Wohnungswirtschaft sieht energetische Sanierung als Belastung
Mieterperspektive: Hohe Mieten gefährden sozialen Frieden
Wohnen wird immer stärker zu einem gesellschaftlich brisanten Thema: Die überwiegende Mehrheit der Mieter (91 Prozent) hält Mieten in Ballungszentren für Normalverdiener für nicht mehr bezahlbar. 87 Prozent der Mieter sehen in den hohen Mietpreisen eine ernsthafte Gefahr für den sozialen Frieden, im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl um 3 Prozent erhöht.
Nebenkosten werden zur Belastungsprobe – Erwerb von Eigentum keine Option
Die energetische Sanierung bleibt ein sensibles Thema: 70 Prozent der Mieter befürchten, dass die energetische Sanierung die Situation auf dem Mietmarkt noch verschärfen wird. Für jeden Zweiten (53 Prozent) ist bei der Wohnungssuche ein nachhaltiges Gebäude wichtig, da man explodierende Nebenkosten befürchtet. Die Antwort auf steigende Nebenkosten: 57 Prozent versuchen bereits heute aktiv, Energie und Wasser zu sparen – insbesondere die ältere Generation. Eigentum entwickelt sich zunehmend zum Luxusgut und ist für 82 Prozent der Befragten keine Option.
Nur mäßige Zufriedenheit bei Ausstattung, digitalen Services und Sicherheit der Wohnung
Nur gut die Hälfte der Mieter sind aktuell mit Qualität und Ausstattung ihrer Wohnung zufrieden. Und sogar nur ein Viertel ist mit dem digitalen Service des Vermieters zufrieden. Dabei gelten schnelles Internet und digitale Kommunikation als zentrale Kriterien bei der Wohnungswahl. Auch das Thema Sicherheit gewinnt immer stärker an Bedeutung: Nur einer von drei Befragten fühlt sich zuhause sehr sicher, wobei ein deutliches Stadt-Land-Gefälle erkennbar ist. Insbesondere modernisierte Tür- und Fenstersicherungen und Videoüberwachung würden das Sicherheitsgefühl der Mieter erhöhen.
Der Ruf nach gezielter Unterstützung durch die Politik wird immer lauter
82 Prozent der Mieter sind der Meinung, Wohnen dürfe nicht rein gewinnorientiert sein. Von der Wohnungswirtschaft wird vor allem mehr sozialer Wohnungsbau erwartet. Von der Politik erwartet man Bürokratieabbau und eine bedarfsgerechte Förderung statt Gießkannenprinzip. Drei Viertel der Mieter erachtet die Mietpreisbremse als sinnvolles Instrument, um soziale Spannungen zu verringern.
Die Botschaft der Mieterinnen und Mieter ist eindeutig: Wohnen soll zuverlässig, bezahlbar und fair sein. Sie erwarten, dass die Branche Verantwortung übernimmt.
Wohnungswirtschaft: Regulatorische Rahmenbedingungen belasten
Die Entscheiderbefragung in der Wohnungswirtschaft zeigt ein ähnliches Bild wie bei den Mietern: 80 Prozent der Entscheider halten Mieten in Ballungszentren für Normalverdiener für kaum noch bezahlbar. 94 Prozent erwarten, dass energetische Sanierungen den Markt weiter belasten. Zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums fordern Entscheider Maßnahmen von der Politik, an erster Stelle die Senkung der Baunebenkosten, gefolgt von Bürokratieabbau und zielgerichtete Förderung. Beim Thema Mietpreisbremse geht die Meinung auseinander: Drei Viertel der Entscheider sehen in ihr eine Hürde für den Neubau – während Mieter sie klar befürworten.
Fachkräftemangel als strukturelles Problem – Digitalisierung als Überlebensfrage
Der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Problem: 88 Prozent rechnen diesbezüglich mit einer weiteren Verschärfung, die sich vor allem negativ auf Neubau, Instandhaltung und technische Gebäudeausstattung auswirken wird. Als Lösung sehen zwei Drittel der Entscheider die Digitalisierung von Routineaufgaben: Größtes Potenzial bieten Buchungs- und Zahlungsverkehr, Mieterservice und interne Verwaltung.











