Kleiner wohnen

Für 1.000 Euro gibt es immer weniger Wohnfläche

Eine Analyse des Internetportals Immowelt zeigt: In 60 von 80 untersuchten deutschen Großstädten ist die Wohnfläche, die für 1.000 Euro Kaltmiete angeboten wird, seit 2022 um gut 10 Prozent gesunken. In Berlin müssen die Mieter sogar auf ein ganzes Zimmer verzichten.

Sogar im teuren München gibt es für 1.000 Euro fast 13 Prozent weniger Wohnfläche. Foto: Elke Hartmann / Pixelio
Sogar im teuren München gibt es für 1.000 Euro fast 13 Prozent weniger Wohnfläche. Foto: Elke Hartmann / Pixelio

Dort schrumpfte nämlich die Fläche, die man für 1.000 Euro monatlich kalt mieten kann um 16 Quadratmeter, was dem Verlust eines ganzen Zimmers entspricht.

Metropolen: Mieter bekommen deutlich weniger

In den anderen Metropolen ist der Effekt ebenfalls spürbar, aber nicht ganz so ausgeprägt. Da dort die Mieten bereits vor vier Jahren hoch waren, fallen die Rückgänge der Wohnfläche nicht ganz so drastisch aus: In Hamburg sank die leistbare Fläche von 87 auf 75 Quadratmeter (-13,8 Prozent), in Frankfurt von 69 auf 61 Quadratmeter (-11,6 Prozent). In Köln büßen Wohnungssuchende 9 Quadratmeter ein und müssen sich heute mit 74 statt 83 Quadratmetern begnügen (-10,8 Prozent). Das ohnehin schon extreme Pflaster München bildet das Schlusslicht beim Platzangebot: Für 1.000 Euro Kaltmiete gibt es in der bayerischen Landeshauptstadt heute im Schnitt nur noch 48 Quadratmeter statt zuvor 55 Quadratmeter (-12,7 Prozent). Das entspricht in etwa einer 2-Zimmer-Wohnung, die sich für Singles oder Paare anbietet. Familientaugliche Wohnungen sind für ein Budget von 1.000 Euro in München gar nicht mehr zu finden.

Ruhrgebiet: Wohnfläche schrumpft um bis zu 29 Quadratmeter

Die größten Flächenverluste treten in mehreren Städten des Ruhrgebiets auf. Dort sind im Vergleich zwar die Mietpreise günstiger, sodass Mieter für 1.000 Euro noch geräumige Wohnungen finden können. Allerdings hat der Anstieg der Angebotsmieten auch in diesen Städten dafür gesorgt, dass Wohnungssuchende merklich weniger Fläche für das gleiche Geld bekommen als noch 2022: In Gelsenkirchen schrumpft die leistbare Fläche um 29 Quadratmeter, in Hagen um 27 Quadratmeter. Auch Recklinghausen, Duisburg und Bremerhaven verlieren jeweils mehr als 23 Quadratmeter.

Vier Gründe für immer weiter steigende Mieten

Bemerkenswert ist, dass die Rückgänge bundesweit relativ einheitlich ausfallen. In 60 der 80 untersuchten Städte ist die leistbare Wohnfläche um mindestens zehn Prozent binnen 4 Jahren geschrumpft. Die steigende Belastung für Mieter ist also längst nicht mehr auf Hochpreis-Metropolen beschränkt, sondern hat inzwischen breite Teile des deutschen Wohnungsmarktes erfasst - auch jene Städte, die eigentlich als preiswert gelten.

Um diese Entwicklung einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die finanzielle Realität der Bürger: Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland liegt laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt bei 3.176 Euro. Ein Budget von 1.000 Euro für die reine Kaltmiete verschlingt somit bereits fast ein Drittel des gesamten Nettoeinkommens eines Durchschnittshaushalts. Nebenkosten, Heizung oder Stromverbrauch sind noch nicht eingerechnet.

Die Gründe für den rasanten Mietenanstieg sind vorrangig durch das Zusammenspiel von vier Hauptfaktoren angetrieben:

1. Steigende Baukosten und Handwerkerpreise

Die Kosten für Baumaterialien, Energie und Handwerker sind in den letzten Jahren massiv in die Höhe geschossen. Allein der mittlere Baupreis stieg seit Anfang 2022 um 25,9 Prozent.

Mit fatalen Folgen: Zum einen liegt der Neubau brach. Weil Bauen extrem teuer geworden ist, rechnen sich viele Projekte für Investoren schlicht nicht mehr. Es wird deutlich weniger neuer Wohnraum geschaffen als benötigt. Zum anderen wird die Instandhaltung teurer. Wohnungskonzerne sowie private Vermieter müssen die gestiegenen Kosten für Modernisierungen und Instandhaltung an die Mieter weitergeben.

2. Zinswende ab 2022 und der Fluchtreflex in die Miete

Durch den sprunghaften Anstieg der Bauzinsen ab 2022 ist der Traum vom Eigenheim für viele Familien der Mittelschicht geplatzt. Menschen, die eigentlich eine Immobilie kaufen wollten, können sich die Kredite nicht mehr leisten. Die Konsequenz: Sie bleiben als Mieter auf dem Markt oder drängen neu hinein. Das erhöht den Druck auf bestehende Mietwohnungen massiv.

3. Überlauf-Effekt aus den teuren Metropolen

Es ist oft nicht die eigene Wirtschaftsleistung, die das Mietniveau in den Regionen antreibt, sondern die Überhitzung der Nachbarzentren. Städte wie Düsseldorf und Köln, aber auch die Kernstädte des Ruhrgebiets wie Dortmund und Essen, sind auch für viele Normalverdiener teuer geworden. Wohnungssuchende weichen daher zunehmend auf traditionell günstigere Randlagen und umliegende Städte wie beispielsweise Krefeld oder Hagen aus. Diese plötzliche, enorme Nachfragewelle trifft dort auf ein viel zu geringes Angebot.

4. Der Nachholeffekt

Hier kommt ein statistischer Effekt ins Spiel: Da Städte wie Oberhausen, Duisburg oder Gelsenkirchen jahrelang ein im Vergleich sehr niedriges Mietniveau hatten (oft um die sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter), schlägt jede absolute Erhöhung prozentual extrem zu Buche. Steigt die Miete dort um einen Euro pro Quadratmeter, bedeutet das sofort einen zweistelligen prozentualen Sprung - während derselbe Anstieg in bereits sehr teuren Städten statistisch weniger schwer ins Gewicht fällt.

Quelle: immowelt.de

 

Redaktion (allg.)

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