr Erträge aus Solarenergie als die Bewohner dieses Gebäudes verbrauchen können. Dieser Überschuss fließt in das energetisch verzahnte Nachbargebäude, die Kanalstraße 13 und kommt dort zum Heizen und zur Erhitzung von Warmwasser zum Einsatz. Die Menge an Energie, die die Solaranlage der Kanalstraße 15 im Sommer zusätzlich, über den eigenen Bedarf hinaus, bereitstellt, holt sie sich in der kälteren Jahreszeit aus der vorhandenen Gasheizung der Kanalstraße 13 zurück.
Sanierungskosten und Kosten der Solaranlage
Die Sanierungskosten für den denkmalgeschützten Altbau belaufen sich auf 1.200 bis 1.400 €/m². Die Kosten für die gesamte solarthermische Heizungsanlage liegen bei 80.000 €. Für die Refinanzierung des Sonnenprojektes macht der Bauherr für den eher noch verhaltenen Mietmarkt Chemnitz folgende Rechnung auf:
Durchschnittlicher lokaler Mietpreis für standardmäßig saniertes Objekt:
5,00 € Kaltmiete + 2,50 € NK = 7,50€/ m²
Mietpreis im solar sanierten Objekt:
6,50 € Kaltmiete + 1,00 € NK = 7,50 €/m²
Investorenertrag: 1,50 €/m² pro Monat (insgesamt 600 m2 WF) = 900,00 €/gesamte Wohnfläche pro Monat = 10.800 €/gesamte Wohnfläche pro Jahr.
Bei zusätzlichen Investitionskosten in Höhe von 80.000 € für die solarthermische Anlage ergibt sich hieraus ein Amortisationszeitraum von 7,5 Jahren für die solarthermische Anlage.
Weitere Vorteile:
- Zuschüsse für Solaranlagen/Solarspeicher
- günstige Kredite
- Umweltschutz: Minimierung CO2-Ausstoß
- gute Argumente für die Vermietung
- deutlich höhere Kaltmiete
Erfreuliche Effekte für die Mieter
Alle Mieter senken erheblich und dauerhaft ihre Nebenkosten für Heizung und Warmwasser. Zudem entsteht ein ganz besonderes Wohngefühl: Der typische Gründerzeit-Charme mit hohen Decken und historischen Details trifft auf modernste solare Haustechnik. Die Wohnungen zwischen 60 und 150 m² in der Kanalstraße 15 wurden innerhalb eines Monats fast vollständig vermietet.
Derzeit laufen die Sanierungsarbeiten in den benachbarten Gebäuden der Kanalstraße 17 und 19. Auch hier wird das beschriebene dezentrale, gekoppelte Energiekonzept angewendet. Zum Einsatz kommen ein 100 m³ großer wassergefüllter Solartank – und eine Gesamtkollektorfläche von 230 m². Für dieses Bauprojekt wird ein solarer Deckungsgrad von 80 % angestrebt. Als ergänzendes Heizungssystem dient Fernwärme. Insgesamt entstehen 10 Wohnungen zum Teil mit Loftcharakter und im Maisonette-Stil, von denen ein Teil bereits ab Oktober 2015 zur Vermietung bereitsteht (Kanalstraße 17).
Autor: Thomas Engelbrecht/ IVV
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