Verschläft die Wohnungswirtschaft die digitale Revolution?

Kein Tag vergeht ohne Meldungen und Diskussionen über die Digitalisierung der Welt. Gestaltet die Immobilienwirtschaft bereits den Wandel und wie sehen die Konzepte aus? Diese Fragen beleuchtete das jüngste Führungskräfteforum der BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft e.V., Berlin. 

FOTO: A. KLABUNDE
FOTO: A. KLABUNDE

Bei der Tagung „Performancesteigerung in der Wohnungswirtschaft“ trafen Führungskräfte aus der Wohnungs- und Immobilienbranche auf Dozenten, die über Expertenwissen in unterschiedlichen Bereichen der Digitalisierung verfügen. Sie alle widmeten sich den Chancen und Grenzen einer vernetzten Gesellschaft.

„Wer nicht mitgestaltet, der wird gestaltet“, so das Fazit der ersten Runde, bei der der Soziologe Dr. Stephan Humer die These vertrat, dass sich die durch die Digitalisierung angestoßenen Prozesse weder aufhalten noch ausblenden lassen würden. Für die Wohnungswirtschaft bestehe sogar eine riesige Chance zur Gestaltung des digitalen Wandels, so der Wissenschaftler.  Denn anders als in anderen Branchen gab es hier bisher weder nennenswerte Skandale noch Widerstand der von der Digitalisierung betroffenen Menschen wie bei Google Street View oder Google Glass. Wer jetzt intelligent mitwirkt, könne den Markt entscheidend prägen.

Diese Meinung vertraten auch die Unternehmensberater Dr. Mathias Hain und Cliff Pfefferkorn: Durch die Digitalisierung würden neue unternehmerische Potenziale entstehen. Dienstleistungen, die heute noch einen hohen Anteil an persönlich, vor Ort erbrachten Leistungen enthalten, können durch Standardisierung zukünftig digital zur Verfügung gestellt werden. Bereits jetzt kristallisieren sich folgende Handlungsfelder heraus, die sehr stark digital geprägt sind:

- Sicheres Wohnen: Digitale Schlüsselkarten; das Smartphone als Türöffner; digitale Notrufe und Rauchmelder; online steuerbare Rollläden mit Anwesenheitssimulation.

- Gesundheit und Alter: Mit Hilfe von Apps und Internet lassen sich körperliche Vitalwerte an den Arzt übermitteln; Notruf-Systeme sichern Hilfe im gesundheitlichen Ernstfall.

- Einkauf und Versorgung: Tägliche Einkäufe online mit Lieferservice; Paketversand- und Lieferstützpunkt im Quartier; Zugriff auf aktuelle Energie- und Wasserverbrauchsdaten über Internetportale.

Anwenderorientierte Geschäftsmodelle

Ein digitales Geschäftsmodell solle stets den Anwender im Blick haben. Denn nur eine praktikable und sozial kompatible Technologie würde sich durchsetzen, waren sich die Referenten einig. Besonderes Potenzial für das “digitale Geschäft“ biete sich beim Mieter. Denn dieser sei bereit ein Teil des Einkommens für digitale Technologien auszugeben.

Wichtige Handlungsfelder für die Digitalisierung liegen auch in der Bestandsbewirtschaftung, beispielsweise für eine effizientere Vermietung, für die kaufmännische und technische Bestandsverwaltung sowie bei administrativen Tätigkeiten. Auch die effiziente Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort wird für die Ausgestaltung eines neuen, digitalen Wohnumfeldes immer wichtiger werden.

Kritisch sahen die Redner der Ritter Unternehmensberatung GmbH in Berlin den Umstand, dass viele Möglichkeiten der Digitalisierung noch nicht erkannt,  geschweige denn umgesetzt werden. Potenziale würden häufig an einzelnen Musterprojekten aufgezeigt, dann aber nur selten weiterentwickelt.

Fazit des Forums „Performancesteigerung in der Wohnungswirtschaft“:

Die Wohnungswirtschaft müsse zunächst analysieren, welche Faktoren die Entwicklungen der digitalen Revolution voraussichtlich vorantreiben werden und sich alsbald positionieren, um nicht abgehängt zu werden. 

Autorin: Julia Loeser

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